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Styria Ventures, SevenVentures & ORF: Wie Start-ups Werbung in TV, Print und Online bekommen

rublys bekam bereits eine große TV-Kampagne bei Puls 4. © Fotolia/rublys, Montage L. Weishäupl
rublys bekam bereits eine große TV-Kampagne bei Puls 4. © Fotolia/rublys, Montage L. Weishäupl

Medienunternehmen, die in Start-ups investieren, sind in Österreich nichts Neues: Die ProSiebenSat.1 PULS 4-Tochter SevenVentures Austria ist seit etwa drei Jahren tätig und hat vor allem über das TV-Vehikel „2 Minuten 2 Millionen“ bis dato in rund 20 Jungfirmen investiert. „Unser Ziel ist es, in Österreich einerseits gezielte Mehrheitsbeteiligungen einzugehen die das Kerngeschäft TV unterstützen und andererseits mit Minderheitsbeteiligungen via TV Start-ups in die nächste Wachstumsstufe zu verhelfen“, sagt Bernhard Albrecht, Finanzchef bei SevenVentures Austria.

Mit dem futurelab.261 bzw. der Tochter ORF-Mediaservice ist der öffentlich-rechtliche TV-Sender nun ebenfalls in das Geschäft mit Start-ups eingestiegen (TrendingTopics.at berichtete exklusiv). Das Konzept: Pro Jahr will man mit rund fünf Start-ups (aktuell Greetzly, Updatemi, Xamoom und Inscouts) zusammenarbeiten, gegen Firmenanteile bekommen sie Werbung in TV und Online. Manchmal investiert der ORF auch kleine Geldbeträge, nie sollen dabei die Leistungen oder die Investments aus den Gebührengeldern stammen.

Verlängerung nach Deutschland

Die Deals funktionieren nach dem mittlerweile bekannten Media-for-Equity-Modell: Die Start-ups geben einen bestimmten Prozentsatz ihrer Firmenanteile an SevenVentures Austria ab und bekommen dafür TV-Werbung auf den Sendern von ProSiebenSat.1 PULS 4. „Das digitale Rubbellos rublys sowie zuletzt auch kiweno haben wir wie die Prospekt-Plattform Marktguru, bei der wir Mehrheitseigentümer sind, ebenso in Österreich gelauncht und über TV nach Deutschland mehr als erfolgreich exportiert“, so Albrecht über die Vorzeige-Start-ups im eigenen Portfolio.

Das sei auch das Alleinstellungsmerkmal von SevenVentures Austria gegenüber der Konkurrenz: Als Teil der ProSiebenSat.1-Gruppe könne man die Kampagnen nach Deutschland verlängern, da SevenVentures auch im großen Nachbarland tätig ist. „Österreich ist ein idealer Testmarkt und Sprungbett für eine Internationalisierung. Sind die Kampagnen erfolgreich und die Unternehmen entwickeln sich hier gut, exportieren wir die Unternehmen innerhalb kurzer Zeit in den zehn Mal so großen Markt nach Deutschland. Wir sind auch in der Lage, aus Wien heraus Deals für den gesamten D-A-CH-Raum abzuschließen“, so Albrecht.

Dieses Jahr plane man eine weitere Mehrheitsbeteiligung an einem österreichischen Start-up, außerdem wolle man auch stärker internationalisieren und im gesamten europäischen Markt präsent werden.
Damit die Start-ups auch die passenden TV-Spots bekommen, gibt es eine eigene „Creative Solutions“-Abteilung, die beratend als auch in der operativen Umsetzung zur Verfügung steht.

Auch die Styria mischt mit

Relativ neu im Media-for-Equity-Geschäft ist die Styria-Tochter Styria Ventures, die Anfang Mai an den Start gegangen ist. Unter der Leitung von Executive Dirctor Bernhard Thalhammer werden derzeit erste Beteiligungen verhandelt. „Wir sind überzeugt, dass Medienleistung nur dann den gewünschten Effekt erzielt, wenn der Proof of Concept erbracht wurde. Deshalb liegt unser Fokus auf Start-ups, die einen Mindestumsatz von 50.000 Euro verzeichnen können und damit die Pre-Revenue-Phase bereits hinter sich gelassen haben“, sagt Thalhammer.

Grundsätzlich würde man keine Branchen ausschließen, da man über die Produkte der Styria vielfältige Themen von Sport über Fashion, Lifestyle bis hin zu Business bedienen könne. Start-ups würden Werbeplätze sowohl Online als auch Print bekommen, generell wünsche man sich eine Beteiligung von mindestens fünf Prozent an der Jungfirma. „In die Mediaplanung werden die Start-ups zu 100 Prozent eingebunden, wir unterstützen mit unserem Know-how und optimieren, falls notwendig, die Kanäle auch während der laufenden Kampagne“, so Thalhammer.

Für und wider ORF

Der Vorstoß des ORF, sich an Start-ups zu beteiligen, stößt bei den Mitbewerbern auf gemischte Gefühle. „Wenn sich ein Start-up die kombinierte Medienpower von Styria und ORF wünscht, sind wir grundsätzlich bereit, über Kooperationen zu sprechen“, so Thalhammer. Albrecht von SevenVentures Austria ist skeptisch: „Generell ist positiv, wenn Start-ups mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Im Fall des öffentlich-rechtlichen Senders ist nur sehr bedenklich und unbegreiflich, dass dieser Werbung, die ihm als Unterstützung seiner Finanzierung von der Öffentlichkeit gewährt wurde, als Risikokapital bei Start-ups einsetzt.“

Trotz einem Kooperationsangebot vom Kaufmännischen Direktor des ORF, Richard Grasl, an Verlage und Privatsender reagierten beide sehr kritisch auf die neue ORF-Offensive. „Solange der ORF genügend Geld hat, um es in spekulative Projekte zu investieren, kann eine Gebührenerhöhung jedenfalls nicht gerechtfertigt sein“, so Ernst Swoboda, Vorstandsvorsitzender des VÖP. Zudem sei das Investitionsrisiko aus Sicht des VÖP mit der zweckgebundenen Mittelverwendung durch ein öffentlich-rechtliches Unternehmen „nicht in Einklang zu bringen“.

Für „nicht unproblematisch“ hält auch VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger die Angelegenheit. Der ORF dürfe sich zwar zur reinen Vermögensveranlagung bis zu 25 Prozent an anderen Firmen beteiligen, aber: „Ob Hochrisikoinvestitionen unter den Begriff der Vermögensverwaltung subsumierbar sind, ist jedoch fraglich“, so Grünberger. „Venture-Capital- und Private-Equity-Finanzierungen für Start-up-Unternehmen sind zweifellos im Bereich der Risikoinvestitionen angesiedelt und keine klassischen Maßnahmen der Vermögensverwaltung.“ Ob sich VÖZ-Mitglieder zur Zusammenarbeit (zum Beispiel eine gemeinsame Gesellschaft) mit dem ORF entschließen, obliegt ihnen selbst. Mögliche Kooperationen zwischen Mitgliedern und ORF hätten „keinen Einfluss auf die verbandspolitische Gestion“, so Grünberger.

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