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story.one: Salzburger Startup liefert mitten in der Krise einen Bestseller ab

Hannes Steiner von story.one. © H. Steiner
Hannes Steiner von story.one. © H. Steiner

Werft mal einen Blick auf die aktuelle Sachbuch-Bestsellerliste in Österreich. Da steht der weltberühmte israelische Historiker Yuval Noah Harari drauf, der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty oder der österreichische Top-Journalist Christoph Kotanko. Mitten zwischendrin: ein Buch des österreichischen Startups story.one mit dem vielsagenden Titel „Corona – Nichts wird mehr sein wie es war. Life is a Story“.

Dieses Buch ist kein normales Buch. Es ist ein Buch, das aus 17 Geschichten besteht, die Hobby-Autoren seit dem Beginn der Corona-Krise aufgeschrieben und online gestellt haben. Und zwar nicht auf eine US-amerikanische Social-Media-Plattform oder ihren eigenen Blog, sondern auf das Story-Portal von story.one. Gegründet von Hannes Steiner und Martin Blank 2018, ist für das Salzburger Startup mitten in der Krise, der viele andere Jungfirmen durchbeutelt, die große Zeit gekommen. Ohne groß Werbung zu schalten, haben tausende Menschen aus dem deutschsprachigen Raum ihre Geschichten bei story.one veröffentlicht – etwa 1.000 davon handeln alleine vom Coronavirus und seinen Folgen.

Nichts wird mehr sein, wie es war

Die bisher populärste Geschichte, die bei story.one erschienen ist, hat dem Buch seinen Titel gegeben. „Corona – nichts wird mehr sein, wie es war“ von Autorin Sonja Schiff wurde seit der Veröffentlichung am 14. März bisher satte 1,7 Millionen mal abgerufen. “Das Coronavirus und dass die Leute jetzt viel Zeit haben, ist sicher ein Faktor für den aktuellen Höhenflug”, sagt Hannes Steiner im Gespräch mit Trending Topics. Fast 15.000 Geschichten wurden von den Nutzern veröffentlicht, ein Zehntel davon alleine im noch jungen April.

story.one hat sich zwei Ziele gesetzt: 100.000 Stories bis Ende 2020 zu versammeln, und: “Wir möchten Buchmarkt demokratisieren”, sagt Steiner. Denn das Geschäftsmodell seines Startups beschränkt sich nicht auf eine Online-Lese-Plattform, sondern hat das gedruckte Buch zum Ziel. Jeder Nutzer, der 12 bis maximal 17 Storys zusammen hat, kann diese als Buch mit 60 oder 80 Seiten drucken lassen. Je nachdem, wie viele Exemplare man bestellt, bezahlt man pro bestelltem Buch zwischen 2 und 14 Euro (je mehr man ordert, desto günstiger wird es).

Jedem sein eigenes Buch

Und das geht schnell. “Wir können ein Buch mit Hilfe der Community in wenigen Tagen veröffentlichen. Wir können immer sehr schnell auf Entwicklungen reagieren”, sagt Steiner. Bisher hat das Startup fast 200 Bücher für Nutzer drucken lassen, und der Einstieg in die Bestsellerliste ist nun der Beweis, dass das nicht nur Liebhaberei ist. “Das ist für mich als ehemaliger Verhinderer und Gatekeeper ein Moment, der unglaublich ist”, sagt Steiner. Früher war er der Chef des Salzburger Ecowin-Verlags und damit der, der entschieden hat, welche Bücher auf den Markt kommen. Wolfgang Schüssel, Markus Hengstschläger oder Paul Lendvai veröffentlichten bei Ecowin.

© Story.one
© Story.one

Heute gehört Ecowin dem großen Red Bull Mediahouse, und Steiner hat quasi die Seiten gewechselt – auf die Seite der Crowd. “Man findet Leser und Autoren in allen Berufsgruppen, in allen sozialen Schichten”, sagt Steiner. Jeder könne einen Bestseller schreiben, und story.one würde das Werkzeug dafür bieten. Bei der Auswahl der 17 Storys in dem Bestseller wäre man so vorgegangen. “Das letzte Wort haben wir, aber wir verlassen uns stark auf das Feedback der Crowd.”

Deutschland als Wachstumsmarkt

Nun geht es bei dem Startup, bei dem wie berichtet seit 2019 auch Ex-Politiker Matthias Strolz mit an Bord ist (Trending Topics berichtete) vor allem darum, möglichst viel zu automatisieren. Derzeit sind Steiner und sein kleines Team noch damit beschäftigt, viel händisch zu erledigen – vor allem das Lesen der vielen Stories braucht Zeit. “Immer dort, wo wir am Limit stoßen, beginnen wir zu automatisieren”, sagt er. Mittlerweile kommen viele Nutzer aus Deutschland. Nach einer Teilnahme am Next Media Accelerator in Hamburg sind die Kontakte zur großen deutschen Medienwelt geknüpft. Diese sollten dabei helfen, das große Ziel der 100.000 Stories zu erreichen.

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