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Millionen-Investment: Steirisches Spin-off Stirtec profitiert vom E-Mobility-Boom

Rührreibschweißen ermöglicht feste Verbindungen zwischen unterschiedlichen Bauteilen © Stirtec
Rührreibschweißen ermöglicht feste Verbindungen zwischen unterschiedlichen Bauteilen © Stirtec

Premstätten bei Graz ist der Sitz des „Hidden Champions“ Stirtec. Das Spin-off der TU Graz hat ein Produktionsverfahren entwickelt, das unter anderem bei einem der größten Automobilzulieferer der Welt zum Einsatz kommen soll. Für diesen Großauftrag hat das Jungunternehmen nun 3,7 Millionen Euro Kapital aufgenommen. Lead-Investor ist wieder die Grazer eQventure rund um Herbert Gartner, die zuletzt mit Millioneninvestments in Usound, App Radar und eyeson für Aufmerksamkeit sorgte.

eQventure ist bereits 2015 bei Stirtec eingestiegen und hält nach der aktuellen Runde rund 54 Prozent – der Rest des Unternehmens gehört den beiden Gründern Thomas Weinberger und Gunter Figner. Sie haben die Firma vor rund fünf Jahren gegründet und mittlerweile ein zwanzigköpfiges Team aufgebaut. Das frische Kapital soll in die Umsetzung des neuen Großauftrags, den Ausbau der Fertigungskapazitäten und Forschung und Entwicklung fließen.

Rührreibschweißtechnologie für E-Fahrzeuge

„Unsere Exportquote beträgt fast 100 Prozent“, sagt Stirtec-Geschäftsführer Roland Rathner. „Unsere Fügetechnologie wird in der Entwicklung und Produktion von E-Motoren, Getrieben, Leistungselektronik, Batterien bis hin zu Brennstoffzellen sehr stark nachgefragt“. Die so genannte Rührreibschweiß-Technologie ermöglicht feste Verbindungen zwischen unterschiedlichen Bauteilen.

Das Verfahren kommt laut Rathner ursprünglich aus der Raumfahrt, wo damit beispielsweise Tanks von Titanraketen zusammengeschweißt werden. „Man verwendet die Technologie überall, wo man beim Verbinden vor besonderen Herausforderungen steht“. Stirtec konzentriert sich auf die Automobilindustrie und ist da vor allem in der Fertigung von E-Fahrzeugen interessant.

Stirtec Gründer Thomas Weinberger und Gunter Figner © Stirtec
Stirtec Gründer Thomas Weinberger und Gunter Figner © Stirtec

Konkurrenz hat anderen Fokus

„Alle deutschen Premium-Hersteller setzen bereits auf unser Verfahren“, so Rathner im Gespräch mit Trending Topics. Stirtec ermöglicht eine Serienfertigung vor allem in den boomenden Bereichen der E-Mobility. Die wenigen Konkurrenten bei der Rührreibschweißtechnologie haben laut Rather einen anderen Fokus – beispielsweise auf Raumfahrttechnik. Üblicherweise entwickelt Stirtec für den Automobilhersteller den Prozess und fertigt dann für den jeweiligen Zulieferer die Anlage. Entwicklung von Hard- und Software erfolgt in Premstätten, die Anlagenfertigung übernimmt ein Partner in Tschechien.

Ein Jahr für Großauftrag aus den USA

Eigentlich hätte Stirtec am europäischen Markt mehr Aufträge, als zu bewältigen wären. Das Ziel sei eigentlich nicht gewesen, aktiv in die USA zu expandieren, erklärt Rathner. Der Großkunde aus den USA sei selbst auf die Firma zugekommen. Der Auftrag wird den steirischen Hersteller nun etwa ein Jahr beschäftigen und umfasst eine Komponentenfertigungsanlage für Hybridantriebe, die es ermöglicht, Batteriegehäuse mit Gasdichtheit und Crash-Festigkeit herzustellen.

Umsatz wächst auf 6 Millionen Euro

Dank des E-Mobiliy-Booms verdopple sich das Geschäft bei Stirtec jährlich – kommendes Jahr soll der Umsatz von drei auf sechs Millionen Euro wachsen. Nächstes Jahr will die Firma den Standort in der Steiermark vergrößern, das Personal deutlich aufstocken und auch stark in Forschung und Entwicklung investieren. „Die gesamte Branche investiert gerade in E-Fahrzeuge. Das ist genau unser Feld – wir werden die Fabriken alle mit unserer Technologie ausstatten“, so Rathner.

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