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StepsApp: Wie ein Grazer Hidden Champion mit Growth Hacking 1,5 Mio. Nutzer gewann

Gunther Marktl und Wolfgang Bartelme. © StepsApp
Gunther Marktl und Wolfgang Bartelme. © StepsApp

Manche Ideen sind so simpel, dass man ihr Potenzial auf den ersten Blick gar nicht bemerkt. Nimm‘ zum Beispiel die Grazer App StepsApp. Wer würde vermuten, dass die Software, die als Pedometer und Kalorienzähler auf Smartphones nützlich machen will, mittlerweile fünf Millionen Downloads und 1,5 Millionen monatlich aktive Nutzer zählt? Gemacht wird sie von Gunther Marktl, der zuvor bei iTranslate (dieses Jahr um viele Millionen Euro an IAC verkauft) und Wolfgang Bartelme.

“Wir wollten etwas bauen, dass wenig Ressourcen frisst, cool aussieht und einfach funktioniert”, sagt Marktl zu Trending Topics. “Wir generieren aus der Schrittanzahl Mehrwert.” Die App zählt einfach nicht nur Schritte unter tags oder während Workouts, sondern macht aus den Daten übersichtliche Analysen auf Tages, Wochen-, Monats- oder Jahresbasis. Besonders auffällig ist dabei: Bei der StepsApp (der Name ist an WhatsApp angelehnt) wird sehr viel Wert auf Design und auf die Integration ins gesamte Apple-Ökosystem gelegt.

Die App spielt mit Apple Health zum Import von Aktivitätsdaten genauso zusammen wie mit der Apple Watch. Hat man sein Smartphone etwa beim Laufen daheim gelassen, dann zählt die Smartwatch die Schritte weiter.

„Mit null Investment“

Die StepsApp wirft genug Geld für das derzeit achtköpfige Team der Grazer StepsApp GmbH ab. Denn um die Smartphone-Software in vollem Umfang nutzen zu können (Apple-Watch-Synchronisierung, Apple-Health-Import, Kalorien-Tracker) und die kleinen Werbebanner der Gratisversion loszuwerden, zahlt man derzeit einmalig 3,50 Euro. “Die Firma StepsApp kann sich komplett aus dem eigenen Cashflow finanzieren. Die Kriegskasse ist gefüllt”, sagt Marktl.

Die StepsApp am iPhone X. © StepsApp
Die StepsApp am iPhone X. © StepsApp

“Das Ziel war, mit null Investment ein Produkt hochzuziehen. Ich wollte schauen, ob das überhaupt möglich ist, und ich habe gesehen: Es ist möglich”, sagt Marktl, der die App-Firma gemeinsam mit Bartelme 2016 startete – damals ein kleines Seitenprojekt von iTranslate. “Der einmalige In-App-Kauf läuft. Aber wo alle hinwollen, ist die Subscription“, sagt Marktl. „Dieses Modell ist die Zukunft. Abo-Modelle, also monatliche Zahlungen für eine Dienstleistung oder ein Produkt, sind in der Offline-Welt gang und gäbe, vom Leasing bis zur GIS.”

Auch die StepsApp soll sich künftig über Abo-Angebote finanzieren – auch auf die Gefahr hin, dass dann Nutzer wieder abspringen. “Ich habe lieber weniger User, die ein Abo nehmen, als viele User, die nur einmal die App bezahlen”, sag Marktl.

Viele kleine Schritte

Dass die StepsApp bis dato mehr als fünf Millionen Mal geladen wurde und bei 1,5 Millionen aktiven Nutzern eine sehr hohe Retention-Rate (mehr dazu hier) hat, ist so genanntem Growth Hacking zu verdanken. Oft als Marketing-Buzzword missbraucht, beschreibt Marktl Growth Hacking eher als langwierigen Prozess, bei dem an vielen vielen Details der App gefeilt wird, bis auch kleinste Features für den Nutzer optimiert werden.

Ein Beispiel: Die Smartphone-Software informiert den User per Push-Notification, wenn er sein Tagesziel an Schritten erreicht hat. “Es sind kleine einfache Dinge, die große Sprünge bei der Retention auslösen können”, sagt Marktl. In die Karten will er sich nicht schauen lassen, jedenfalls seien viele kleine Verbesserungen notwendig, um in Summe eine hohe Retention hinzubekommen.

Ein neuer Business Angel?

Marktl war als Mitgründer von iTranslate an einem der größten App-Erfolge aus Österreich neben Runtastic, Shpock oder mySugr beteiligt. Im März 2018 wurde der Verkauf von iTranslate an die Tinder-Mutter IAC bekannt gegeben (Trending Topics berichtete). Geld aus diesem Exit hat Marktl jedoch nicht in die StepsApp GmbH investiert. Marktl: “Business Angel ist absolut eine Option für mich. Aktuell helfe ich anderen Firmen mit Consulting, aber Investments habe ich noch keine gemacht.” 

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