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Stellar: Der boomende Ripple-Rivale, der die „Unbanked“ ins digitale Geldsystem holen will

Das kleine Raumschiff hält als Stellar-Logo her. © Stellar.org
Das kleine Raumschiff hält als Stellar-Logo her. © Stellar.org

Ein neues Jahr, ein neuer Stern am Krypto-Himmel: Mit Stellar gibt es seit Anfang des Jahres eine neue Kryptowährung unter den Top 10, die für viele aus dem Nichts kam. Eine niedliche Rakete als Logo, ein Kürzel, das nicht zum Namen passt, und eine illustre Vorgeschichte – was steckt hinter Lumen (XLM), das aktuell bei einer Marktkapitalisierung von fast zehn Milliarden Dollar hält?

Günstige und schnelle Transaktionen; ein sozialer Auftrag, um Menschen in Entwicklungsländern günstigen und einfachen Zugang zum Finanzsystem zu verschaffen; und wie andere Kryptowährungen zuvor gerne mal als „das nächste Bitcoin“ bezeichnet – Stellar ist jedenfalls ein seit mehreren Jahren gewachsenes Projekt mit großen Ambitionen. Eine Konkurrenz zu Bitcoin ist Stellar aber nicht. Eher tritt es in Konkurrenz zu der Kryptowährung Ripple und der dahinter stehenden Firma, die sich auf grenzübergreifende Transaktionen spezialisiert hat.

Hype-Gefahr besteht ebenfalls. Nachdem Stellar um den Jahreswechsel seine Marktkapitalisierung fast verdreifachte, brach sehr schnell wieder viel davon weg. Und John McAfee ernannte Lumen diese Woche gar zur „coin of the week“ – da schrillen mancherorts die Alarmglocken. Also: Was steckt wirklich hinter Stellar?

Was ist das Ziel von Stellar?

Stellar.org hat sich das grundlegende Ziel gesetzt, Transaktionen über Grenzen hinweg zwischen verschiedenen Währungen in verschiedenen Ländern schnell und vor allem kostengünstig zu machen. Einmal fertig ausgebaut, soll es auf Basis des dezentralen Netzwerks möglich sein, zum Beispiel Euro wegzuschicken und dem Empfänger Dollar auszuzahlen.

Anders als der Konkurrent Ripple, von dem sich das Stellar-Projekt abgespaltet hat und das sich mit seinem RippleNet stark auf Finanzinstitutionen als Kunden konzentriert, setzt man auf ein dezentrales Netzwerk. Wichtig ist den Betreibern offenbar der soziale Aspekt. Stellar soll es den „Unbanked“, also jenen hunderten Millionen Menschen ohne Zugang zum Finanzsystem, einmal ermöglichen, kostengünstig digital Geld zu verwenden.

Wie funktioniert Stellar?

Stellar bietet die eigene Kryptowährung Lumen (XLM), ist aber eben nicht nur eine Kryptowährung. Die Blockchain, auf der Stellar basiert, soll 1.000 Transaktionen pro Sekunde abwickeln können und wäre damit deutlich schneller als etwa jene von Ethereum (ca. 15 Transaktionen/Sekunde). Ähnlich wie Ethereum gibt es auch die Möglichkeit, Smart Contracts anzulegen, was etwa für ICOs wichtig ist. Doch bei ICOs hat sich Lumen noch nicht durchgesetzt, diese laufen zumeist auf Basis von Ether (ETH). Das Stellar-Netzwerk wird derzeit testweise von IBM in einem Blockchain-Projekt verwendet, um internationale Transaktionen im pazifischen Raum abzuwickeln.

Was sind Lumen?

Lumen sind die Kryptowährung von Stellar. Sie hießen zu Beginn Stellar, bis der Name eben auf Lumen geändert wurde. Auf Krypto-Börsen werden Lumen unter dem Kürzel XLM gehandelt. XLM kann man aktuell eigentlich nur zum Traden verwenden, künftig soll man damit aber auch Transaktionen bezahlen können – sofern die Technologie angenommen wird. Eine Transaktion soll dabei lediglich 0.00001 XLM kosten. Laut Stellar soll man um den Preis von 0,01 US-Dollar grob 600.000 Transaktionen bezahlen können. Das ändert sich aber quasi stündlich mit dem stark schwankenden Kurs von XLM.

Wo können Lumen (XLM) gehandelt werden?

Wer Lumen (XLM) kaufen oder verkaufen möchte, kann dies auf Krypto-Börsen wie Kraken, Poloniex, Binance oder Bittrex tun. Meistens braucht man für den Kauf US-Dollar, Bitcoin (BTC) oder Ether (ETH).

Wem gehören die XLM derzeit?

Insgesamt gibt es den Betreibern zufolge 103,59 Milliarden Lumen. In Umlauf gebracht wurden davon bis dato aber lediglich knapp 18 Milliarden XLM, also nur etwa 20 Prozent. Diese XLM wurden gegen Bitcoin und Ripple (XRP) verkauft. Der Plan sieht jedenfalls vor, das 50 Prozent aller XLM über Zeit über ein eigenes Programm an Privatpersonen ausgegeben werden sollen, während weitere 25 Prozent über ein Partnerprogramm an Institutionen (z.B. Unternehmen) vergeben werden. Die restlichen 5 Prozent behält sich die Stiftung, die hinter dem Projekt steht, ein, um eigene Kosten zu decken.

Kann man XLM minen?

Nein.

Wer steckt hinter Stellar?

Das Netzwerk und das Protokoll von Stellar wird von der Stellar Development Foundation (SDF) entwickelt. SDF ist eine Non-Profit-Organisation, die im US-Bundesstaat Delaware registriert ist. Stellar wurde von einem gewissen Jed McCaleb mitgegründet, der zuvor beim Rivalen Ripple tätig war. Zentral für das Projekt ist auch der Computer-Wissenschaftler David Mazières von der Universität Stanford, der das zugrunde liegende Whitepaper zum Stellar Consensus Protocol verfasst hat.

Wer ist dieser Jed McCaleb?

Der US-Programmierer Jed McCaleb hat eine durchaus spannende Geschichte. Er hat zuerst gemeinsam mit dem Internet-Unternehmer Sam Yagan die P2P-Sharing-Plattform eDonkey entwickelt. McCaleb hat außerdem Mt. Gox, eine damals führende Bitcoin-Börse ins Leben gerufen, die er später an den Franzosen Mark Karpelès verkaufte. Dann war er in die Gründung von Ripple involviert – jener Firma, die die Kryptowährung XRP ausgibt und vor allem Banken als Kunden hat. Ripple trennte sich dann aber in einem Millionen-Rechtstreit von McCaleb, der dann eben das Stellar-Projekt mit Mitgründerin Joyce Kim anging. Kim wiederum verließ Stellar 2016, steht McCaleb aber immer noch beratend zur Seite.

JedMcCalebJoyceKimStellar

Wer hat in Stellar investiert?

Der Payment-Dienst Stripe mit Sitz in San Francisco hat bereits 2014 drei Millionen US-Dollar in Stellar investiert und dafür als Gegenleistung zwei Milliarden XLM, also rund zwei Prozent aller Lumen, erhalten.

Welche Partner hat Stellar?

Die drei wichtigsten Partnerunternehmen heißen IBM, Deloitte und Stripe. IBM setzt bei seiner im Oktober 2017 präsentierten Blockchain-Lösung, die internationale Transaktionen für Banken beschleunigen soll, auf die Zusammenarbeit mit Stellar. Deloitte, einer der „Big Four“ Unternehmensberater weltweit, hat 2016 eine Kooperation mit Stellar und vier weiteren Krypto-Projekten für seine Blockchain-Initiative geschlossen. Stripe schließlich hat bereits 2014 drei Millionen Dollar in Stellar investiert.

Wie finanziert sich die Stellar Development Foundation (SDF)?

Die SDF ist eine Non-Profit-Organisation, die für die Bezahlung ihrer Mitarbeiter jedoch auf verschiedene Einnahmequellen zugreifen kann. Zum einen behält sie sich fünf Prozent aller XLM ein, die erst nach fünf Jahren verkauft werden dürfen (und bis dahin möglicherweise an Wert gewonnen haben). Außerdem hat die Stiftung ein Investment von drei Millionen Dollar durch Stripe erhalten. Weiters werden Spenden (u.a. von BlackRock, Google.org) bzw. Mitgliederbeiträge von Einzelpersonen oder Unternehmen entgegen genommen. Zahelnde Mitglieder wiederum erhalten unter anderem je nach eingezahlten Jahresbetrag bestimmte Stimmrechte bei der SDF.

Wer berät Stellar?

Zu dem Beratern und Vorstandsmitgliedern von Stellar zählen einige bekannte Namen aus dem Silicon Valley:

  • Sam Altman (Y Combinator)
  • Naval Ravikant (Mitgründer von AngelList)
  • Matt Mullenweg (Gründer von WordPress)
  • Patrick Collison (Mitgründer von Stripe)
  • Greg Brockman (ehemaliger CTO von Stripe)
  • Keith Rabois (Koshla Ventures)
  • Shivani Siroya (InVenture)
  • Joyce Kim (Mitgründerin von Stellar, jetzt Managiing Partner bei Sparkchain Capital)

Welche Wallets unterstützen Lumen (XLM)?

Wer seine Lumen nicht in einem Account einer Kryptobörse lagern will, kann sie in verschiedenen Wallets, die im Web, auf Mac, Android, Windows, Linux oder iOS funktionieren, speichern. Eine Übersicht über Wallets, die XLM unterstützen, gibt es hier.

Editor’s Note: Investments in Krypto-Coins oder Token sind hoch spekulativ und der Markt ist weitestgehend nicht reguliert. Jeder, der Aktivitäten in Erwägung zieht, sollte in Betracht ziehen, dass sein komplettes Investment verloren gehen könnte. Der Autor hat selbst in Kryptowährungen investiert – viel zu wenig, um reich zu werden, aber gerade so viel, um ein besseres Verständnis für die Thematik zu bekommen.

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