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Fruchtbare Tage

SteadySense: HealthTech-Startup launcht Fruchtbarkeits-Tracker mit 6 Mio. Euro im Rücken

Der Patch und die App von femsense. © SteadySense
Der Patch und die App von femsense. © SteadySense

Ein Aufkleber auf der Haut, der die Körpertemperatur misst und per NFC an eine Smartphone-App überträgt – daran arbeitet das steirische Startup SteadySense seit der Gründung 2016. Bei einer Pressekonferenz am Montag Vormittag in Wien hat Gründer Werner Koele nun gezeigt, wozu das gut sein kann. Nach drei Jahren Entwicklungszeit launcht die Firma ihr erstes Produkt, das auf den Namen femSense hört und die fruchtbaren Tage von Frauen berechnen können soll – eine alte Methode in neuem Gewand.

„femSense soll Paaren helfen, schneller schwanger zu werden“, sagt Gründer Werner Koele, der mit der Produktentwicklung im eigenen Keller begann. „Ein Drittel aller Paare hat ein Problem, dann schwanger zu werden, wenn sie es wollen.“ Ein Patch misst die Erhöhung der Basaltemperatur während dem Zyklus, überträgt die Daten an die App (vorerst nur iPhone, später Android) und kann so die Tage des Eisprungs feststellen. „Wir können an bestimmten Tagen empfehlen, Sex zu haben“, sagt Koele.

Noch kein Verhütungsmittel

Die Patches, die Frauen unter der Achsel aufgeklebt drei bis fünf Tage pro Monat tragen, sind derzeit über die kostenlose App bestellbar und kosten im 3er-Pack 75 Euro. femSense ist in der EU als Medizinprodukt zugelassen, gilt derzeit aber noch nicht als Verhütungsmittel, sondern dient eben der Familienplanung. Die Methode, die Basaltemperatur zu messen, gibt es seit den 1930er Jahren, doch mit dem Aufkleber soll es genauer funktionieren und nicht so invasiv sein wie andere Methoden (z.B. Messung in der Vagina).

Damit femSense auch als Verhütungsmethode verkauft werden darf, muss erst noch eine klinische Studie durchgeführt werden. Diese muss zeigen, dass 100 Nutzer in einem Zeitraum von einem Jahr mit dem Produkt nicht schwanger geworden sind. Dieses Jahr soll femSense auch in den USA zugelassen werden, in der EU ist das Produkt durch zwei Patentfamilien geschützt. Erster Zielmarkt ist der DACH-Raum.

Das SteadySense-Team rund um Gründer Werner Koele. © SteadySense
Das SteadySense-Team rund um Gründer Werner Koele. © SteadySense

Daten wandern auf die SteadySense-Server

Es sind durchaus heikle Daten, die die App sammelt – etwa, wann die Nutzerin ihre Tage oder Sex hat. Laut Gründer Koele würden diese Daten anonymisiert auf den Servern seiner Firma gespeichert und können dort von den eigenen Mitarbeitern angesehen werden. „femSense wird die Daten aber niemals an einen Dritten weitergeben“, so Orla Baumgartner, Marketing-Chefin von SteadySense. Man sei DSGVO-konform.

SteadySense hat bereits einen großen Investor an Bord: eQventure rund um Business Angel Herbert Gartner aus Graz. „Wir haben in Summe ein sechs Millionen-Euro-Investment bekommen, um den Markt zu bearbeiten“, sagt Koele. Rund zwei Millionen Euro stammen aus Förderprogrammen von FFG und aws, rund vier Millionen Euro hat eQventure in die Firma gepumpt. Die sechs Millionen Euro sind in den vergangenen zwei Jahren in mehreren Runden eingesammelt worden. eQventure hält mittlerweile 49,6 Prozent des Startups.

Unumstritten ist die Methode mit dem Temperaturmessen nicht. Medizinern zufolge kann die Körpertemperatur, die auf den Eisprung und damit die fruchtbaren Tage hinweist, durch Sport, Stress oder Alkohol beeinflusst werden. 100 Prozent sichere Verhütungsmethoden gibt es aber ohnehin nicht. Frauen, die etwa die Pille nehmen, können trotzdem schwanger werden, und geplatzte Kondome sind ebenfalls keine Seltenheit.

Andere Startups als Konkurrenten

SteadySense ist nicht die einzige Firma, die Produkte rund um das Thema Fruchtbarkeit und Familienplanung anbietet. Ebenfalls aus der Steiermark kommt Carbomed, das mit seinem Gerät Breathe ILO ebenfalls die fruchtbaren Tage einer Frau ermitteln will – allerdings nicht per Körpertemperatur, sondern per Messung des CO2-Gehalts in der Atemluft. Dem Startup der beiden Geschäftsführer Evi Jesacher und Bastian Rüther zufolge soll die CO2-Messung genauer sein als die Messung der Körpertemperatur und fünf von sechs fruchtbaren Tagen erkennen können. Carbomed hat kürzlich ein Investment in der Höhe von einer Million Euro erhalten (Trending Topics berichtete).

Der Österreicher Raoul Scherwitzl hat mit seiner Frau und Geschäftspartnerin Elina Berglund in Stockholm das auf Verhütung spezialisierte Startup Natural Cycles auf. 2017 sammelte Natural Cycles in einer Finanzierungsrunde 30 Millionen US-Dollar ein (Trending Topics berichtete).

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