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Startup-Rettung: Wer soll jetzt 100 Millionen Euro locker machen?

© Markus Spiske via Pexels
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Zuschüsse und Garantien für Ausfälle: Das sind die beiden Maßnahmen der Regierung, die für die Rettung von dutzenden Startups in Österreich eingeführt wurden. 50 Millionen Euro an Investments sollen von der staatlichen Förderbank Austria Wirtschaftsservice (aws) verdoppelt werden, und ein neuer VC-Fonds mit der Zielgröße von 50 Millionen Euro durch soll durch staatlichen Garantien in der Höhe von 50 Prozent besichert sein. Bedeutet also: Die möglichen Verluste, die dieser Fonds macht, werden zu 50 Prozent vom Staat abgedeckt.

Das bedeutet unterm Strich: Die Privatwirtschaft muss 100 Millionen Euro locker machen, um das 150-Millionen-Euro-Hilfspaket komplett zu aktivieren. Ohne die Euros der Privatinvestoren gibt es keinen Cent Zuschüsse und keine Garantien. Die große Frage ist also: Können und wollen Business Angels, VCs, Stiftungen und Corporates mitten in der Krise so viel Geld locker machen?

Verdoppelung durch Zuschüsse

„Die Verdopplung von Investments durch das aws finde ich sehr gut“, sagt der bekannte Business Angel Hansi Hansmann. „Es ist ein direkter Anreiz für Investoren, Geld in Startups zu investieren. Das werden wohl in erster Linie, aber nicht ausschliesslich, Bestandsinvestoren sein, die ihr Startup ohnehin unterstützen wollen, da kommt diese Hilfe gerade recht.“

„Wir finden das Konzept und die Höhe des Start-up-Hilfsfonds sinnvoll und richtig dimensioniert“, sagt Herbert Gartner von eQventure. „Privates Kapital für innovative Startups wird dabei rasch und unbürokratisch verdoppelt. Dies stellt sicher, dass gute Unternehmen gestärkt aus der Krise herausgehen.“ eQventure würde sich diesbezüglich auf „solide Businesspläne innerhalb des SaaS- und Deep-Tech Investmentfokus“ freuen, auch Scale-ups und technologisch herausragende KMUs würde man gerne finanzieren.

Die Zuschüsse sind mit dem bisherige Programm „Double Equity“ der aws (heißt in der neuen Programmstruktur nunmehr „Eigenkapital hebeln“) nicht zu verwechseln. „Dabei handelt es sich um eine Garantie: Zur Finanzierung von jungen Unternehmen kann in der Höhe von eingebrachtem Eigenkapital zusätzlich ein Kredit aufgenommen werden. Dieser Kredit wird von der aws mit einer 80 Prozent Garantie besichert“, so ein aws-Sprecher. „Beim neu vorgestellten Covid-Start-up-Hilfsfonds handelt es sich im Unterschied dazu um einen Zuschuss, der nur im Erfolgsfall zurückgezahlt werden muss.“

Rückzahlbar im Erfolgsfall – das bedeutet, dass der Zuschuss 10 Jahre lang ein Darlehen bleibt, und wenn das Startup Gewinne oder einen Exit macht, muss man es das Geld wieder zurückzahlen.

Bock auf Investments

Die Corona-Krise hat die Lust der Privatinvestoren auf neue Finanzierungsrunden nicht gänzlich verdorben. Eine Umfrage von primeCrowd unter Privatinvestoren zeigt wie berichtet, das viele Business Angels nach wie vor Bock haben, in Startups zu investieren.

Die Verdoppelung von Investments läuft bei der aws unter dem Namen „Covid-Start-up-Hilfsfonds“ – auch wenn es kein Fonds im klassischen Sinne ist, sondern es sich eben um staatliche Zuschüsse handelt. Verdoppelt werden können Investments zwischen 10.000 und 800.000 Euro, und, auch nicht unwichtig: Diese Zuschüsse sind kombinierbar mit den neuen 100-Prozent-Garantien, die der Staat neuerdings vergibt. Versprochen wurde eigentlich, das diese Zuschüsse bereits seit vergangener Woche verfügbar hätten sein sollen.

Stattdessen gibt es aber noch keine detaillierten Informationen – auch nicht darüber, ob diese Zuschüsse auch in Anspruch genommen werden können, wenn bereits andere Hilfspakete (z.B. Kurzarbeit, Härtefallfonds etc.) durch das Startup in Anspruch genommen worden sind. Erwartet werden neue Infos zu diesen COVID-Zuschüssen diese Woche.

Wer managt den Runway-Fonds?

So gut die Zuschüsse durch den „Covid-Start-up-Hilfsfonds“ angenommen werden, so groß sind aber auch die Fragezeichen beim angekündigten VC-Fonds (auch gerne Runway-Fonds genannt). Von diesem weiß man vorerst nur, dass er 50 Millionen Euro schwer sein soll, Runden zwischen 200.000 und 1 Mio. Euro pro Unternehmen finanzieren soll und Privates VC mit einer staatlichen Garantie in der Höhe von 50 Prozent besichert sind (zuerst waren 80 Prozent im Gespräch).

Wer aber soll diesen Fonds managen, und woher soll das Geld kommen? Diese Woche soll die aws das operatives Fondsmanagement ausschreiben. „Mittels Ausschreibung (Call) wird ein oder mehrere private Fondsmanagements ausgewählt, welche Venture Capital Fonds mit Investitionsfokus auf österreichische Startups errichten“, heißt es seitens aws. „Zur Mobilisierung von Investoren, die seit dem Ausbruch der COVID-Krise frisches Geld für diese Fonds bereitstellen, übernimmt die aws eine Kapitalgarantie in Höhe von bis zu 50 % des Fondsvolumens. Der Gesamtrahmen der Kapitalgarantien ist mit 25 Mio. Euro festgelegt.“

Ökosystem in die Verantwortung nehmen

Als fix in der Branche gilt, das sich Venionaire rund um Berthold Baurek-Karlic für das Fonds-Management bewerben wird. Auch Speedinvest ist ein logischer Kandidat, und startup300 wäre wohl mit einem Betrag bei dem Fonds dabei. Darüber hinaus hat noch niemand öffentlich Anstalten gemacht, diese Funktion ausüben zu wollen.

„Es ist aus meiner Sicht fair, seitens öffentlicher Hand auch das Ökosystem in die Verantwortung zu nehmen, wenn gleichzeitig (wie jetzt durch Hilfs- und Runwayfonds) Investitionsanreize für Private gesetzt werden“, sagt Markus Lang von Speedinvest. „Die große Frage sind für mich daher nicht die Überschriften, sondern die ganz konkrete Umsetzung. Der Teufel liegt wie so oft im Detail, d.h. in den Richtlinien, internen Prozessen und handelnden Personen. Das muss noch besser, schneller und unbürokratischer funktionieren, wenn die Unterstützung wirklich ankommen soll. Daran wird auch der Erfolg der Hilfspakete zu messen sein.“

„Beim Runway-Fonds wird es wohl darauf ankommen, ob man das Geld von Privatinvestoren zügig raisen kann. Das wird vielleicht nicht ganz so einfach sein, aber wenn es gelingt, kann das ein gutes Instrument sein, um auch reifere Startups zu unterstützen“, sagt Hansmann. „Da hoffe ich, dass sich die Entscheidungsträger schnell auf einen Fond-Manager und die Zusammensetzung von Investment-Komitee und Beirat einigen können – und nicht zu viele Köche den Brei verderben.“

Eine Frage der Namen

Immer wieder in Diskussionen beschworen wird ein „nationaler Schulterschluss“ der Szene. Denn klar ist: Wer das Fonds-Management bekommt, der hat seine Alliierten, aber auch seine Kontrahenten. Um aber schnell bis zu 50 Millionen Euro am Markt einsammeln zu können (und dann auch noch in den nächsten Wochen), muss man einige Gräben überwinden können – und es unter anderem auch schaffen, konkurrierende Player (z.B. Banken) und Leitbetriebe, die selbst von der Krise durchgebeutelt werden, ins selbe Boot zu holen.

„Es wird schwer sein, 50-Millionen-Fonds aufzustellen, da die 50-Prozent-Haftung eigentlich für den klassischen Startup-Fonds-Investor wenig Motivation sein können, weil er eigentlich nicht von einem Verlust ausgeht, sondern eher von einem Multiple >1 bei einem Fonds-Investment“, sagt der Business Angel Markus Ertler. „Nachdem Speedinvest II mehrere Fonds plant und gerade auch eine 15-millionen-Extension macht, wird das Geld sicherlich knapp in Österreich für diesen neuen Fonds, der ja in kürzester Zeit geraised werden muss. Jedenfalls müssen hier Family Offices, Corporates und Business Angels eng zusammenwirken, um hier den Fonds aufzustellen und Banken und Versicherungen sollten hier auch angesprochen werden und Commitment zeigen.“

Dazu kommt, das mehrere Stiftungen, Banken, Family Offices und Business Angels aus Österreich gerade erst viel Geld für den bisher größten Startup-Fonds des Landes bereit gestellt haben: Speedinvest III mit 190 Millionen Euro wurde erst im Februar geclosed (Trending Topics berichtete).

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