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Startup-Investor Michael Altrichter: „Der Business Angel wird sich durch ICOs nicht erübrigen“

Jakob Steinschaden von Trending Topics mit Business Angel Michael Altrichter. © Trending Topics
Jakob Steinschaden von Trending Topics mit Business Angel Michael Altrichter. © Trending Topics

Immer größere Teil der österreichischen Startup-Szene sind im Krypto-Fieber: HEROcoin hat den ersten „Initial Coin Offering“ (ICO) nach österreichischem Recht hingelegt, immer mehr Blockchain-Startups wie House of Nakamoto, BitPanda oder Minebox sprießen im Land, und eine ganze Reihe von Events widmen sich dem Thema. So auch die Konferenz The Rise of ICO, die derzeit in der Linzer Tabakfabrik stattfindet und internationale Namen wie Brock Pierce von Blockchain Capital, Stephan Karpischek von Etherisc oder Julian Hosp von TenX (mehr dazu hier) in die oberösterreichische Landeshauptstadt gelockt hat.

Im Rahmen der Konferenz haben wir mit Business Angel Michael Altrichter, der Mitglied des Business-Netzwerks startup300 (Veranstalter von „The Rise of ICO“) ist, darüber gesprochen, ob ICOs als neue Form des Fundraising eine Gefahr für Investoren und deren klassisches Geschäft mit Risikokapital ist. Altrichter hat bis dato in 36 Startups investiert, ist wieder als Investor bei der Startup-Show „2Minuten 2 Millionen“ an Bord und hat sein Augenmerk jetzt auf Blockchain-Startups gelegt. Hier gibt es das ganze Gespräch als Video, unten finden sich die wichtigsten Aussagen von Altrichter:

Trending Talk: Michael Altrichter über ICOs und Blockchain

Wir sprechen mit Business Angel Michael Altrichter von Startup300 auf der Konferenz #RiseofICO in der Tabakfabrik Linz über ICOs, Blockchain-Startups und Kryptowährungen – und darüber, ob Initial Coin Offerings eine Bedrohung für das klassische Investorengeschäft sind:

Posted by TrendingTopics.at on Dienstag, 3. Oktober 2017

Teilst du Enthusiasmus der Krypto-Szene bei Blockchain?

Altrichter: Ja klar, bei Blockchain tut sich, das ist eine revolutionäre Technologie, die viele neue Geschäftsmodelle ermöglichen wird. Ich als Investor bin natürlich gespannt, welche Investment-Möglichkeiten und welche Business-Modelle auf der Blockchain kommen werden, und da suche ich danach. Momentan sind ICOs, also eigene Coins auszugeben, das Interessanteste. Das interessiert mich als Investor und Technik-Geek sehr und ich bin gespannt, was da noch alles auf uns zukommt.

Hast du schon an einem ICO mitgemacht und Ethereum ausgegeben?

Altrichter: Ja habe ich. Die Herosphere ist ja mit dem HEROcoin vor zwei Wochen live gegangen. Da habe ich Ether reingeschoben. Das war mein erster ICO und bin gespannt wie´s weitergeht.

Wie selektiv bist du bei weiteren ICOs?

Altrichter: Natürlich bin ich da selektiv. Es poppen an allen Ecken und Enden ICOs auf. Da muss man schon sehr genau hinschauen und prüfen und nicht einfach bei jedem ICO mitmachen. Ich habe schon einige, auch österreichische, am Tisch gehabt, von denen abzuraten ist und die den Launch auch wieder verschoben haben. Da muss man aufpassen.

Sind neue Blockchain-Startups ein Investment-Ziel von dir?

Altrichter: Ja absolut. Die ganze Blockchain-Thematik ist jetzt ein Schwerpunkt bei mir. Neben eSports ist Blockchain ein total heißes Thema bei mir. Aber es ist schwierig, wie immer, die guten von den schlechten zu trennen. Es gibt viele Initiativen, aber die guten Startups gibt es dann schon wieder weniger, und genau die gilt es zu finden. Das ist nicht nur mein persönlicher Schwerpunkt, sondern der Schwerpunkt der gesamten startup300-Gruppe.

Werden sich ICOs zu einer Konkurrenz für Business Angels und VCs entwickeln?

Altrichter: Ein Sprecher (auf der Konferenz, Anm.) hat gesagt, der VC-Markt werde komplett abgelöst von ICOs. Ich sehe das nicht so radikal, ich glaube auch, dass es immer Business Angels braucht, bei jedem ICO, bei jeder frühen Phase eines Startups. Jedem ist anzuraten, bei einem ICO einen Business Angel an der Seite zu haben, denn der bringt ja auch immer Smart Money und Guidance für die jungen Founder ein. Der Business Angel wird sich durch ICOs nicht erübrigen, ich würde dazu raten, einen ICO mit erfahrenen Angels und Beratern zu machen und nicht einfach als Greenhorn etwas auf die grüne Wiese zu setzen.

Startups sollten als über einen Pre-Sale von Tokens Business Angels an Bord holen?

Altrichter: Absolut. Der Pre-Sale ist immer anzuraten. Aber ich würde sogar sagen, einen Schritt davor, während sich das Startup auf den ICO vorbereitet, wäre es nicht schlecht, wenn man sich einen Business Angel oder ein Netzwerk wie jenes von startup300 annähert und gewisse Punkte schon im Vorfeld abklärt. Wie wir wissen, gibt es viele Fallen für Startups, und das ist auch bei ICOs so. Wenn man Erfahrung hat, kann man die eine oder andere Falle vermeiden.

In welchen Bereichen wir die Blockchain wichtig werden?

Altrichter: Man hört über sehr viele Bereiche, vom Energiesektor über das Grundbuch bis hin zu Smart Contracts im Versicherungswesen, da gibt es bereits die ersten Startups, die auch hier beim „Rise of ICO“ gesprochen haben. Die ganze Bandbreite, was sich alles verändern wird, können wir noch gar nicht abschätzen, da lerne ich jeden Tag selbst Neues dazu. ich habe schon gehört, dass deswegen Staaten und das Geld verschwinden werden. Da wird sehr viel angesagt, sehr mutig. Es wird große Disruptionen geben, aber man muss Tag für tag schauen, was da wirklich Realität wird.

Wie sollen ICOs und Kryptowährungen in Österreich reguliert werden?

Altrichter: Es wäre mein großer Wunsch, dass es eine klare Aussage der Republik Österreich gibt. Man sollte einen Mittelweg einschlagen, nicht überregulieren, aber aus dem Graubereich weggehen. es braucht ein klares Bekenntnis der nächsten Regierung: Wir wollen den ICO-Markt europaweit in Österreich fokussieren. Da braucht es Sandboxes, da braucht es Grundlagen, um hier wirklich den ICO-Markt zu bündeln. wenn es ein Bekenntnis gibt, dann könnten wir es schaffen, dass Österreich zu einem ICO-Hub wird.

Sollte Österreich über eine eigene Kryptowährung nachdenken?

Altrichter: Ich glaube, es ist nicht notwendig, dass jeder Staat einen eigenen Coin ausgibt. Der Staat soll immer nur dann eingreifen, wenn der Markt versagt, und jetzt haben wir kein Marktversagen. Es gibt genug Marktinitiativen, die Coins ausgeben, da sollte der Staat nur diese privaten Coins ermöglichen.Die einzige Aufgabe des Staats ist, hier klare Regeln festzulegen, die auch lebbar und praktisch sind.

Wie weit sind die Ideen eines eigenen startup300-Tokens bereits fortgeschritten?

Altrichter: Ja, wir haben Ideen für ein solches Konzept. es ist ein interessantes Konzept für die startup300, einen eigenen Token auszugeben, wir arbeiten in dem Bereich sehr eng mit Conda zusammen. Wir arbeiten verschiedene Modelle aus und werden sie beizeiten bekannt geben.

Tradest du selbst mit Bitcoin, Ethereu, und Co.?

Altrichter: Trader nicht ganz, aber ich bin Bitcoin- und Ethereum-Besitzer. Ich bin Nachkäufer und nicht Verkäufer, und ja, ich schaue täglich nach, wie meine Währungen zugelegt haben. Manchmal geht´s wieder runter. Also schauen tue ich täglich, aber verkauft habe ich noch nie was.

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