Channel

Ecosystem

Trend

Startup-Berlin: Gar nicht mehr so geil

Blick auf den Alexanderplatz in Berlin. © Flo Karr on Unsplash
Blick auf den Alexanderplatz in Berlin. © Flo Karr on Unsplash

Der Brexit ist vollzogen, und eigentlich müsste es jetzt ja heißen: Berlin ist die europäische Startup-Hauptstadt. Doch die graue Theorie am Papier hatte immer schon recht wenig mit der Realität zu tun, und deswegen muss man zum Halbjahr 2020 festhalten: Berlin ist als Startup-Hub am absteigenden Ast. Das zeigen derzeit zwei Analysen zum Ökosystem der deutschen Hauptstadt.

Im neuem Startup-Barometer-Report von Unternehmensberater EY für den deutschen Markt im ersten Halbjahr 2020 wird zwar fest gehalten, dass es nach wie vor rege Aktivität bei Finanzierungsrunden in Berlin gibt. So kletterte die Zahl der Investmentrunden in Berlin im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 149. Doch, so hält EY fest: „In der Bundeshauptstadt machte sich allerdings der Mangel an ganz großen Transaktionen besonders bemerkbar: Das Investitionsvolumen verringerte sich um 47 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.“

München holt stark auf

Könnte ja an der Corona-Krise liegen, so die logische Schlussfolgerung, aber dann das: Während das Investitionsvolumen in Berlin stark gesunken ist, steigt es in Bayern. Dort ist die Zahl der Deals um 60 Prozent auf 83 stieg und das Investitionsvolumen hat sich fast vervierfacht: von 204 auf 773 Millionen Euro. Die größte Transaktion in Deutschland war eine Finanzspritze von 218 Millionen Euro für den Münchner Flugtaxi-Entwickler Lilium im März, danach folgen Grover (195 Mio. Euro) und N26 (91 Mio. Euro) aus Berlin.

„München bildet sich als zweiter großer Startup-Standort heraus“, sagt Thomas Prüver, Partner bei EY. Von den Top-5-Deals in Deutschland entfielen im ersten Halbjahr drei auf Berlin und immerhin zwei auf München. „Das Profil des Münchner Startup-Ökosystems unterscheidet sich von dem der Bundeshauptstadt: Bayern ist vor allem im Technologie-Bereich stark.“ Während einige Hype-Themen in der Realität angekommen seien (Mobility, Fintech), würden Investoren jetzt mehr auf Qualität achten. Das kommt insgesamt München zugute, das im Bereich Software stark aufgestellt ist.

Im internationalen Vergleich

Wie steht Berlin im internationalen Vergleich da? Darüber gibt aktuell eine Analyse von Startup Genome zu den wichtigsten Startup-Hubs weltweit Auskunft. Wie berichtet ist dort London mittlerweile ex aequo mit New York auf dem zweiten Platz hinter dem Silicon Valley. Der Brexit hat der britischen Hauptstadt nicht geschadet, der Fokus auf Fintech und Edutech, ein eigenes Startup-Visum, Anbindung an die globale Finanzwelt, viel Talent und viele VCs in der Stadt liefern viele gute Gründe, in London zu punkten.

War man in Deutschland versucht, den Brexit als Grund zu nennen, warum Berlin und/oder Frankfurt die neuen Fintech-Hauptstädte Europas werden könnten, hat sich da Ernüchterung eingestellt. Wie berichtet gibt es in London weiterhin die eisten Fintech-Startups, vor New York und dem Silicon Valley. Da nützt es Berlin auch nichts, wenn Klarna sich dort ansiedelt und N26 weiter wächst.

Währenddessen ist Berlin als führendes deutsches Startup-Ökosystem dieses Jahr aus den Top 10 des Global Startup Ecosystem Report gefallen und landete auf Rang 16 – und damit hinter Tel-Aviv, Stockholm, Paris, Amsterdam und natürlich London.

Springe zu:

Ganzen Artikel lesen
Corona-Krise