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5 Forderungen für den Start-up-Standort Wien: Neue Studie zeigt große Defizite in Österreich auf

Licht und Schatten in Wien. © Fotolia/TTstudio
Licht und Schatten in Wien. © Fotolia/TTstudio

Im Zuge einer Studie zum Start-up-Standort Wien, die Mittwoch Vormittag von Unternehmensberater Roland Berger und der Firma Pioneers (Veranstalter des Pioneers Festival nächste Woche) veröffentlicht wurde, wurden auch die Defizite der österreichischen Hauptstadt aufgezeigt. Laut Vladimir Preveden, Managing Partner von Roland Berger habe „Wien den Anschluss an die Spitze der europäischen Start-up-Hubs verloren“. „Dies ist besorgniserregend, da Start-ups Innovationen für die österreichische Wirtschaft generieren. Die Wettbewerbsfähigkeit ist gefährdet“, so Preveden. Die hiesige Start-up-Szene wachse, im Ausland würde man aber kaum Notiz von ihr nehmen.

Neu ist die Diskussion nicht: Bereits im August 2015 wurde auf TrendingTopics.at breit diskutiert, was dem Standort fehlt und wie man es besser machen könnte. Pioneers selbst ist natürlich an einer florierenden Szene interessiert, investiert man doch selbst in Jungfirmen (u.a. Parkbob, Gatherer). Auch Roland Berger betreibt mit Spielfeld.com in Berlin eine Einrichtung, über die große Unternehmen und Start-ups zusammenfinden sollen.

Gemeinsam mit Roland Berger gibt Pioneers nun Handlungsempfehlungen, die Wien den Anschluss an europäische Hubs wie Berlin oder London geben sollen. Die Forderungen richten sich vor allem an die Regierung, Universitäten und große Unternehmen, die der Meinung der Studienmacher zufolge noch zu wenig tun:

1. Start-up-Fonds mit 300 Mio. Euro

„In der Frühphase suchen Gründer vor allem Zugang zu Märkten sowie unterstützende Infrastruktur, um wachsen zu können“, so Pioneers-COO Oliver Csendes. Es müsse die Lücke im Local-Venture-Capital-Bereich der Finanzierungslandschaft geschlossen werden, etwa durch den Zusammenschluss mehrerer großer Unternehmen zur Auflage eines Startup-Fonds in der Größe von 100 bis 300 Millionen Euro. Zum anderen sollten sich Großunternehmen in Österreich bei der Errichtung eines zentralen Startup-Campus engagieren.

2. Zentralen Start-up-Campus errichten

Weil die Wiener Startup-Szene ist derzeit verstreut über Wien sein (vor allem im 5. und 7. Bezirk sowie an den Universitäten) zu finden solle ein zentraler Startup-Campus geschaffen werden, wo Start-up-Gründer, Investoren und große Unternehmen in Co-Working Spaces zusammenarbeiten. Roland Berger überleg,t ob man diesen Campus selbst einrichten könnte, allerdings nur, wenn der Bund, die Stadt Wien und/oder große Unternehmen mit an Bord kommen.

3. Neue Gesetze

Diese Forderung richtet sich vor allem an die Bundesriegerung. Der neue Bundeskanzler Kern gilt Pioneers-Chef Andreas Tschas als Mann, der aus der Wirtschaft kommt und deswegen ein offenes Ohr für die Thematik hätte. Konkret wird die Senkung der Lohnnebenkosten für die ersten drei Mitarbeiter in den ersten drei Jahren, die Schaffung einer „Limited Company“ im Gesellschaftsrecht und Erleichterungen bei Beteiligungen sowie eine Verkürzung der Verfahrensdauer zur Erlangung einer Rot-Weiß-Rot-Karte gefordert. Auch wurde die Einrichtung eines Staats-Fonds in der Höhe von 150 Mio. Euro vorgeschlagen, damit der Staat Kreditgarantien übernehmen könne.

4. Junge Wissenschaftler zum Gründen bewegen

Damit mehr Wissenschaftler ihre Ergebnisse in Start-ups („Spin-offs“) überführen und ausgründen, wird die Einführung von Sabbatical-Programmen für wissenschaftliche Mitarbeiter vorgeschlagen, damit diese sechs Monate Zeit für die Kommerzialisierung ihrer Forschung haben. Auch sollten Doktoranden die Ergebnisse ihrer langjährigen Forschung kommerziell verwenden können. Rechtliche Rahmenbedingungen sollten eine geringe Equity-Beteiligung der Institute am Startup ermöglichen. Längerfristig solle die frühzeitige Schaffung einer „Entrepreneurship-Mentalität“ an Schulen und Universitäten vorangetrieben werden. Als Querschnittsmaterie müsse Entrepreneurship in allen akademischen Curricula verankert werden.

5. Unproduktives Kapital mobilisieren

Um privates Kapital, das oft in Stuftungen und Sparbüchern geparkt ist, solleten neue rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Zur Förderung von Privatinvestitionen in Startups bzw. Fonds nach britischem Vorbild könnte ein Beteiligungsfreibetrag von 100.000 Euro eingeführt werden, so der Vorschlag. Diese Forderung gibt es schon lange (TrendingTopics.at berichtete). Weiters sollten Gewinne und Verluste aus Risikoinvestments gegeneinander aufgerechnet und große Kapitalmengen wie Versicherungsbeiträge für innovative Finanzierungen zugänglich gemacht werden.

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