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Interview

Standortagentur Tirol: „Es hat schon seinen Grund, warum AI Austria hier gegründet wurde“

Marcus Hofer, Geschäftsführer Startup.Tirol © David Bitzan
Marcus Hofer, Geschäftsführer Startup.Tirol © David Bitzan

Rund um Business Angels wie  ARM-Mitgründer Hermann Hauser, dem Exit von ViraTherapeutics an Boehringer Ingelheim im Vorjahr und aufstrebenden Startups wie Swarm Analytics und Rateboard hat sich im Bundesland Tirol eine lebendige Startup-Szene entwickelt, die ihre Fühler nicht nur in den Rest von Österreich, sondern auch die Nachbarländer Italien und Deutschland ausstreckt.

Marcus Hofer, Geschäftsführer der Standortagentur Tirol, erklärt im Gespräch mit Trending Topics, wie das Ökosystem gewachsen ist, warum Quanten-Computer und Künstliche Intelligenz die großen Zukunftsthemen sind und wie man dem Fachkräftemangel begegnen wird.

Trending Topics: In Tirol hat sich eine sehr aktive Investoren- und Business-Angel-Szene entwickelt. Wie ist diese entstanden?

Marcus Hofer: Wir haben in den letzten Jahren immer mehr Teams gesehen, die mit entsprechenden Formaten gezielt unterstützt werden können. Dazu braucht es natürlich Finanzierung. Tirol ist ein wirtschaftsstarker Raum, und wir haben viele Unternehmer am Standort, die einen Teil ihres Geldes in junge Unternehmen investieren wollen. So ist das entstanden. Wir haben Zugpferde wie Hermann Hauser oder die Tiroler Adler Runde, die zeigen, wie es funktioniert.

Weil wir in Tirol alle sehr eng zusammenarbeiten, sowohl die privaten als auch die öffentlichen Akteure, hat sich ein Ökosystem entwickelt, das schaut, wie man die Teams bestmöglich voranbringt.

Wie hat sich die Zahl der Startups entwickelt?

In Tirol entstehen jedes Jahr zwischen 15 bis 20 Startups, die sich neu entwickeln. Das ist eine gute Basis, mit der wir arbeiten können. Es gibt bereits einige Role Models, etwa das BioTech-Unternehmen ViraTherapeutics, das 2018 einen Exit um 210 Millionen Euro an Boehringer Ingelheim gemacht hat. Es entwickeln sich auch junge Startups, etwa Swarm Analytics, sehr stark am Markt. Solche Role Models brauchen wir, um weitere Gründer in die Szene zu bekommen und um diese zu überzeugen, dass es funktionieren kann, wenn man sich mit seiner Idee selbstständig macht.

Woher kommen die Tiroler Gründer?

Der größere Teil kommt sicher von den Tiroler Hochschulen, zahlreiche davon werden im A+B-Programm des Bundes und des Landes Tirol unterstützt. Viele weitere kommen auch aus dem technischen oder schulischen Bereich, die sich mit einer Idee selbstständig machen. Und: es gibt immer mehr bestehende Unternehmen, die Spin-offs gründen. Das ist zwar ein junger Markt, aber wir sehen seit ein paar Monaten, dass es verstärkt auch in diese Richtung geht.

Ist der Fachkräftemangel auch in Tirol ein Thema?

Das betrifft sowohl den Tourismus, als auch die Industrie. Im flächenmäßig kleinen Tirol verfügen wir jedoch über fünf Hochschulen und haben damit den Vorteil, dass regelmäßig top ausgebildete Absolventen diese Hochschulen als Fachkräfte verlassen. Das bestätigen uns sowohl die Startups, die wir betreuen, als auch Unternehmen aus dem Ausland, die sich in Tirol ansiedeln. Im technischen Bereich fehlen aber dennoch Fachkräfte. Wir als Standortagentur Tirol sind gemeinsam mit Partnern wie der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung dabei ein Programm zu schaffen, um dem Bedarf entgegen zu kommen.

In welchen Branchen ist Tirol besonders innovativ?

Im Tourismus-Bereich gibt es natürlich einige vielversprechende Startups wie RateBoard, aber wir sehen im Gründungszentrum Startup.Tirol vor allem viele Neugründungen im Bereich IT, in der Mechatronik und Elektronik, und im Bereich der Life Sciences. Da sind wir ziemlich genau in den Segmenten drinnen, die auch österreichweit zu den Top-Branchen gehören.

Was sind die Zukunftsthemen, auf die Tirol setzt? Innsbruck ist etwa für seine sehr gute Quanten-Computer-Forschung bekannt.

In Sachen Quanten-Computer gehört das Quanten-Institut der Universität Innsbruck zu den Top 3-Forschungseinrichtungen der Welt. Dort sind bereits zwei Spin-offs herausgekommen, was zeigt, dass die Technologie langsam aus der Grundlagenforschung in die Anwendung kommt. Auch bei Artificial Intelligence tut sich viel. Es hat schon seinen Grund, warum der Verein AI Austria hier in Tirol gegründet wurde. Da sehen wir eine große Zukunft.

Tirol liegt zwischen Deutschland und Italien und zwischen Vorarlberg und Salzburg. In welche Märkte orientieren sich die Startup-Gründer?

Natürlich sind die Gründer sehr Österreich-affin, schon alleine wegen der gemeinsamen Sprache und Rechtskultur. Aber Tirol ist ein begrenzter Markt, und deswegen sind Founder auch stark ins Ausland orientiert. Wir haben etwa mit Partnern in Italien Startup Euregio gegründet, um das Ökosystem in der Europaregion Tirol – Südtirol – Trentino auszubauen. Da entsteht plötzlich ein Markt von zwei Millionen Menschen. Da kann man als Startup ganz anders agieren und als Startup versuchen, Italien zu erobern. Die Nähe zu München darf man auch nicht unterschätzen. Gründer sind also von Tirol aus  im Herzen des DACH-Raums und in direkter Nähe zu Italien.

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