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Spotify: Diesen 7 Challenges muss sich der Musikstreaming-Dienst nach dem Börsengang stellen

Spotify-CEO Daniel Ek. © Spotify
Spotify-CEO Daniel Ek. © Spotify

Spotify ist eines von Europas Vorzeige-Startups. Vor 12 Jahren gegründet, hat der Musikstreaming-Dienst aus Schweden es geschafft, 159 Millionen MAUs (Monthly Active Users) und 71 Millionen Abonnenten der Premium-Services zu sammeln. Damit ist die Firma von Daniel Ek, die mehr als 35 Millionen Songs parat hat und in 61 Ländern verfügbar ist, fast doppelt so groß wie die Nummer zwei am Markt, Apple Music (38 Mio. Abonnenten). Bei dem Börsengang heute will sich das Unternehmen mit 20 bis 25 Milliarden Dollar bewerten lassen – und wäre damit nach Marktkapitalisierung größer als Snapchat (ca. 18 Mrd. Dollar) in etwa so groß wie Twitter (ca. 21 Mrd. Dollar), aber weit kleiner als Netflix (125 Mrd. Dollar).

Doch auch wenn der Börsengang gut über die Bühne geht, die nächsten Jahre werden hart für Spotify. Seit der Gründung 2006 hat es die Firma in keinem Geschäftsjahr geschafft, Gewinn zu machen. 2015 waren es 235 Millionen, 2016 349 Millionen und 2017 378 Millionen Euro, die Spotify Verlust schreiben musste. Nur, wenn viele Faktoren zusammenspielen, wird es das Unternehmen einmal in Gewinnzone schaffen. Aus dem Börsenprospekt geht dabei ziemlich klar hervor, welchen Challenges sich die Musik-App in den nächsten Jahren stellen muss.

1. Das Nutzerwachstum beibehalten

Spotify ist als „two-sided-marketplace“ abhängig von zwei Einnahmequellen: Den Premium-Nutzern, die rund 10 Euro pro Monat bei dem Dienst einwerfen, um uneingeschränkt auf die gesamte Musik zugreifen und offline am Gerät abspeichern zu können, und den Werbekunden, die (vorrangig mit Audiospots) die Gratis-Version des Streaming-Dienstes finanzieren. Deswegen muss Spotify die beiden Nutzergruppen (Premium und free) kontinuierlich nach oben treiben, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. Ein Balance-Akt, denn ohne einer der beiden Nutzerguppen würde es nicht gehen.

2. Die Deals mit Plattenfirmen

87 Prozent der rund 35 Millionen verfügbaren Songs hat Spotify von vier Firmen lizensiert: Universal Music Group, Sony Music Entertainment, Warner Music Group und Merlin. Diese Vereinbarungen sind laut Spotify komplex, und es könnte sein, dass einer der Lizenzgeber nicht mehr mitmachen will. Dann würde ein beträchtlicher Teil des Musikkatalogs weg brechen, und der Dienst wäre in Folge deutlich unattraktiver als zuvor.

Dementsprechend gibt es vermehrte Gerüchte am Markt, dass Spotify plant, selbst zum Musik-Label zu werden und Lizenzen direkt mit den Künstlern zu vereinbaren. Diese Idee läuft unter dem Schlagwort „Platform“, wird aber noch nicht offen von Vertretern der Firma ausgesprochen. Würde Spotify diesen Schritt wagen, könnte es schnell zu Verstimmung bei den Plattenfirmen kommen.

3. Die Konkurrenz auf Abstand halten

Amazon Prime, Apple Music, Deezer, Google Play Music, Joox, Pandora, SoundCloud und so weiter und so fort: All diese und noch mehr Musik-Dienste nennt Spotify als seine Konkurrenten, die Nutzer abspenstig machen könnten. Besonders gefährlich für die Schweden sind dabei Apple, Amazon und Google. Während Spotify Musikstreaming als Hauptgeschäft betreibt, läuft Musikstreaming bei den drei US-Riesen nebenbei, um deren andere Produkte (iPhone, Amazon Prime) zu ergänzen. Apple, Amazon und Google können Musikstreaming als Teil eines größeren Pakets anbieten und auch im Preis attraktiver sein.

4. Die Abhängigkeit von der Google Cloud Platform

Spotify betreibt keine eigene Server-Infrastruktur, sondern ist seit Anfang 2016 Kunde von Googles Cloud Platform (Trending Topics berichtete). Sämtliche Daten von Spotify sind in der Google-Wolke gespeichert, und der Firma zufolge wäre es nur schwer möglich, auf eine andere Infrastruktur zu übersiedeln. Dementsprechend ist der Streaming-Dienst abhängig davon, welche Funktionen Google erlaubt und welche Preise es verlangt.

5. Die Abhängigkeit vom Werbegeschäft

Bei der Gratis-Version von Spotify geht es um „Eyeballs“, die schauen, und vor allem Ohren, die zuhören – und zwar bei der Werbung am Display und Werbespots zwischen den Songs. Sollte es Spotify in Zukunft nicht schaffen, werbetreibende Unternehmen zum Buchen von Werbeplatzierungen zwischen den Songs zu platzieren, wäre das Geschäft dem Börsenprospekt zufolge erheblich gefährdet. Was Spotify auf der Habenseite hat: Im Mobile-Bereich ist die Firma in Sachen Premium-Nutzern stark aufgestellt. Dort macht ein Abo auch Sinn, da die Musik offline für unterwegs am Smartphone gespeichert werden kann.

6. Der Datenschutz in der EU

Der 25. Mai ist auch für Spotify ein Schicksalsdatum. An diesem Tag tritt die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO bzw. GDPR) in Kraft und regelt neue, wie mit Nutzerdaten umgegangen werden darf. Da auch Spotify viele Nutzerdaten sammelt und auswertet (Hörgewohnheiten, Playlists, Location, persönliche Informationen, Payment-Daten), muss die Firma sicherstellen, dass diese allesamt ordnungsgemäß behandelt werden. Außerdem könnte die Nutzung dieser Daten, die die ausdrückliche Zustimmung der User verlangt, eingeschränkt werden. Das könnte wiederum Funktionen beeinträchtigen – immerhin basiert Spotify stark auf der Personalisierung von Musik, um den Nutzern passgenau neue Songs vorzuschlagen, die zum eigenen Geschmack passt.

7. Der Brexit

Ja, auch den Austritt Großbritanniens aus der EU nennt Spotify als Gefahr fürs eigene Business. „The United Kingdom’s vote to leave the EU creates an uncertain political and economic environment in the United Kingdom and potentially across other EU member states, which may last for a number of months or years„, heißt es seitens Spotify.

Wer Kleingedrucktes liebt, kann viele weitere Gefahren für das Spotify-Geschäft hier nachlesen.

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