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Speedinvest x: Neuer Fokus-Fonds für Marktplatz-Startups mit bis zu 50 Millionen Euro startet

Das Speedinvest x Team. © Speedinvest
Das Speedinvest x Team. © Speedinvest

Der Verkauf von Shpock an Schibsted, das starke Wachstum von Tourradar und Wikifolio oder der gute Start von Gustav im Silicon Valley: Beim Wiener Risikokapitalgeber Speedinvest ist man zur Überzeugung gekommen, dass Online-Marktplätze ein gutes Geschäft sein können. Mit Speedinvest x startet deswegen jetzt ein neuer, so genannter Fokus-Fonds, der sich dezidiert auf die Finanzierung von Marketplace-Startups stürzt. Nach einem ersten Closing liegen 20,5 Millionen Euro im Topf, die wichtigsten Investoren sind Russmedia und ProSiebenSat.1 PULS 4 neben einigen anderen Geldgebern.

Bis Mitte 2018 soll dieser neue Fonds auf 25 Millionen Euro erhöht werden. Außerdem wird der Haupt-Fonds Speedinvest II (2015 mit 93 Mio. Euro gestartet) die Investments von Speedinvest x (das kleine „x“ steht für Netzwerk-Effekte) jeweils verdoppeln. Insgesamt stehen demnach bald 50 Millionen Euro bereit, um in das nächste Shpock zu investieren. Operativ tätig ist der Fonds bereits vor dem ersten Closing gewesen und hat in Österreich (myClubs), Deutschland und Großbritannien (Stowga, Sunlight) Investments getätigt.

Fokus auf Seed und Europa

„Marketplaces als Kategorie sind noch ein wenig unterrepräsentiert, was Investments angeht, und es gibt es noch wenige Fonds, die darauf spezialisiert sind“, sagt Michael Schuster, Partner bei Speedinvest. „Unsere Ambition ist es, ein europäischer Player zu sein und als solcher wahrgenommen zu werden.“ Um das Profil zu schärfen, wird am 22. März in San Francisco eine eigene Marketplace-Konferenz abgehalten.

In Abstimmung mit Schuster werden die beiden neuen Partner von Speedinvest x, Mathias Ockenfels und Daniel Hoffer, die Investments tätigen. Ockenfels hat bei Point Nine Capital viel Erfahrung mit Marktplatz-Investments gesammelt, und Daniel Hoffer war früher unter anderem damit beschäftigt, CouchSurfing.org von einem Non-Profit- zu einem For-Profit-Unternehmen umzubauen.

Michael Schuster, Partner bei Speedinvest. © Speedinvest
Michael Schuster, Partner bei Speedinvest. © Speedinvest

Einmal abgesehen von Größen wie Uber und Airbnb gibt es in Europa mit Einhörnern wie Delivery Hero aus Deutschland (mittlerweile an der Börse) oder Takeway aus den Niederlanden Online-Marktplätze, die sehr groß geworden sind. Jedes fünfte von insgesamt 47 europäischen Unicorns war 2016 laut einer Analyse von GP Bullhound ein Marktplatz.

Da als früher Investor dabei zu sein, kann sich ordentlich auszahlen. Speedinvest x will deswegen in Online-Marktplätze vor allem in der Seed-Phase investieren, sei es B2B, B2C, B2D oder C2C. Pro Startup sind Summen zwischen 100.000 und einer Million Euro möglich. Das gesammelte Geld im Fonds soll über die nächsten drei bis vier Jahre investiert werden, Fokus liegt auf Jungfirmen in Europa und Nordamerika.

Es muss nicht immer Werbung sein

„Wir probieren immer wieder B2C-Modelle, das ist die Königsdisziplin, vor allem in Europa“, so Schuster. „Wenn es gelingt, solche Marketplaces zu knacken, dann können sie sehr erfolgreich sein.“ Einfach sind solche Geschäftsmodelle sicher nicht: So genannte „two/multi-sided networks“ müssen als Vermittler immer zwei (oder mehr) Seiten zusammenführen und stehen oft vor einem Henne-Ei-Problem. Woher kommen die Käufer, wenn es noch keine Verkäufer gibt, und umgekehrt? Die Kunst ist, als Vermittler mehrere Seiten zu gewinnen und dazwischen Geld zu machen – etwa mit Werbung oder Transaktionsgebühren.

B2C-Marktplätze müssen dabei aber nicht notwendigerweise (so wie Shpock) werbefinanziert sein, sondern können auch Transaktions-basierte Geschäftsmodelle haben. Solche Modelle können auch für Medienunternehmen interessant sein, die Erlösquellen abseits vom Anzeigenverkauf suchen – also Dienste, die der Nutzer selbst bezahlt (z.B. eine Uber-Fahrt oder eine Essenslieferung) und nicht der Werber.

Auch im B2B-Bereich sieht man Potenzial. “Ich bin der Überzeugung, dass der Plattform-Trend gerade erst begonnen hat: zentralisierte und dezentralisierte Marktplätze werden weiterhin ‚die Welt beherrschen‘ und sich durch den technologischen Fortschritt auch noch in Sektoren ausdehnen, die heute noch gar nicht vorstellbar sind“, sagt Speedinvest x-Partner Ockenfels. „Um ein Beispiel zu nennen: Noch immer sind viele B2B-Kategorien wie die Logistik-, Produktion-, Landwirtschaft- oder Baubranche, in denen neue Plattform-Technologien die gesamte Wertschöpfungskette verändern könnten, völlig unberührt.”

Weitere Fokus-Fonds möglich

Neben Speedinvest x könnten in Zukunft noch weitere Fokus-Fonds an den großen Haupt-Fonds angedockt werden, die sich auf spezielle Kategorien spezialisieren – Blockchain, Artificial Intelligence oder Mobility sind Bereiche, in denen sich zur Zeit viel tut. Der Speedinvest-II-Fonds läuft noch bis 2020, an Speedinvest III wird bereits gearbeitet.

Der neue Fokus-Fonds zeigt, dass sich auf Seiten der Risikokapitalgeber in Österreich weiter viel tut. Erst Ende 2017 wurde das First Closing des Venture-Capital-Fonds capital300 rund um die beiden Geschäftsführer Peter Lasinger (vorher beim aws Gründerfonds) und Roman Scharf (Ex-Jajah-Gründer) mit 20 Millionen Euro verkündet. Außerdem startete 2017 mit Apex One ein neuer Risikokapital-Fonds, der in einem ersten Closing zehn Millionen Euro eingesammelt hat.

Offenlegung: Speedinvest, Russmedia und Puls 4 sind Investoren von Trending Topics.

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