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Speedinvest i: Der nächste Fokus-Fonds wird bis zu 50 Mio. Euro in Industrie-Startups stecken

Das Team von Speedinvest Industry. © Speedinvest

Nach „x“ und „f“ kommt „i“ – so will es das neue Investment-Alphabet des größten österreichischen Risikokapitalgebers Speedinvest. Mit „Speedinvest Industry“ (kurz Speedinvest i) folgt der Wiener VC rund um CEO Oliver Holle seinem Masterplan, spezialisierte Fokus-Fonds für Verticals aufzulegen. Insgesamt sollen bis zu 50 Millionen Euro in Industrial-Tech-Startups investiert werden. Neben Speedinvest selbst sollen mehr als 20 Industrieunternehmen und Industrielle in den Fonds einzahlen.

20 Investoren aus der Industrie

“Die große Welle an Industrie-Startups kommt gerade erst auf uns zu. Wir sehen einen stark wachsenden Dealflow in dem Bereich“, sagt Marie-Helene Ametsreiter, die gemeinsam mit Heinrich Göller Speedinvest i von München aus leitet. “25 Millionen Euro liegen bereits im Topf, wir haben Investitionszusagen von mehr als 20 Industrieunternehmen. Dieses Geld wird aus unserem eigenen Fonds verdoppelt.”

Der neue, von der Finanzmarktaufsicht genehmigte Fonds funktioniert folgendermaßen: Die rund 20 Unternehmen – darunter der Vorarlberger Seilbahnproduzent Doppelmayr, der Tiroler Werkstoffspezialist Plansee oder der Münchner Baumaschinen-Konzern Wacker Neuson – haben insgesamt rund 25 Millionen Euro in den Fonds eingezahlt. Die meisten kommen aus Österreich und Deutschland, auch Maschinenhersteller, Industrieanlagenbauer, Papierproduzenten, Möbelhersteller und ein Automobilzulieferer sollen dabei sein.

Marie-Helene Ametsreiter von Speedinvest Industry © Speedinvest

“Das sind alles sehr aufgeschlossene Unternehmen, die schon diese erste Welle der Digitalisierung verdaut haben und sehr weit in ihren Gedankengängen sind”, so Ametsreiter. Spannend seien für diese auch neue Geschäftsmodelle, die weg vom reinen Verkauf von Produkten hin zu Sharing Economy („Mieten statt Kaufen“) gehen.

Die Cornerstone-Investoren wie Doppelmayr oder Wacker Neuson zahlen mehrere Millionen Euro in den neuen Fonds ein, kleinere Investoren sind ab 500.000 Euro mit dabei. Speedinvest selbst verdoppelt die Investitionen aus seinem Haupt-Fonds „Speedinvest II“ – ergibt unterm Strich also bis zu 50 Millionen Euro.

100.000 bis 2 Millionen Euro für Startups

Speedinvest hat bis dato offiziell zwei Industry-Startups (Crate.io und Senseforce) im Portfolio. Via Speedinvest i sollen nun bald weitere dazukommen. Gesucht werden Early-Stage-Firmen (Pre-Seed, Seed, Series A) in ganz Europa, die sich auf Big Data & Analytics, AI, Smart Factory, Logistik, 3D-Printing oder interne Firmenkommunikation (z.B. Schulungen mittels VR) spezialisiert haben – also alles entlang der Wertschöpfungskette von Industrieunternehmen. Die Ticket-Größen können 100.000 bis 2 Millionen Euro groß sein.

Speedinvest sieht sich nicht nur als Kapitalgeber, sondern arbeitet mit eigenem Personal und Know-how auch direkt mit seinen Beteiligungen zusammen. Deswegen hat der Wiener VC auch den neuen Weg gewählt, drei Spezial-Fonds bzw. Investment-Vehikel für Fintech (f), Marktplätze (x) und Industrie 4.0 (i) zu starten. Sowohl die eigenen Investoren, die in den Haupt-Fonds eingezahlt haben, als auch die Startups hätten sich diese Spezialisierung in Verticals gewünscht, so Ametsreiter. „Wir haben ein Mitarbeitsmodell, und damit das gut funktioniert, muss man den Startups auf Augenhöhe begegnen. Deswegen braucht man spezialisierte Fonds.“

Das „x“ und das „f“

Mit den Fokus-Fonds hat Speedinvest erfolgreich viele große Corporates überzeugt, an Bord zu kommen. Viele Großunternehmen – von Banken über Medienhäuser bis zu Maschinenbauer – suchen die Zusammenarbeit mit Startups, brauchen für diese Investitionen aber oft einen erfahrenen VC als Partner, der Dealflow, Verträge etc. managt. Mit Speedinvest x wird gezielt in Marktplätze investiert, Speedinvest f richtet sich dezidiert an FinTechs:

  • Speedinvest x: Gemeinsam mit Russmedia, ProSiebenSat.1 PULS 4 und einigen anderen Geldgebern investiert der VC bis zu 50 Millionen Euro gezielt in Marktplatz-Startups. Pro Startup sind Summen zwischen 100.000 und einer Million Euro möglich. Ziel ist, junge Online-Marktplätze vor allem in der Seed-Phase zu finden. Diese können im Bereich B2B, B2C, B2D oder C2C sein und müssen nicht notwendigerweise werbefinanziert sein, sondern können auch Transaktions-basierte Geschäftsmodelle haben.
  • Speedinvest f: Gemeinsam mit Elevator Ventures (RBI) und Uniqa Ventures will Speedinvest bis zu 50 Millionen Euro in Fintech-Startups stecken. Mit dem Kapital sollen Jungfirmen in der Wachstumsphase mit 1 bis 4 Millionen Euro finanziert werden, und zwar in den Bereichen alternative Kreditvergabe, Zahlungsdienstleistungen, Geldanlage und digitale Vermögensverwaltung, Versicherungen, Bankinfrastruktur, Sicherheit und Compliance-Produkte und -Dienstleistungen.

Neben Speedinvest sind in Österreich auch Investoren wie Hermann Hauser, Herbert Gartner und seine Grazer eQventure oder Apex Ventures an Startups aus dem Industrie-Bereich interessiert. Zuletzt bekam etwa Swarm Analytics (Big Data für Verkehrsanalyse) ein kleines Investment vom neuen Tiroler Business-Angel-Kollektiv MAD (Trending Topics berichtete).

Bis auf weiteres werden nach „i“, „x“ und „f“ keine neuen Buchstaben ins Speedinvest-Alphabet dazukommen, so Ametsreiter. Das bedeutet auch: Spezial-Fonds für Trend-Themen wie Blockchain oder e-Mobility sind derzeit nicht geplant, allerdings fallen diese Themen theoretisch auch in das Suchraster von Speedinvest „i“ oder „f“.

Offenlegung: Speedinvest ist ein Investor von Trending Topics.

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