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Soldd: Neues PropTech-Startup macht Immobilien-Investments viel einfacher

Christian Feldbacher und Alexander Leutgöb von Soldd. © Soldd
Christian Feldbacher und Alexander Leutgöb von Soldd. © Soldd

Mit Felgo haben sie in Wien bereits 2012 eine erfolgreiche Software-Firme aus der Taufe gehoben, jetzt werden sie zu Seriengründern: Christian Feldbacher und Alexander Leutgöb werden zu Seriengründern und starten mit Soldd ihr neues PropTech-Startup. Das große Ziel: Sie wollen es für ihre Nutzer viel einfacher machen, Immobilien wie Wohnungen oder Häuser als Zukunfts-Investment zu kaufen. Mit Hilfe detaillierter Datenanalyse werden die besten Angebote auf Immobilien-Portalen wie willhaben gesucht und nach der besten Renditemöglichkeit ausgewertet.

Soldd verzichtet dabei auf eine Provision, die so manche klassische Berater nehmen, und bietet die Analyse als Software-Service gegen monatliche Gebühr an – mit der Option, Zusatzpakete zu buchen. Im Interview erläutert Mitgründer Feldbacher, wie Soldd funktioniert und was die Ziele des frisch gegründeten Startups sind.

Trending Topics: Soldd ist ganz frisch gestartet – welches Problem löst der neue Dienst? Was bietet Soldd, das man nirgendwo sonst bekommt?

Christian Feldbacher: Mit Soldd kann man blitzschnell die rentabelsten Immobilien finden. Der Such-Vorgang war bisher sehr zeitaufwendig, weil man auf den einzelnen Suchportalen zuerst mehrere Suchagenten anlegen muss, und wenn man diese Immobilien dann im Detail kalkuliert ca. 90% ausscheiden wegen den Kennzahlen und man so Zeit verliert.

Soldd löst dieses Problem, weil es aus den Immobilien-Inseraten automatisch die Betriebskosten & Rücklagen mit einkalkuliert und die Nettomiet-Rendite berechnet. Und anhand dieser kann man sehr schnell entscheiden, ob sich ein Kauf, eine Besichtigung und eine Detail-Auswertung lohnt. Man bekommt also die Top-Immobilien zugeschickt und das von ganz Österreich, ohne dass man sich genauer mit der Lage-Analyse befassen muss. Denn Soldd hat von allen Gemeinden die wichtigsten Kenndaten hinterlegt zur durchschnittlichen Miete pro Quadratmeter, Kaufpreis pro Quadratmeter, Einwohnerzahl, Studentenanzahl, Bevölkerungswachstum, Arbeitslosenquote und der Anzahl der vermieteten und verkauften Wohnungen der letzten zwei Jahre.

Wie funktioniert die Suche in der Praxis?

Man kann so z.B. sehr einfach rentable Immobilien finden, die in Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohner sind und mehr als 5% Nettorendite haben. Oder in Städten mit mehr als 2.000 Studenten, oder nur in Städten mit einem Bevölkerungswachstum und niedriger Arbeitslosigkeit.

Dazu bietet Soldd noch viele Vorteile für Profis, wie etwa die Abbildung eines „Immobilien-Funnels“ direkt im Tool, wo man auf einen Blick sieht, welche Immobilien man gerade angefragt hat und wie weit sie im Kaufprozess sind. Oder die steuerliche Prognoserechnung, oder die Immobilienbewertung zur Bestimmung des Marktpreises von Immobilien, die man im Auge hat oder bereits gekauft hat.

An wen richtet sich der Dienst? An Menschen, die eine Wohnung suchen, oder eher an jene, die Immobilien als Anlageform sehen?

In erster Linie an all jene, die in Immobilien investieren oder ihr Geld darin anlegen wollen, weil dort die Rendite ein sehr wichtiges Kriterium ist. Man kann Soldd aber genauso für die Suche von Wohnungen, Häuser oder Grundstücken für den Eigengebrauch verwenden, weil man die Filter genauer einstellen kann als in den Suchportalen, und bekommt als Bonus dann noch die Kennzahlen dazu, wie sich der Kaufpreis etwa im Vergleich zu ähnlichen Wohnungen verhält.

Der Marktwertvergleich ist für die Aufnahme eines Kredits auch bei der Eigennutzung wichtig, weil die Banken bei vergleichsweise günstigen Wohnungen höhere Kredite zu guten Konditionen vergeben können. Und wenn man günstig einkauft man bei einem Weiterverkauf dann profitiert.

Wir entwickeln Soldd auch laufend weiter – so ist ein Suchagent für Mietwohnungen und nicht nur Kauf-Objekte geplant.

Welche Immobilien-Portale werden von dem Suchagenten durchsucht? In welchen Ländern funktioniert der Dienst?

Wir wollten mit dem Tool möglichst schnell starten, deshalb ist aktuell das größte Portal für Immobilien, willhaben, in Österreich abgedeckt. Weitere sieben Portale werden noch im Jänner 2021 folgen, und auch andere Länder wie Deutschland sind Anfang 2021 geplant. In Deutschland sind höhere Renditen möglich als in Österreich, und es hat auch sonst einige Vorteile als Vermieter – mehr dazu gibt es in Kürze auf unserem Blog und Youtube-Kanal.

Hat 2020 und die Corona-Krise etwas im Immobilienmarkt verändert? Gibt es mehr Nachfrage nach der Anlageform?

Durch den Einbruch am Aktienmarkt im März und die weiterhin sehr günstigen Kreditzinsen sind Wohnimmobilien verstärkt nachgefragt worden und die Kaufpreise weiter gestiegen. In manchen Lagen hat das dazu geführt, dass sich ein Immobilien-Investment nicht mehr lohnt, weil das Verhältnis der erzielbaren Miete zum Kaufpreis pro Quadratmeter nur mehr Renditen von 2% oder weniger abwirft. Das mag für Großanleger, die ihr Geld sicher veranlagen wollen und nur geringes Fremdkapital einsetzen, noch ok sein, als Privatanleger würde ich davon aber abraten und Objekte mit mehr als 4% Nettorendite suchen – und dabei hilft Soldd. Aktuell findet man mit Soldd in Österreich beispielsweise 862 Immobilien mit mehr als 4% Nettorendite, 278 Objekte mit mehr als 5%.

Volle Funktionalität kostet 30 Euro/Monat. Darüber hinaus gibt es aber auch ein „Full-Service“-Paket. Was beinhaltet dieses?

Das “Soldd Immo Service” Paket geht noch einen Schritt weiter als das Immo-Tool. Viele Personen, die zwar Interesse daran haben in Immobilien zu investieren, haben nicht die Zeit, nach der Schnell-Analyse durch unser Tool dann mit dem Makler oder dem Privatverkäufer Kontakt aufzunehmen, die Wohnung zu besichtigen, den Preis zu verhandeln und bei einer Zusage dann den initialen Aufwand zu betreiben, wie Finanzierungsgespräche mit den Banken, Kaufvertrags-Erstellung und die erste Vermietung und steuerliche Prognoserechnung. 

Mit unserem Immo Service können wir alle diese Punkte übernehmen, für die man selbst keine Zeit hat. So bekommt man als Kunde ausgewählte Top-Immobilien zugeschickt, die von unserem Team besichtigt und exklusiv für Soldd-Kunden reserviert wurden, samt Video-Rundgang und allen Unterlagen, die man für eine Kaufentscheidung braucht. Bei Bedarf organisieren wir dann auch die Finanzierung, Kaufvertrag oder die Vermietung, je nachdem was man selbst übernehmen möchte.

Ihr habt zu zweit gegründet – könnt ihr euren Background beschreiben? Was macht euch zu Immobilien-Profis?

Alex und ich haben vor 8 Jahren das IT-Unternehmen Felgo gegründet, mit dem wir App-/Web- und Embedded-Software-Entwicklung für Kunden anbieten und ein eigenes B2B-Produkt lizenzieren für die Cross-Platform-Entwicklung mit dem Qt-Framework. Ich habe privat in den letzten Jahren viele Immobilien-Bücher gelesen, Kurse besucht, mehrere Immobilien gekauft und fand den Prozess insgesamt sehr zeitaufwändig, aber auch sehr lukrativ und spannend als Anlageform.

So haben wir uns entschieden, unsere Erfahrung in der Software-Entwicklung zu nutzen und den Prozess zu verbessern. Die letzten Monate war Soldd im Closed-Beta-Stadium und wir haben es intensiv intern genutzt und auch einige Immobilien damit gekauft, bei einem viel geringeren Zeitaufwand. Vorher hatte ich etwa fünf Stunden pro Woche investiert, mit Soldd nun nur mehr ca. 30 Minuten; und das bei besseren Ergebnissen bezüglich Nettorendite als mit der vorherigen manuellen Suche.

Zum “Profi” wird man erst wenn man etwas lange macht, oft wiederholt und auch Fehler macht und aus diesen lernt. Mittlerweile würde ich beispielsweise in die ersten Immobilien, die ich damals gekauft habe nicht mehr investieren.

Der Immobilienkauf ist komplex. Wie tragt ihr zur Financial Literacy der User bei?

Unser Ziel mit Soldd ist es nicht nur Immobilien-Investments einfacher zu machen, sondern generell über Finanzthemen aufzuklären, das gelernte Wissen zu teilen und eine Community zum Erfahrungs- und Wissensaustausch aufzubauen. Es ist erstaunlich, wie wenig Österreicher in Aktien und Immobilien investieren, obwohl es abzusehen ist, dass das Pensionssystem, wie wir es heute kennen, zur Altersvorsorge nicht ausreichen wird. Und das obwohl der Fremdkapital-Hebel bei Immobilien, und auch ETF-Sparpläne bei Aktien es ermöglichen, mit kleinen Beträgen in die beiden Bereiche einzusteigen.

Unser Vorteil ist, dass wir an das Thema unabhängig herangehen können und so die verschiedenen Anlageformen vergleichen und erklären können. Klassische Finanz/Vermögens-Berater erhalten Provisionen für die Vermittlung von Produkten und empfehlen in der Regel die eigenen Produkte bzw. jene mit den höchsten Provisionen und leider nicht immer jene mit dem meisten Mehrwert für den Kunden. Wir stellen die Optionen unabhängig und transparent dar mitsamt Berechnungen wenn man tiefer ins Detail gehen will. Eine gute Kombination aus Aktien und Immobilien zu haben ist für eine viel größere Anzahl an Personen möglich als das derzeit der Fall ist, und dabei wollen wir mithelfen.

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