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So wird das Startup-Jahr 2019: Branchenkenner schauen in die Kristallkugel

Was sagt die Kristallkugel? © Unsplash
Was sagt die Kristallkugel? © Unsplash

Selbstfahrende Autos auf den Straßen der USA, staatliche KI in China, Privatraumschiffe im Orbit – das Rad der technologischen Innovation dreht sich immer schneller. So wird es auch aller Voraussicht nach 2019 weitergehen, und auch österreichische Startups, Gründer, Unternehmen und Entwickler werden da mitspielen wollen. Deswegen hat Trending Topics bei Branchenvertretern nachgefragt, was in ihren Verticals nächstes zu erwarten ist:

2019 für Gründer

„2019 wird ein großartiges Jahr, um zu gründen. Wir werden viele langjährige Startup-Mitarbeiter sehen, die ihr wertvolles Know-How als Co-Founder von neuen Ventures einbringen werden – oft gemeinsam mit richtig ambitionierten Köpfen aus ganz anderen Bereichen, die unternehmerisch aktiv werden, weil sie zentrale gesellschaftliche Probleme anpacken wollen. In der österreichischen Politik wird es indes nächstes Jahr endlich ein Erwachen geben – der europäische Tech-Sektor wächst nämlich mittlerweile 5x schneller als der Rest der Wirtschaft und eine solche Zahl wird man in der Standortpolitik nicht mehr ignorieren oder klein reden können.“

Markus Raunig, AustrianStartups

 

2019 für HR-Startups

„Durch den immer stärker spürbaren Fachkräftemangel werden Möglichkeiten zur Ansprache von passiv Jobsuchenden an Bedeutung gewinnen. Dazu gehört erstens die aktive Ansprache von Kandidaten via interner und externer Lebenslaufdatenbanken (Active Sourcing). Zweitens darf in diesem Zusammenhang natürlich auch Social Media Marketing nicht vergessen werden – eine Möglichkeit zur Ansprache von passiv Jobsuchenden via Job Ads im News Feed von Sozialen Netzwerken (Facebook, Instagram, Linkedin, Xing, etc.). Gleichzeitig wird es immer wichtiger mit spannenden Kandidaten langfristig in Kontakt zu bleiben, und diese mit interessanten Neuigkeiten rund um das Unternehmen zu bespielen. In Praktikerkreisen werden daher die Themen Candidate Relationship Management angelehnt an Customer Relationship Management (CRM) und Talentpool Management im nächsten Jahr noch stärker an Bedeutung gewinnen.

Neben AI und VR wird technologisch das Thema Middleware wichtig. Dies ist zwar kein “sexy” Thema, aber eine Möglichkeit einen großen Pain für eine Vielzahl von HR-Verantwortlichen, die mit vielen verschiedenen Tools arbeiten müssen, zu lösen. Ziel ist es, Personalern die Möglichkeit zu geben, in jedem Bereich die beste Software verwenden zu können und trotzdem alle Informationen im Kern-HR-System zusammenfließen zu lassen.“

Daniel Laiminger, HR Tech Hub Vienna

 

2019 für Blockchain & Krypto

Nach der Gründung der Digital Asset Association Austria (DAAA) und der Präsentation im Zuge der Fintech Week 2018 im BMF hat der Vorstand die Strukturen, Ziele und den Fahrplan für das kommende Jahr festgelegt. Neben dem Ziel sich lokal mit Unternehmen, StartUps und Behörden sowie international zum Beispiel mit der European Blockchain Federation zu vernetzen, wird sich die DAAA in erste Veranstaltungen und Diskussionen einbringen sowie den laufenden Austausch unter allen Stakeholdern proaktiv fördern.

Für das erste Halbjahr 2018 wurden folgende Themen als Arbeitsschwerpunkte festgelegt: STOs und ihre steigende Bedeutung, die 5. Geldwäscherichtlinie und ihre Auswirkungen auf digitale Assets, sowie der Fokus auf Steuern in der Kryptoökonomie. Zusätzlich wird mit dem Aufbau einer Wissensdatenbank zur Bündelung des relevanten Know-Hows begonnen. Im Februar (voraussichtlich am 12.2.2019) wird mit Prof. Afred Taudes, dem Initiator des Austrian Blockchain Centers und Vorstand des Instituts für Kryptoökonomie an der WU Wien die erste Veranstaltung der DAAA zum Generalthema „STOs – the next big thing“ stattfinden. Darüber hinaus stehen die Vertreter und Vertreterinnen der DAAA laufend bei Diskussionen und Veranstaltungen als Ansprechpersonen zu Themen der digitalen Vermögenswerte zur Verfügung.“

– Chris Miess, Digital Asset Association Austria

 

2019 für Social Entrepreneurs

„Kollaboration, Digitalisierung und Finanzierung – das sind die drei großen Themen, mit denen sich der Social Entrepreneurship Sektor 2019 beschäftigen wird. Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen, von der Klimakrise über Integration bis in den Bildungsbereich hinein sind nur gemeinsam zu lösen – von Initiativen wie „Bildünger“ bis hin zu SENA wird sich im nächsten Jahr viel in Richtung eines sog. „Collective Impact“ entwickeln.

Darüber hinaus setzen sich erst wenige mit dem Potenzial der Digitalisierung für Lösungen gesellschaftlicher Herausforderungen auseinander – viele sehen sozial und digital als unverrückbares Gegensatzpaar. Möglicherweise schon allein deshalb ein Fehler, weil nahezu keine Startup-Finanzierung ohne digitale Geschäftsidee zu finden ist, womit wir beim dritten Top-Thema 2019 sind: Finanzierung. Hier ist Österreich gerade dabei, spannende Finanzierungsinstrumente der EU für Social Business zu verschlafen. Dafür braucht es kluge Rahmenbedingungen, eine engagierte Politik und eine starke Community, die diese einfordert.“

Walburga Froehlich & Bernhard Hofer, Social Entrepreneurship Network Austria

 

2019 für AI-Startups

„Das Problem der fehlenden Fachkräfte wird sich weiter zuspitzen, deswegen werden alternative Strategien, um auf Talente zugreifen zu können, immer wichtiger – etwa durch Nearshoring, neue Recruiting-Wege, Train-on-the-job oder Partnerschaften. Das Thema AI wird in der Öffentlichkeit ankommen. Jetzt ist eine wichtige Zeit, um mit positiven Use Cases an die Öffentlichkeit zu gehen. Sonst wird der Boulevard die Diskussion vorgeben.

Neue Techniken wie GANs & Reinforcement Learning werden breiter Einzug halten und nochmals komplett neue Anwendungsmöglichkeiten erschließen. Was Startups in Österreich anbelangt, kristallisieren sich aktuell zwei Trends heraus: Einerseits hochspezialisierte AI-DeepTech-Startups, die mit großen Investments ausgestattet neue Methoden entwickeln, und ndererseits Applied-AI-Startups, die möglichst rasch eine bereits marktfertige Lösung skalieren.

Von staatlicher Seite wird 2019 das AI-Jahr – sowohl was gezieltere Förderungen betrifft, als auch seitens der AI-Strategie, bei der es jedoch noch einen großen Sprung vom Papiertiger zur Maßnahme mit Biss benötigt. Hier sind alle Player aus dem Ökosystem aufgefordert, mitzugestalten und sich einzubringen.“

– Clemens Wasner, AI Austria

 

2019 für Fintech

„Während sich in den USA FinTech in Richtung Maturity-Phase bewegt, was sich durch Kooperationen mit Incumbents, Kauf von Challenger Banks (M&A), IPOs von etablierten FinTechs, Skalierung und vor allem viel Funding auszeichnet, befinden wir uns in Europa in einer Growth-Phase. Vor allem in Österreich zeichnet sich ein Trend der Neugründung bzw. Etablierung deutlich aus. Banken/Incumbents wagen sich langsam aber sicher in die FinTech-Szene und suchen nach kreativen Lösungsansaetzen, was beim F10Hackathon wahrend der Fintechweek Vienna 2018 durch konkrete Challenges von z.B. der Bawag deutlich zu sehen war. Derzeit wird meiner Meinung nach mehr in Product Features per se, als noch in Skalierung und Vermarktung investiert. Vor allem machen Produkte wie etwa Seasonax, cashpresso, baningo, kompany, Bitpanda, wikifolio usw. auf sich aufmerksam.“

– Patrick Pöschl, Fintech Austria

 

2019 für Games-Developer

„Im volatilen globalen Games-Markt etwas längerfristig vorauszusagen oder zu -sehen ist schwierig. Wie wird nach „Battle Royale“ getanzt? Was bedeutet der neue PC-Games Store von Epic für Indie-Developer? Wann sponsert Billa ein eSports-Team? Welchen Einfluss werden welche Influencer haben? Wird die „Oculus Quest“ die Skepsis gegenüber VR-Games lindern? Wie kann ein Game am aktuell 25% der globalen Umsätze generierenden chinesischen Markt reüssieren? Kann sich Game Based Learning im schwerfälligen Schulapparat etablieren? Was bedeuten die allgemeine Aufmerksamkeit für AI und Cloud Computing für die Gamesbranche? Wo genau ist die Mitte der Gesellschaft? Antworten gibt es (eventuell) 2019.

Inzwischen wird hierzulande in allen Bereichen eifrig entwickelt: Breit aufgestellte, nachhaltig wachsende GmbHs, alles auf eine Karte setzende Enthusiasten, visionäre Projekt-Teams, idealistische Hobbyisten, engagierte Community-Builder, und (wir sind in Österreich!) bornierte Blender.“

– Jogi Neufeld, Subotron

 

2019 für LegalTech

„Folgende Fokusthemenbereiche werden uns und die Legal Tech-Unternehmen in 2019 begleiten: Recht basiert auf Sprache und Gesetzen. Die Analyse dieser Sprache, die Auslegung und Recherche sind von großer Bedeutung für die Ausübung der juristischen Berufe. Weitere Themen sind die Digitalisierung von Transaktionen (Dataanalyses, zB Due Diligence Prozesse; Transaktionstools), Standardisierungsmöglichkeiten von rechtlicher Beratung, Legal Firm Management: Vereinfachung und Vereinheitlichung von Prozessen /Prozessmanagement (KYC-Prüfungen, Compliance, etc), Digitalisierung von Gerichtsprozessen (Litigation), Cybersecurity für den Rechtsbereich. Innovation entsteht ja auch oft „out of the box“. Deshalb suchen wir 2019 gezielt nach Lösungen, an die wir bisher noch nicht gedacht haben. Hier sind wir schon gespannt auf neue Ansätze.

 Kooperationen mit bestehenden und künftigen Legal Hubs europa-/weltweit (z.B. London) und Universitäten werden derzeit erarbeitet, um Legal Tech in Europa zu verbreitern und Sichtbarkeit zu geben.“

– Sophie Martinetz, Legal Tech Hub Vienna

 

2019 für Mobility

„Nächstes Jahr wird sich im Mobility-Bereich vieles weisen. Tesla wird dann sein Model 3 nach Deutschland und Österreich bringen und für noch stärkeren Druck bei den europäischen Autoherstellern sorgen. Diese werden nach den ersten Elektro-SUVs ebenfalls mit günstigeren Elektroautos für die breite Masse reagieren – für Konsumenten, die vom Verbrenner auf Elektro umsteigen wollen, werden sich die Optionen vervielfältigen.

Es wird aber nicht nur us Kaufen, sondern vor allem ums Leihen gehen. Daimler (Car2go) und BMW (DriveNow) werden die von der EU-Kommission genehmigte Fusion ihrer Carsharing-Dienste vorantreiben, um einen starken europäischen Player gegen Waymo, Uber und Co zu schaffen. Für Startups eröffnen sich neue Möglichkeiten, weil sie via APIs die Carsharing-Dienste von Daimler und BMW in ihren Diensten anzeigen können werden. Außerdem werden sie ihre Mobilitäts-Dienste in der Mobilitäts-App moovel von Daimler listen lassen können.

In Wien wird sich das Rennen um den besten E-Scooter-Dienst entscheiden. In der österreichischen Hauptstadt gibt es mittlerweile 4 Anbieter – Lime, Bird, Tier und Wind – und nicht jeder wird das Jahr 2019 überleben. Schon jetzt gibt es seitens Uber Ambitionen, einen E-Scooter-Sharer zu kaufen. Der Wildwuchs 2018 wird in eine Marktkonsolidierung 2019 münden.“

– Jakob Steinschaden, Trending Topics

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