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So viel Geld haben Österreichs Investoren 2020 auf Startups gesetzt

© Markus Spiske on Unsplash
© Markus Spiske on Unsplash

Mindestens 220 Millionen Euro sind es, die Investoren dieses Jahr in den österreichischen Startup-Sektor pumpten. Das ist ein neuer Rekordwert, der auch die Situation auf europäischer Ebene wieder spiegelt. Auch 2020 hat Trending Topics wieder bei den österreichischen Investoren von öffentlicher wie privater Seite nachgefragt, wie viel sie dieses Jahr investiert haben. Wir kommen mit Ende 2020 auf etwa 60 Millionen Euro, die sie zusammen in heimische Tech-Jungfirmen investiert haben (zum Vergleich: Die Zahlen zu 2019 und 2018).

Das bedeutet auch: Nur etwa ein Viertel der Investmentgelder kommen aus dem Inland, der Rest kommt aus dem Ausland. Die USA werden dabei zu einem dominierenden Faktor. Denn die großen Runden des Jahres (Bitpanda, PlanRadar, Adverity usw.) hatten allesamt US-Investoren im Lead. Weitere Faktoren im Corona-Jahr 2020 waren natürlich die staatlichen Hilfsmaßnahmen, die durch Zuschüsse viele Investments ausgelöst haben, sowie ein frischer Appetit auf Startups durch die beschleunigte Digitalisierung vieler Gesellschafts- und Wirtschaftsbereiche.


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aws Gründerfonds:
ca. 13,5 Millionen Euro

Ralf Kunzmann, Geschäftsführer des aws Gründerfonds. © aws
Ralf Kunzmann, Geschäftsführer des aws Gründerfonds. © aws

Das Investment-Vehikel der staatlichen Förderbank aws Gründerfonds war auch 2020 wieder sehr aktiv – und etwa bei den Runden von PlanRadar, Carbomed, Storyclash oder Prewave mit dabei. „Mit heutigem Stand haben wir 2020 insgesamt 26 Transaktionen abgeschlossen, davon waren 22 Erst- bzw. Folgeinvestments und 4 davon (Teil)-Exits. Gemeinsam mit unseren Co-Investoren haben wir damit insgesamt rund 100 Millionen Euro in österreichische Technologieunternehmen investiert“, so Ralf Kunzmann, Geschäftsführer des aws Gründerfonds.

Zur Investmentsumme 2020 will man sich nicht äußern, jedenfalls heißt es: „Wie sich in den vergangen Jahren gezeigt hat, verzeichnen wir einen sehr positiven Hebeleffekt – der sich stetig verbessert. Das bedeutet: Mit Investments von 10 Mio. Euro werden zusätzlich 65 Mio. Euro von unseren Partnern investiert.“ Wir schätzen, dass der aws Gründerfonds 2020 also etwa 13,5 Millionen Euro investiert hat.

Zum Krisenjahr 2020 sagt Kunzmann: „Das heurige Jahr war etwas Besonderes – in jeder Hinsicht. Was einerseits eine Krise bedeutete, ist andererseits auch eine Chance. Als unternehmerischer Investor ist es für uns selbstverständlich, Chancen und Risiken sachlich zu beurteilen, deren Auswirkungen mit dem Blick auf das Große und Ganze einzuschätzen und damit umzugehen“, so Kunzmann weiter. „Unser Portfolio-Ansatz hat sich gerade in einer Situation, wie wir sie heuer erlebt haben, als besonders robust erwiesen: Dank unseres diversifizierten Portfolios waren wir besonders robust gegen Black-Swan-Events wie Covid-19. Durch die Krise betroffene Unternehmen konnten durch Outperformer anderer Industrien und Branchen überkompensiert werden. Und gerade Krisenzeiten sind Chancenzeiten für gute Neuinvestments.“

 

 

Speedinvest:
ca. 8 Millionen Euro

Oliver Holle, CEO von Speedinvest. © Speedinvest
Oliver Holle, CEO von Speedinvest. © Speedinvest

„Wir haben im Jahr 2020 einen mittleren siebenstelligen Betrag in österreichische Tech-Startups investiert. Da sind viele spannende Unternehmen dabei — die meisten sehr jung und oft noch im Stealth Mode, andere schon mit signifikanten Umsätzen. Ohnehin bekannt sind die Runden von erfolgreichen Portfolio Companies wie Bitpanda oder Adverity“, sagt Markus Land vom Wiener VC Speedinvest, der dieses Jahr einen 190 Millionen Euro schweren neuen Fonds für frühphasige Startups auf den Markt gebracht hat (Trending Topics berichtete). Auch Refurbed (Marktplatz für generalüberholte Electronics) und GoStudent (digitale Nachhilfe-Plattform) haben großartige Finanzierungsrunden von je deutlich über 10 Millionen Euro abgeschlossen.

„Die COVID-Pandemie hat viele unserer Beteiligungen hart getroffen. Umsätze sind über Nacht eingebrochen, was dazu geführt hat, dass Unternehmen, die gerade noch genug Geld für ein Jahr hatten, plötzlich innerhalb weniger Wochen frisches Kapital benötigten“, so Lang weiter. „Gleichzeitig haben wir aber gesehen, dass die COVID-bedingten Einschränkungen in manchen Bereichen unseres Portfolios geradezu als Katalysator für die Digitalisierung gewirkt haben.“ Der E-Commerce-Anteil etwa sei in sechs Monaten so stark gewachsen, wie das vor der Pandemie für die nächsten fünf bis zehn Jahre prognostiziert wurde.

Zum Investment-Rekord im Jahr 2020 sagt Lang: „Die Rekordzahlen sind also durchaus nachvollziehbar: Nicht nur Startups, die plangemäß eine Finanzierungsrunde in 2020 abgeschlossen haben, haben Geld eingesammelt, sondern auch jene, die durch Covid hart getroffen wurden und daher ungeplant Kapital aufnehmen mussten und jene, die aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen schneller als geplant gewachsen sind und deshalb ungeplant (zusätzliches) Kapital aufnehmen konnten.“

 

 

eQventure:
ca. 5 Millionen Euro

Herbert Gartner von eQventure. © Stefan Warmuth
Herbert Gartner von eQventure. © Stefan Warmuth

Wie treue Trending Topics-Leser sicher wissen, ist der in Graz ansässige Investor eQventure in den vergangenen Jahren 2018 und 2019 jeweils der Top-Investor gewesen und hat (oft mit Abstand) am meisten in heimische Startups investiert. Dieses Jahr zeigt sich eQventure etwas zurückhaltender, hat aber auch 2020 wieder viele Millionen investiert.

„2020 war ein gutes Exit-Jahr für eQventure. Neben einem neunstelligen Exit sind derzeit noch drei weitere Exits in der Pipe. Auf der Finanzierungsseite waren wir 2020 etwas zurückhaltend. So kommen wir heuer auf 12 Finanzierungsrunden, 3 Neuprojekte und rund 10 Millionen Investments, davon rund 50 Prozent Leverages“, so Gartner zu Trending Topics. Und er hat auch eine Erklärung dafür, warum eQventure nicht mehr so viel Geld im Inland ausgibt.

„Gäbe es genug innovative Projekte mit guten Teams, würden wir wesentlich mehr investieren. Venture Capital ist heute in Österreich nicht mehr der limitierende Faktor sondern gute Projekte. Daher haben wir zusammen mit Hermann Hauser die Spin-off Austria Initiative ins Leben gerufen, damit mehr hochwertige Startups auf den Markt kommen“, so Gartner.

 

 

Uniqa Ventures:
ca. 5 Millionen Euro

Andreas Nemeth von Uniqa Ventures. © Uniqa
Andreas Nemeth von Uniqa Ventures. © Uniqa

Uniqa Ventures ist der aktivste Corporate VC in Österreich – auch 2020 wieder. Es sind etwa fünf Millionen Euro, die hierzulande in diesem Jahr in Startups investiert wurden. „Wir haben 2020 insgesamt mehr als 15 Transaktionen, darunter 5 Neuinvestments getätigt. Die Highlights waren Second Nature und omnius im Februar und Bitpanda über unseren FGFE, den gemeinsamen FinTech-Fund mit Speedinvest und RBI“, so Geschäftsführer Andreas Nemeth. „Aktuell closen wir gerade eine überaus spannendes Investment bei einem Telemedizin-Anbieter, über das wir bald berichten werden und freuen uns über die 50-Millionen-Euro-Mega-Runde bei Luko, einer unserer InsurTech-Beteiligungen in Paris.“

Auch Nemeth weiß um die Faktoren, die zum Rekordjahr 2020 beigetragen haben. „Dazu haben sicher Mega-Runden wie bei Bitpanda beigetragen. Positiv hat aber sicher auch der COVID-Startup-Hilfsfonds gewirkt, der gemeinsam mit privaten Investoren zusätzliches Investitionskapital für Startups gebracht hat.“

 

Apex Ventures:
ca. 4,5 Millionen Euro

Christoph Kanneberger, Gordon Euller, Andreas Riegler und Stefan Haubner von Apex. © Interfoto
Christoph Kanneberger, Gordon Euller, Andreas Riegler und Stefan Haubner von Apex. © Interfoto

Image Biopsy Lab, Contextflow und T3K Forensics – das sind die Top 3 Investments, die Apex Ventures von Christoph Kanneberger, Gordon Euller, Andreas Riegler und Stefan Haubner dieses Jahr in Österreich gemacht haben. Insgesamt waren es etwa 4,5 Millionen Euro, die dieses Jahr in heimische Startups gesteckt wurden. „Grundsätzlich ist unser Gefühl, dass in Österreich verhältnismäßig zu vorherigen Jahren viel investiert wurde und auch die Investitionsbereitschaft insgesamt deutlich besser und höher geworden ist. Dies liegt einerseits an der Attraktivität von alternativen Investments (und der Schwäche anderer Anlageklassen) und andererseits auch an der breiter werdenden Akzeptanz in Startups zu investieren“, so Haubner zu Trending Topics.

Warum dieses Jahr mehr Geld als in den Vorjahren in Startups investiert wurde, erklärt sich Haubner aus zwei Gründen: die Cash-Reserven der Fonds und staatliche Maßnahmen. „er Trend in alternative Investments zu investieren hält weiter an“, sagt er. „2020 wurde außerordentlich viel in Fonds investiert, die im Bereich VC/PE unterwegs sind und damit haben wir entsprechend viel Kapital am Markt zur Verfügung. Ingesamt haben wir hier aber noch zu wenig Bewegung am österreichischen Markt. Wir sehen diesen Trend eher im Rest von Europa, insbesondere in Deutschland. Nachdem Österreich aber ein attraktiver Gründerstandort für DeepTech-Startups ist, sehen wir vermehrt Aktivitäten ausländischer Investoren hier.“

Der zweite Faktor heißt Staat. „Mit dem COVID-Startup-Hilfsfonds wurde ein attraktives Modell geschaffen, welches private Investoren ermutigt und motiviert hat, in Startups zu investieren. Zusätzlich kamen vom Austria Wirtschaftsservice attraktive Förderungen und Kredite für Startups, die von vielen in Anspruch genommen wurde – einerseits aus Bedarf, vielfach jedoch zur Absicherung vor kommenden Herausforderungen“, so Haubner. „Wir sollten uns aber keinesfalls auf den bisherigen Maßnahmen ausruhen, sondern im Gegenteil zügig neue Möglichkeiten und bessere Rahmenbedingungen für Investoren schaffen. Wir haben dieses Jahr einen kleinen Ausblick erhalten, was möglich ist, wenn wir ein Investment-freundliches Umfeld schaffen würden. Steuerfreibetrag, Dachfonds, Mitarbeiterbeteiligung – Maßnahmen die von der Community bereits ausgearbeitet und jahrelang propagiert wurden, liegen in der Schublade der politischen Verantwortlichen und könnten den Aufwärtstrend weiter befeuern. Wir sehen in Deutschland was alles möglich ist!“

 

 

8eyes:
4 bis 5 Millionen Euro

Die 4 Runtastic-Gründer. © Runtastic
Die 4 Runtastic-Gründer. © Runtastic

Die Investment-Firma 8eyes der vier Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner, Christian Kaar, René Giretzlehner und Alfred Luger hat sich in Österreich zu einem wichtigen Geldgeber entwickelt – und zeigt, wie Kapital aus einem großen Exit zurück in den Sektor fließen kann. „Als 8eyes haben wir mehrere Millionen Euro investiert, sowohl in Startups als  auch Startup-Fonds“, sagt Florian Gschwandtner zu Trending Topics.

Anders als viele andere Investoren sieht er gar nicht die Krise als wichtigster Faktor für das Rekordjahr bei den Investments. „Prinzipiell ist jede Krise eine Chance, aber das ist glaube ich nicht der Grund für diese Investments. Startups werden nach wie vor sehr gehpyt und natürlich führen auch Negativzinsen und wenig Anlagealternativen dazu, dass immer mehr Menschen nach neuen Investmentmöglichkeiten suchen“, so Gschwandtner. „Ich würde hier aber jedem privaten Investor empfehlen, in einen Fund zu investieren und nicht selber ein, zwei, drei Startup-Investments zu machen.“

 

 

European Super Angels Club:
ca. 3,5 Millionen Euro

Berthold Baurek-Karlic von Venionaire. © Venionaire
Berthold Baurek-Karlic von Venionaire. © Venionaire

Der European Super Angels Club (ESAC) versteht sich als paneuropäisches Investment-Vehikel, hat mit seinen Gründungspartnern KPMG Austria und Venionaire Capital rund um Berthold Baurek-Karlic aber natürlich starke Wurzeln in Österreich. In Summe hat der European Super Angels Club heuer rund 3,5 Millionen Euro in österreichische Startups investiert, etwas mehr als ein Drittel davon wurde über den Luxemburger Syndikatsfonds des Clubs, EXF Alpha“, so Baurek-Karlic zu Trending Topics. Die größten Summen gingen in das Krypto-Startup Blockpit sowie in das RegTech kompany. Ein Investment in ein Fintech soll noch bekannt gegeben werden.

Warum 2020 zum Rekordjahr wurde? „Der Kapitalbedarf bei Portfolio Unternehmen war durch die harten Lockdowns höher. Das Geld hat gleichzeitig weniger stark gearbeitet, da die Firmen weniger gewachsen sind und da sie mehr Geld verbrannt haben – das Rekord Jahr ist also keines das wir bejubeln sollten“, so Baurek-Karlic. „In unserem Portfolio sind wir sehr zufrieden – wir hatten bei unseren Themen Glück und keine echten Krisenverlierer dabei. Das langsamere Wachstum bei einzelnen Firmen hat uns allerdings sehr auf Trab gehalten und wird uns, weil wir aufholen müssen, noch intensiver beschäftigen.“

 

 

Raiffeisen Innovation Invest:
ca. 3,5 Millionen Euro

Daniel Haider, Geschäftsführer Raiffeisen Innovation Invest. © Raiffeisen
Daniel Haider, Geschäftsführer Raiffeisen Innovation Invest. © Raiffeisen

Seit Herbst 2020 tritt die Corporate Venturing Gesellschaft Raiffeisen Innovation Invest zusammen mit den drei Private Equity Fonds der Raiffeisenbankengruppe OÖ unter der gemeinsamen Dachmarke „Raiffeisen Invest Private Equity“ auf. „Insgesamt wurden 7,75 Millionen Euro in Startups investiert, davon 3,5 Millionen in Österreich. Die Raiffeisen Innovation Invest beteiligte sich im Rahmen einer C-Runde an der SolarisBank AG in Berlin, einer Banking-as-a-Service Plattform mit deutscher Banklizenz“, so Daniel Haider, Geschäftsführer Raiffeisen Innovation Invest. Außerdem seien rund 1 Million Euro als Folgeinvestments in bestehende Portfoliounternehmen investiert worden. Die übrigen 2,5 Mio. Euro stammten von den beiden Private-Equity-Gesellschaften Raiffeisen KMU Invest (Beteiligungen an Go2Market und andmetics) sowie INVEST AG (BSB Artificial Intelligence), die aber nur in Ausnahmefällen in frühe Phase investiere.

„Im Krisenjahr wurde deshalb viel investiert, da es auch eine Reihe von Unternehmen gibt, die von der aktuellen Situation profitieren, zum Beispiel in den Bereichen Digitalisierung oder Automatisierung, in dem viele Startups tätig sind. Innovative Geschäftsmodelle und ein zusätzlicher Eigenkapitalpuffer helfen außerdem, eine Krise besser zu bewältigen“, so Haider.

 

 

primeCROWD:
ca. 2,5 Millionen Euro

Markus Kainz von primeCrowd. © primeCrowd
Markus Kainz von primeCrowd. © primeCrowd

Das Business-Angel-Netzwerk rund um Markus Kainz hat wie viele andere auch gegenüber 2019 zugelegt und mehr als im Vorjahr in österreichische Startups investiert – und das, obwohl sehr viele der Aktivitäten bereits in Deutschland passieren. Unter den Top-Investments finden sich Swarm Analytics, Tripmakery und SignD.

„Rekordjahr ist bei diesem geringen Niveau nicht schwer. Wir persönlich haben die meisten Investments mit deutschen Investoren und VCs gemacht, die österreichischen Business Angels waren nicht so riskikofreudig – zumindest ist das mein persönlicher Eindruck“, so Kainz. „Was wir prinzipiell merken ist, dass vor allem stark in Branchen investiert wird, die zu den Krisengewinnern zählen. In die Startups, die nicht von der Krise profitiert haben, wurde sicherlich auch einiges investiert, um diese mit Liquidität auszustatten. Diese beiden Faktoren könnten zu dem Investmentanstieg geführt haben.“

 

 

3VC:
ca. 2,2 Millionen Euro

Das Team von 3VC. © 3VC
Das Team von 3VC. © 3VC

Vormals unter der Marke capital300 unterwegs, ist das Team rund um Roman Scharf und Peter Lasinger nunmehr unter der Brand 3VC unterwegs. Dieses Jahr wurden in österreichische Startups etwa 2,2 Millionen Euro investiert – welche das sind, wird aber nicht im Detail verraten.

Zum Investmentrekord in Österreich sagt Lasinger: „Wir denken, es gibt mehrere Gründe für den gesteigerten Investmentappetit, der international immer noch auf geringem Niveau ist. Zum einen waren Instrumente wie der Startup-Hilfsfonds für viele Investoren ein zusätzlicher Anreiz in bestehende und neue Beteiligungen zu investieren. Hinzu kam neues Bewusstsein für die Notwendigkeit der längerfristig ausgelegten Finanzierung, viele Investoren haben Unternehmen nun mit deutlich mehr Liquidität ausgestattet. Natürlich spielen auch die Zinslage, aber auch das Potenzial von Softwareunternehmen in (Post-)-COVID Zeiten eine große Rolle. Es ist sicher auch ein Zeichen der Zeit, dass Warren Buffett in Scaleups wie Snowflake investiert.“

 

 

tecnet equity:
1,7 Millionen Euro

Tecnet Equity Geschäftsführerin Doris Agneter ©tecnet
Tecnet Equity Geschäftsführerin Doris Agneter ©tecnet
Der niederösterreichische VC-Fonds tecnet equity rund um Geschäftsführerin Doris Agneter hat dieses Jahr mit einer Neuerung auf sich aufmerksam gemacht: Er hat mit SAFE („Simple Agreement for Future Equity“) ein schnell verfügbares Wandeldarlehen von 50.000 Euro geschaffen, dass niederösterreichischen Startups eine flotte erste Finanzierung ermöglichen soll. Auch sonst war man natürlich nicht untätig. „In Summe haben wir 2020 1,7 Millionen Euro in drei neue Deals investiert. Bei zwei Unternehmen investierten wir kleinere SAFE-Tickets und der Rest entfällt auf schon bestehende Portfoliounternehmen“, so Agneter zu Trending Topics. „Bei den drei neuen Deals handelt es sich um Valanx, Orderlion und Corplife. Bei den SAFE-Tickets handelt es sich um die MLOps-Plattform MLreef und ein weiteres Investment, welches wir bis Jahresende noch bekannt geben werden.“

Über das Krisenjahr 2020 sagt Agneter: „Die COVID-19-Pandemie trifft einige Startups sehr hart, andere wiederum profitieren von dem damit einhergehenden Wandel bzw. der dadurch beschleunigten Digitalisierung vieler betrieblicher Prozesse. Zusätzlich investiert man als Frühphasen-Investor natürlich in die Zukunft der Unternehmen. Auch wenn es bei manchen Startups während der Pandemie bzw. des Lockdowns zu erschwerten Bedingungen am Markt gekommen ist, macht ein gutes Produkt exekutiert vom richtigen Team in einem spannenden Markt noch immer eine tolle Investmentmöglichkeit aus. Darüber hinaus bot der Covid-Hilfsfonds ein weiteres Incentive, um zu investieren. Wie man gesehen hat, wurde dieser auch sehr gut vom Markt angenommen.“

 

 

Hansi Hansmann:
ca. 1,5 Millionen Euro

Business Angel Hansi Hansmann. © Trending Topics
Business Angel Hansi Hansmann. © Trending Topics

Der bekannteste Business Angel des Landes hat wieder einmal seine eigene, vor eigenen Jahren selbst auferlegte Regel gebrochen – und ein Neu-Investment gemacht. Und zwar in das Kundenclub-Startup Hello Again. Ansonsten ging es 2020 aber sehr stark um Folge-Investments. „Ich habe insgesamt ca 1,5 Millionen investiert. Es waren hauptsächlich Bridgerounds wegen COVID bzw. Folgeinvestments. Mit Hello Again gab es auch ein kleines Neu-Investment – eine Ausnahme, wo ich nicht nein sagen konnte“, so Hansmann zu Trending Topics.

Dass es 2020 ein Rekordjahr bei Startup-Investitionen in Österreich gab, sieht er nicht als Folge von Corona. „Das hat wohl nur bedingt mit dem Krisenjahr zu tun, obwohl viele Startups Geld geraised haben, die es ohne covid vielleicht nicht oder später gemacht hätten“, sagt Hansmann. „Es ist einfach die Konsequenz der letzten Jahre. Das meiste Geld kommt aber wohl von US-VCs. Insight, Sapphire und Valar Ventures waren Lead-Investoren bei den großen Runden von Planradar, Adverity und Bitpanda/valar. Das heißt: Es wurde auch deshalb so viel investiert, weil die großen US-VCs vermehrt nach Europa kommen.“

 

 

OÖ Hightech-Fonds:
ca. 1,5 Millionen Euro

Thomas Meneder und Christian Matzinger vom OÖ HightechFonds. © OÖ HightechFonds
Thomas Meneder und Christian Matzinger vom OÖ Hightech-Fonds. © OÖ Hightech-Fonds

 

Der oberösterreichische Hightech-Fonds ist eine der wichtigsten Anlaufstellen für Startups aus dem Bundesland, wenn es um Finanzierungsrunden geht. „In Summe haben wir rund 1,5 Millionen an Neu- und Folgeinvestments gemacht, wobei vor allem unsere zwei neuen Genspeed und Storyclash erwähnenswert sind“, sagt Geschäftsführer Christian Matzinger zu Trending Topics.

Warum gerade 2020 so viel investiert wurde, habe zwei Gründe. „Der Anreiz über den COVID-Startup-Hilfsfonds hat sicherlich dahingehend funktioniert, dass Finanzierungsrunden gelungen sind – viele davon jedoch in Bestandsbeteiligungen bzw. Follow-On-Runden. Auch unabhängig vom Hilfsfonds ist ein Einbruch im Investorenvertrauen glücklicherweise ausgeblieben. Im Markt ist aber durchaus eine gewisse Zurückhaltung vieler Investoren beim Eingehen von neuen Beteiligungen spürbar“, sagt Matzinger. „Wir rechnen im Einklang mit der Pandemie-Situation mit einem verhaltenen Start ins Jahr im Q1, gefolgt von einer dynamischen Entwicklung in den Folgequartalen.  Wir sehen zwei gegenläufige Effekte: Einerseits gibt es gesamtwirtschaftlich Gegenwind durch Bilanz- und Stundungseffekte, andererseits wird die konkrete Aussicht auf ein Ende der Pandemie die Stimmung beflügeln. Es wird sich zeigen, welcher der beiden Effekte stärker ausfällt. Wir sind insgesamt zuversichtlich.“

 

 

Push Ventures:
1,2 Millionen Euro

Lukas Püspök von Push Ventures. © Matt Observe
Lukas Püspök von Push Ventures. © Matt Observe

Die Investment-Firma Push Ventures invetiert seit einigen Jahren konsequent und regelmäßig ihr Geld in Österreich sowie im Ausland. „In etwa 1,2 Millionen Euro haben wir in Österreich investiert, und rund eine Million im Ausland. Mostly AI, Zizoo und ein noch nicht veröffentlichtes waren die Top 3 Investments in österreichische Firmen“, so Lukas Püspök von Push Ventures zu Trending Topics.

Warum es eine gutes Jahres war für Startup-Investments? „Ich glaube es ist ein Mix von mehreren Faktoren. Zum einen hat der COVID-Startup-Hilfsfonds Bestandsinvestoren dazu animiert, die Kassen aufzufüllen, damit die Beteiligungen ausreichend Runway haben, um ohne Fundraising-Sorgen durch die COVID-Zeit zu kommen“, so Laurenz Simbruner von Push Ventures. „Dann wurde vielen klar, dass Investments in digitale Produkte absolut Sinn machen v.a. dass die Digitalisierung von Prozessen, Remote Work, eCommerce usw. durch die COVID-Krise noch mehr Aufwind bekommen haben und dadurch viele neue Chancen entstehen.“ Außerdem dürfe man den Faktor USA nicht vergessen. „Und dann gibt es die großen VCs dieser Welt, die nach guten Investments suchen und bereit sind, das Geld auch zu investieren – es gibt derzeit in einer globalen bzw. europäischen Sicht eine große Allokation in der Asset Allocation auf Technologie-Investments. Letztes Jahr wurden viele neue Fonds geraised, die jetzt in der Investmentphase sind.“

 

 

IST Cube:
ca. 1 Million Euro

IST Austria in Klosterneuburg. © IST Austria
IST Austria in Klosterneuburg. © IST Austria

IST Cube ist ein am Klosterneuburger IST Park angesiedelter, frühphasiger Investor in MedTech, HealthTech und Life Sciences – und auch 2020 immer wieder mit neuen Investments in Startups aus diesem Bereich aufgefallen. „Wir haben 2020 etwa eine Million Euro investiert“, sagt Bernhard Petermeier von IST Cube. „Die Krise hat die Digitalisierung und damit ein Gebiet auf dem viele Startups operieren beschleunigt. Auch ist von einer raschen Erholung mancher Industriezweige auszugehen. Daraus ergeben sich Chancen die viele Investoren nutzen.“

Und in dem Ton würde es auch 2021 weitergehen. „Es ist von einer weiteren Steigerung auszugehen. Neben weiterhin starken Investments in digitale Lösungen und im industriellen Umfeld wird auch der Dienstleistungssektor wieder anziehen. Die Marktbereinigung im Dienstleistungssektor und vieler Innovationsverlierer im industriellen Umfeld wird Lücken hinterlassen. Dies könnte eine Möglichkeit sein, Marktanteile dazuzugewinnen. Daher könnten vor allem Later-Stage-Investments einen Schub erfahren.“

 

 

startup300:
ca. 800.000 Euro

Michael Eisler und Bernhard Lehner. © startup300, Montage Trending Topics
Michael Eisler und Bernhard Lehner. © startup300, Montage Trending Topics

Auch startup300, in den letzten Jahren vom reinen Business-Angel-Netzwerk hin auch zu einem Anbieter von Coworking Spaces und Consulting entwickelt, hat im Jahr 2020 weiter investiert. „Wir haben rund 800.000 Euro investiert. Die Investments teilen sich auf fünf Unternehmen auf. Bezogen auf die Investmentsumme sind die Top 3-Investments Domonda, Cleen Energy sowie Venuzle, die sich auf rund eine halbe Million Euro summieren“, sagt Bernhard Lehner von startup300 zu Trending Topics.

Warum gab es gerade im Krisenjahr 2020 so viel Geld für österreichische Startups? „Da gibt es eine einfache Antwort: der COVID-Startup-Hilfsfonds hat private Investments getriggert. Daran sieht man, wie leicht es mit ein wenig gutem Willen und Anreizen der öffentlichen Hand gelingt, privates Risikokapital zu aktivieren“, so Lehner. „Allerdings wurden damit wahrscheinlich auch viele Investments, die erst in den Folgejahren geplant waren, nach vorne gezogen. Ich würde also von Euphorie über einen neuen Investment-Boom warnen.“

 

 

Steirische Wirtschaftsförderung SFG
ca. 650.000 Euro

medaia-Geschäftsführer Michael Tripolt mit SFG-Geschäftsführer Christoph Ludwig. © SFG
medaia-Geschäftsführer Michael Tripolt mit SFG-Geschäftsführer Christoph Ludwig. © SFG

Auch die steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft hat sich zu einem kleinen, feinen Player in der Startup-Investoren-Szene entwickelt. w2020 hat die SFG zwei Top-Investments im Gesamtausmaß von 650.000 Euro abgeschlossen. Die erste Beteiligung erfolgte beim Startup-Unternehmen medaia GmbH. Das Grazer Unternehmen hat mit „SkinScrenner“ weltweit die erste App entwickelt hat, welche mittels künstlicher Intelligenz frühzeitig Hauttumore erkennt“, heißt es seitens Geschäftsführer Christoph Ludwig. „Die zweite Beteiligung wird in Kürze bei einem Unternehmen, das auf Basis eines einzigartigen Algorithmus passende StudienteilnehmerInnen rekrutiert, erfolgen.“ (gemeint ist damit Probando, Anm.)

Das viele neue Geld für österreichische Startups und die Ursachen? „Hier hat sicherlich der COVID-Startup-Hilfsfonds sehr viele Investoren motiviert, ein Investment zu tätigen. Eine neuerliche Dotierung dieses Fonds wäre wünschenswert“, so Ludwig. „Die Entstehung disruptiver Technologien und Geschäftsmodelle insbesondere im Bereich Digitalisierung ist durch die Entwicklungen 2020 nochmals wesentlich beschleunigt worden. Speziell Seed- und Startup-Unternehmen werden hier auch 2021 wichtige Player sein und für ihre Vorhaben entsprechend Risikokapital benötigen. Die Investmentbereitschaft der Investoren ist diesbezüglich hoch einzuschätzen.“

 

 

Elevator Ventures:
k.A.

Max Schausberger von Elevator Ventures. © Elevator Ventures
Max Schausberger von Elevator Ventures. © Elevator Ventures

Elevator Ventures ist der Corporate VC der Raiffeisen Bank International (RBI) und hat sich auf Early-Stage- und Growth-Investments im Fintech-Bereich im Zentral- und Osteuropa spezialisiert. „Gemeinsam mit anderen bestehenden Investoren und den zwei international renommierten VCs Global Brain und Fairway Global Investment haben wir heuer an der Finanzierungsrunde von Kompany teilgenommen. Wir freuen uns, dass das österreichische RegTech kompany damit die weitere internationale Expansion ihrer KYC-Lösung sowie ihre Produktentwicklung im RegTech-Bereich vorantreiben wird“, so Geschäftsführer Maximilian Schausberger zum Österreich-Investment.

„Unsere Top 3 Investment-Highlights im Jahr 2020 waren unsere beiden Embedded-Finance-Investments in Agro.Club und Tarfin, die Finanzierungslösungen für Landwirte anbieten, sowie unser Investment in die Customer-Experience-Management-Plattform Pisano. In all diese Unternehmen konnten wir gemeinsam mit namhaften internationalen Investoren wie Quona Capital, Speedinvest, Syngenta Ventures oder QNBEYOND investieren“, so Schausberger weiter.

Auch Schausberger hat eine These, warum es 2020 so gut lief mit Startup-Investments. „Neben all den Schwierigkeiten, die das Jahr 2020 für Unternehmer gebracht hat, konnten einige Bereiche auch profitieren, denn Trends im digitalen Kundenverhalten wurden verstärkt. Als Beispiel aus der Finanzbranche verzeichnete die Raiffeisen Bank International über alle ihre Märkte hinweg ein zweistelliges Wachstum ihrer Mobile-Banking-Nutzer im ersten Halbjahr 2020″, so Schausberger. „Dadurch ergeben sich viele Chancen, die den Investoren-Appetit scheinbar auch im Jahr 2020 angefeuert haben.“

Anmerkung: Einige Investoren, die Trending Topics angefragt hat, konnten oder wollten in diesem Jahr keine Informationen zu ihren Investments geben.

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