Einstellungen

So verhinderst du, dass Google Sprachaufnahmen, Aufenthaltsorte und deinen YouTube-Konsum speichert

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© Google/Montage TrendingTopics.at
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Es ist schon etwas gespenstisch, wenn man einem Link folgt und dann plötzlich vor Tonaufnahmen sitzt, die man vor zwei Jahren in sein Smartphone hineingesprochen hat. Das passierte gestern vielen Internetnutzern auf der ganzen Welt, die diesen Artikel von „The Independent“ gelesen haben. Er handelt davon, dass Google neben vielen anderen Dingen auch die Sprachsuchen dauerhaft speichert, die Nutzer via Android-Handys oder Google-Apps tätigen. Resultat: Im eigenen Aktivitätsprofil kann man sich diese Tonaufnahmen auch Jahre später wieder anhören.

Ein guter Zeitpunkt also, sich einmal näher mit den Einstellungen des persönlichen Google-Accounts auseinanderzusetzen. Nach Jahren der Kritik hat Google mit dem Aktivitätenprofil im Juni 2015 eine Funktion eingeführt, die nicht nur einen Überblick über alle gespeicherten Daten zu geben, sondern auch die Möglichkeit gibt, diese Datensammlung zu unterbinden.

Aber Achtung: In diesen Einstellungen kann man lediglich die zukünftige Sammlung der Daten (Google nennt sie „Aktivitäten“) stoppen, wer die in der Vergangenheit gesammelten Daten wirklich löschen will, kann das unter diesem Link zu: https://myactivity.google.com/delete-activity.

Die Pausierung der Datensammlung funktioniert wie folgt unter diesem Link: https://myaccount.google.com/activitycontrols.

1. Suchbegriffe im Browser und in Apps

Eh klar: Google sammelt alle Suchbegriffe, die man auf der Webseite oder über Apps eingibt. Daraus ergibt sich über die Jahre eine höchst detaillierte Liste an Abfragen, die außerdem passenden Webseiten zugeordnet wird, da Google ja auch weiß, welche Links in den Suchtreffern man anklickt. So werden Suchen nach Personen etwa mit deren Profil bei Linkedin oder Facebook verknüpft, Abfragen von Produkten mit den Einträgen bei Amazon usw. Wer diese Datensammlung unterbinden will, stellt den Schieberegler (siehe Screenshot unten) auf „aus“.

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2. Der Standortverlauf

Via Android-Smartphones oder iPhones, aber auch über Routenabfragen bei Google Maps kann der Internetkonzern Standortinformationen des Nutzers erfahren, die unter anderem auch dafür verwendet werden, um Google-Werbung zu personalisieren. Google lässt Nutzer auch wichtige Adressen wie „Zuhause“ oder „Arbeit“ merken, was durchaus praktisch ist. Denn so kann man sich bei Maps sehr einfach den schnellsten Weg zu diesen Orten zeigen lassen, ohne die Adresse extra eingeben zu müssen. Auch hier kann man die Erfassung des Standortverlaufs pausieren.

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3. Kontakte und Kalendereinträge

Google nennt Kontakte, Kalendereinträge, installierte Apps, gespeicherte Musik oder sogar den Akkustand des Smartphones simpel „Geräteinformationen“. Diese Daten betreffen in erster Linie Android-Phones, zu denen Google einen direkten Draht hat. Es werden sogar Informationen über den Status des Bildschirms (eingeschaltet/ausgeschaltet), die Qualität von WLAN- und Bluetooth-Verbindungen sowie Touchscreen- und Sensormesswerte gesammelt. Auch hier kann man die zukünftige Sammlung dieser Daten pausieren.

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4. Tonaufnahmen

Jetzt wird es ein wenig spooky: Wer auf Smartphones die Sprachsuche verwendet (in vielen Android-Handys standardmäßig installiert und mit den Worten „Ok Google“ aktivierbar, bei iPhones über Google-Apps möglich), der muss davon ausgehen, dass diese als Tonaufnahmen von Google gespeichert werden. Ob Google Tonaufnahmen hat, kann man im „Verlauf“ kontrollieren und sie sich sogar anhören. Die langfristige Speicherung dieser Tonaufnahmen kann man unterbinden.

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5. YouTube-Suchen

Ja, auch die Google-Tochter YouTube spielt Daten in das eigene Google-Profil ein. Zum einen sind das Suchbegriffe, die man auf der Webseite oder in Apps eingegeben hat. Daraus entsteht über die Jahre eine lange Liste an Anfragen, die unter anderem verwendet wird, um die auf der individuellen Startseite von YouTube angezeigten Videos auf die eigenen Interessen abzustimmen. Wie auch bei den anderen Bereichen kann man diese Datensammlung stoppen.

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6. Gesehene YouTube-Videos

Google bzw. YouTube speichert auch den Wiedergabeverlauf von Videos, übrigens auch von Nutzern, die nicht mit ihrem Konto angemeldet sind. Das Sehverhalten auf YouTube wird auch zu Werbezwecken ausgewertet. Auch hier gilt: Die Datensammlung über den Wiedergabeverlauf kann abgestellt werden.

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7. Werbung (wenn bei Google eingeloggt)

Google, das mit Online-Werbung Milliarden US-Dollar pro Quartal verdient, verwendet die oben beschriebenen Daten dazu, um digitale Reklame zu personalisieren. Das soll die Klickraten verbessern und dem Konsumenten entgegenkommen, weil er so interessantere Werbung bekommen soll. Diese so genannte „interessensbezogene Werbung“ kann man bis zu einem gewissen Grad abstellen und verhindern, dass die Daten über Suchanfragen oder angesehene YouTube-Videos zu Werbezwecken ausgewertet werden. Das Abdrehen bedeutet aber nicht, dass Google nicht trotzdem versucht, personalisierte Anzeigen einzublenden – so wird etwa der ungefähre Standort (bis auf Stadtebene genau) herangezogen, um passende Werbung zu zeigen (z.B. in der passenden Sprache).

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8. Werbung (wenn bei Google ausgeloggt)

Das Verhalten von Nutzern mit einem Google-Konto, die ausgeloggt sind, wird trotzdem von Google erfasst. Diese so genannten anonymen Nutzer werden über das so genannte DoubleClick-Cookie erfasst, folgende Daten werden gesammelt:

  • Die Art der von Ihnen besuchten Websites sowie der auf Ihrem Gerät installierten mobilen Apps
  • Die von Ihnen aufgerufenen Websites und Apps von Unternehmen, die Anzeigen auf Google schalten
  • Ihre Aktivitäten auf anderen Geräten
  • Vorherige Interaktionen mit Anzeigen oder Werbediensten von Google

Die Personalisierung der Werbung kann abgedreht werden. Außerdem kann an verhindern, dass das DoubleClick-Cookie Daten sammelt, indem man sich dieses Browser-Plugin installiert (verfügbar für Firefox, Internet Explorer und Chrome).

9. Werbung außerhalb von Google

Wer durchs Netz außerhalb von Google-eigenen Webseiten surft (Google-Suche, YouTube, etc.), der bekommt trotzdem immer wieder Google-Anzeigen zu sehen. Das passiert über AdSense: Webseiten und Blogs betten Google-Werbung in ihre Online-Angebote ein. Wenn man durchs Web surft, dann kann Google durch die Einbindung in diese vielen Webseiten sehen, was man sich angeschaut hat und sammelt folgende Daten für Werbezwecke:

  • Es werden Interessensprofile auf Basis der zuvor aufgerufenen anderen Websites erstellt, um auf der aktuellen Webseite passende Werbung zu zeigen (sog. Remarketing)
  • Es werden demografischen Eigenschaften wie Alter oder Geschlecht statistisch berechnet
  • Der Standort wie Stadt oder Land oder wird erhoben

Diese interessensbezogene Werbung kann man unterbinden, was aber nicht heißt, dass man dann gar keine Werbung mehr sieht – sie wird einfach nicht mehr personalisiert.

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