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Simplewish-Gründer Jakob Reiter: „Entrepreneurship ist eine Lebenseinstellung“

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Jakob Reiter auf der Manageers-Konferenz 2015. © Manageers
Jakob Reiter auf der Manageers-Konferenz 2015. © Manageers

Wenn sich Jakob Reiter mit 3 Worten beschreiben müsste, dann würde er sagen: Entrepreneur, Nerd und Coach. Entrepreneur weil er die Leidenschaft hat Sachen zu erfinden, zu bauen und umzusetzen. Nerd weil er eine Liebe zur Informationstechnologie und zum Programmieren hat. Coach weil es für Jakob essenziell ist Menschen zu helfen und sie weiterzubringen.

SIMPLEWISH ist ein Online Service der es Menschen erlaubt kinderleicht und in wenigen Minuten Online-Gruppengeschenke zu organisieren. Außerdem wird Firmen ein B2B-Service zur Verfügung gestellt, mit dem sie sich selbst Crowdfunding und Group-Payment-Funktionalität auf die eigene Plattform holen kann. Das bekannteste Beispiel ist dabei Austrian Airlines mit #FlyMeTo (mehr dazu gibt es hier).

Welche Leidenschaft treibt dich an?

Jakob Reiter: Mich treibt ganz stark an, Menschen helfen zu können. Ich glaube, es gibt fast kein besseres Gefühl als zu erleben, dass du im Leben eines anderen einen maßgeblichen positiven Einfluss gemacht hast. Das Schöne ist dabei, dass Programmieren und IT da einen wunderbaren Hebel zur Verfügung stellen, um schnell und viel zu verbessern.

Wann hast du die Leidenschaft für „Simplewish“ entdeckt?

Eigentlich von der ersten Sekunde an! Als mir das Projekt das erste Mal gepitcht wurde, wusste ich sofort: Das ist geil! Ich wusste auch, dass es viel viel Arbeit wird, aber das war mir eigentlich komplett egal. Bei den richtigen Leidenschaftsprojekten weiß man es eigentlich immer sofort.

Hat es einen bestimmten Auslöser für diese Initiative gegeben?

Alles begann, als Valentin Aschermann seinen Studienabschluss feierte. 50 seiner über Facebook eingeladenen Gäste brachten ihm 23 Flaschen Wein mit. 23! Am nächsten Tag errechnete er sich überschlagsmäßig, dass er sich mit diesem Geld leicht eine neue Kamera zulegen hätte können. Die Idee zu Simplewish war geboren.

Welchen Stellenwert nimmt das Themenfeld Entrepreneurship bei dir ein?

Für mich ist Entrepreneurship kein Themenfeld. Es ist viel mehr als das. Es ist mehr eine Lebenseinstellung. Eine die sagt: Da gibt es ein Problem, lasst uns ein Team aufstellen und das lösen. Das hat erstmal nix mit Geld verdienen zu tun, sondern mehr mit Problem lösen.

Bist du ein neugieriger Mensch? Wenn ja, wie zeigt sich das konkret?

Ich wollte immer schon wissen, wo Sachen herkommen und wie sie funktionieren. Da hat natürlich der naturwissenschaftliche Hintergrund meiner Eltern voll gepasst. Konkret zeigt sich das eigentlich immer dann, wenn ich etwas verstehen will. Dann werde ich neugierig, frage nach, solange bis ich es verstanden haben.

Warum funktioniert Simplewish gerade jetzt so gut? Hast du dafür eine Erklärung?

Ich glaube, wir waren mit unserem Produkt zu früh dran. Crowdfunding ist für viele meiner Freunde (meist early-adapters) inzwischen selbstverständlich und logisch. Für viele Leute da draußen ist es aber neu und unbekannt. Als Start-up hier „Erziehung“ der User zu leisten, dass ist extrem schwer und brauch viele Ressourcen. Zusammen mit einem bekannten und starken Partner wie Austrian Airlines geht es da schon viel leichter.

Und warum ist es dann genau dieses Projekt geworden?

Es ist einfach super schön, Menschen zu helfen, bessere Geschenke zu machen. Was aber Simplewish so einzigartig macht, ist eine einmalige Kombination an Faktoren: Wir bieten dem Kunden einen (kostenlosen) Service – ohne Werbung, ohne Rechnung – einfach ein richtig guter Gratis-Service. Der Händler oder Partner bekommt neue Kunden zu stark reduzierten Customer Acquisition Costs, und wir bekommen eine Gewinnbeteiligung von allem was über die Plattform des Händlers geht. Eine echte Win-Win-Win-Situation – sowas ist sehr selten.

Was würde der Welt abgehen, wenn es euch nicht geben würde?

Wir hätten viel mehr nutzlose Geschenke und weniger Freude geben (lacht).

Was treibt dich an, immer wieder neue Projekte zu starten?

Der Wille diese Welt zum Besseren zu verändern. Jedes Projekt, das ich mache, versucht da ein wenig in diese Richtung mitzuwirken – manche mehr, manche weniger … aber am Anfang steht meist die Idee: Lass uns das doch besser machen.

Wo findest du den Raum, um deine Leidenschaft ausleben zu können?

Ich habe das ganz große Glück, dass mein „Beruf“ meine „Berufung“ ist. Das ist extrem erfüllend, weil ich tagtäglich an dem arbeiten kann, was meine Leidenschaft ist. Natürlich ist nicht alles immer zu 100 Prozent perfekt, aber das ist auch gut so. Meine Eltern sagten immer: Es gibt einen Unterschied zwischen Spaß und Freude. Arbeit kann daher manchmal keinen Spaß machen, aber Freude sollte es immer bereiten.

Worauf verzichtest du, um deine Leidenschaft ausleben zu können?

Eine Leidenschaft ist immer eine Erlösung und ein Dämon zugleich. Daher kommen natürlich viele Dinge auch bei mir zu kurz. Freunde, für die ich zu wenig Zeit habe, Events, auf die ich nicht gehen kann, weil ich auf Konferenzen oder Business-Meetings bin, manchmal sogar Beziehungen, die den Lebensstil einfach nicht standhalten oder daran zugrunde gehen. Sowas tut dann sehr weh und man versucht, daraus zu lernen, um beim nächsten Mal eine bessere Balance zu halten. Langsam (sehr langsam) gelingt mir das aber ganz gut. Ich versuche aber den Verzicht so klein wie möglich zu halten, denn wenn man auf was aktiv verzichten muss, dann ist das keine gesunde Sache auf lange Sicht.

Was ist eigentlich das Schönste bei deiner Arbeit?

Das es keine Arbeit ist – zumindest empfinde ich es nicht so. In den meisten Fällen würde ich auch ohne Gehalt, in meiner „Freizeit“ weiter an den gleichen Dingen werken wie vorher. Meist sitze ich daher auch nach der Arbeit noch herum werke weiter, spiele mich mit Dingen oder versuche Neues zu erlernen, Sachen anders zu machen.

Wer sind deine wichtigsten und stärksten Unterstützer?

Ganz oben steht meine Familie. Ohne sie wäre vieles einfach unmöglich, und die Unterstützung, die ich bekomme, ist einfach legendär. Ganz oben stehen auch – und das hört sich jetzt cheesy an – meine Mitgründer. Ich habe das große Glück, mit echt tollen Leuten zu arbeiten. Leute die pushen, unterstützen und immer da sind, wenn man was braucht.

Wohin wird dich deine Arbeit noch bringen? Gibt es noch geheime Projekte?

Ja klar: Weltherrschaft (lacht). Abgesehen davon glaube ich, dass wenn ich eines Tages zurückblicke und sagen kann: „Ich hab mein möglichstes getan, um die Welt besser zu machen und Spaß hab ich auch dabei gehabt.“ Dann glaube ich hat es sich ausgezahlt. Welche Projekte das dann sein werden, dass wird sich noch herausstellen.

Wie gelingt es dir, Menschen für deine Leidenschaft zu begeistern?

Ich glaube, viele Menschen in meinem Umfeld spüren einfach, wie sehr ich für meine Projekte brenne und dieses Feuer ist einfach teilweise ansteckend.

Was sagen deine Freunde, dein Umfeld, deine Familie zu diesem Engagement?

Also meine Freunde ermutigen mich eigentlich immer sehr. Die Familie steht da auch stark dahinter, wobei sie natürlich immer versucht auch zu bremsen, damit ich mich nicht übernehme. Das ist eine sehr wichtige Funktion. Das Problem ist immer mit Leuten die ich neu kennen lerne. Die sind dann manchmal recht eingeschüchtert und man hört viel wie: “Ja das könnte ich ja nie machen ….” oder „Wann schläfst du eigentlich?“ … das Lustige ist dabei, dass diese Leute es oft selbst einfach noch nie für sich selbst ausprobiert haben.

Hast du Tipps für unsere LeserInnen?

Get out of your chair, sofa or office and go out! You do not grow on a secure path. All of us should conquer something in life. It needs a lot of work, it needs a lot of risk. To grow and improve you need to be there at the edge of uncertainty.“ (Francis Mallmanm)

Das kann ich nur zu 100 Prozent bestätigen. Also geht hinaus und wagt euch an den Rand der Unsicherheit! Nur dort wächst man! Es ist es echt wert!

Hast Du einen Wunsch?

Ich würde mir wünschen, dass Leute wieder mehr beginnen auf sich selbst zu hören. Ist das gut was ich mache? Geht das mit meinen Werten einher? Möchte ich so in Erinnerung bleiben? Ich glaube, dann hätten wir ganz plötzlich viele Probleme in der Welt nicht mehr.

Way to Passion“ ist ein Projekt von Reinhard Herok und Thomas Peham. Ihr Ziel ist es, mit Interviews aufzuzeigen, wie leidenschaftliche Menschen einen Beitrag für eine bessere Welt leisten können. „Way to Passion“ stellt TrendingTopics.at ausgewählte Inhalte zur Zweitveröffentlichung zur Verfügung, vielen Dank dafür!

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