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Shared Mobility: Das Schlüsselwort für die Zukunft lautet „multimodal“

© Photo by Jake Holloway on Unsplash
© Photo by Jake Holloway on Unsplash

Es ist sicher noch ein langer Weg, aber er wird begangen. Während in Wien schon die große Kritikwelle losbricht, weil die Stadtregierung vier Pop-up-Radwege eröffnet hat, widmen sich Unternehmen auf der ganzen Welt der großen Frage, wie man das Auto vor allem in urbanen Gegenden loswerden kann. Immer mehr kristallisiert sich dabei heraus: Es ist nicht das Fahrrad ODER elektrische Zweiräder ODER die Öffis ODER Carsharing – es muss UND heißen. Der Schlüssel dazu: Multimodalität, gepaart mit intelligenten Abomodellen.

Wer sich die Entwicklungen im Mobility-Sektor in den letzten Monaten angesehen hat, der wird verstehen: multimodale Angebote sind überall auf dem Vormarsch. Ein paar Beispiele gefällig? Gerne.

Das Zusammenwachsen verschiedener Angebote

1. Tier Mobility

Ins Rennen um den wachsenden Markt für E-Scooter gestartet, ist das Berliner Startup Tier Mobility kein reiner E-Scooter-Anbieter mehr. Durch den Zukauf der E-Moped-Flotte der gescheiterten Bosch-Tochter Coup wird es künftig in immer mehr Städten auch Elektroroller in den Apps von Tier zu mieten geben.

„Der Grund für diesen Schritt besteht darin, den Städten umfassende Mobilitätslösungen anbieten zu können, die zu einem echten Übergang und einer Drehscheibe im Stadtverkehr beitragen. Solche multimodalen und umweltfreundlichen Lösungen werden dazu beitragen, den innerstädtischen Autoverkehr zu reduzieren und die tatsächlichen Mobilitätsbedürfnisse der Menschen zu befriedigen“, heißt es seitens Tier Mobility. Bedeutet auch: Alleine mit den geliebt-gehassten E-Scootern wird man den Kampf gegen das Verbrennerauto in der Stadt nicht gewinnen – mit einem multimodalen Angebot aber schon.

2. Uber & Lime

Der umstrittene Fahrtenvermittler Uber ist dafür bekannt, das Taxigeschäft mit Mietwagen zu ruinieren. Doch beim Transport von A nach B via Auto soll es nicht bleiben. Wie berichtet ist es dem gebeutelten Unternehmen viele Millionen Dollar wert, um seinen Anteil am E-Scooter-Anbieter Lime zu erhöhen. So kann man sich die Möglichkeit sichern, in der App nicht nur Taxifahrten, sondern auch Fahrräder und E-Scooter anzubieten.

Das Verstörende an dem Uber-Lime-Deal: Der umfasst auch das Fahrrad-Sharing-Angebot von Jump, das Uber zukaufte und nun an Lime weitergibt. Weil ältere Fahrradmodelle nicht mehr gebraucht werden, werden sie einfach verschrottet. Das wiederum nutzte Tier Mobility für eine clevere Marketing-Aktion: Man wolle diese Fahrräder im Sinne der Nachhaltigkeit vor dem Verschrotten bewahren.

3. Free Now & Voi

Ein weiteres europäisches Beispiel: Free Now ist der Uber-Konkurrent des Joint Ventures von BMW und Daimler und war früher besser als myTaxi bekannt. Nun hat das deutsche Unternehmen eine Partnerschaft mit dem E-Scooter-Anbieter Voi aus Schweden begonnen: In Hamburg kann man die roten Voi-Roller über die Free Now-App buchen, weitere deutsche Städte sollen bald dazu kommen. Bekannterweise hat Free Now mit Share Now auch noch eine Schwesterfirma, die im Carsharing tätig ist.

„Damit können wir unseren Kunden ein noch breiteres Spektrum an Mobilitätsoptionen anbieten, um sich im urbanen Raum einfach und unkompliziert fortzubewegen. Unser Ziel ist es, Mobilität mit verschiedenen Auswahlmöglichkeiten für jeden, in jeder Lebenssituation verfügbar zu machen“, heißt es dazu seitens Alexander Mönch, General Manager von Free Now Deutschland & Österreich.

4. ÖBB & Deutsche Bahn

Die Österreichischen Bundesbahnen als auch die Deutsche Bahn haben schon länger Carsharing an das Buchen von Bahn-Tickets angeschlossen. Bei der ÖBB bekommt man mit „Rail&Drive“ ein Angebot, an großen Bahnhöfen ein Mietauto nehmen zu können, bei der Deutschen Bahn heißt ein ähnliches Angebot Flinkster.

Buchung und Pricing wird essenziell

Die Mobilitätsbranche steckt derzeit also in der Phase des Zusammenwachsens. Vormals eigenständige Angebote (Fahrrad, Roller, E-Scooter, Auto, Öffis) werden nach und nach zusammen geschlossen und miteinander verzahnt. Nun stellt sich immer mehr die Frage nach einem gemeinsamen Preis und einer intelligenten Buchung.

Denn im Optimalfall sieht eine Reise folgendermaßen aus: Man sagt der App nur mehr, wann man wo ankommen möchte, und der Rest wird automatisch gebucht: Das Taxi zum Bahnhof, die Zugfahrt, das Mietauto am Zielort und bei bedarf noch den E-Scooter für die bequeme Stadterkundung.

Heute müssen sich Konsumenten all das noch selbst zusammenstellen, oft noch in verschiedenen Apps bzw. auf verschiedenen Webseiten mit unterschiedlichen Accounts und unterschiedlichen Tarifen und Zahlungsmodalitäten. Doch mit weitreichenden „Mobility as a Service“-Modellen (MaaS) und zugehörigen Abopreisen soll das anders werden. Auch hier gibt es bereits einige Beispiele:

1. Whim (MaaS Global)

Mit der Mobilitäts-App Whim des finnischen Unternehmens MaaS Global gibt es auch in Wien eine App, die Buchungen für die Wiener Linien, E-Scooter von Tier, Taxi 31300 und den Autovermieter Hertz bündelt. Noch gibt es für Wien keinen Abopreis, aber in Helsinki etwa bekommt man für 500 Euro im Monat das gesamte Angebot zur Flatrate.

2. wegfinder (iMobility GmbH der ÖBB)

Die 100-Prozent-Tochter der ÖBB iMobility GmbH bietet eine App an, in der man mit einem Account Tickets für alle Öffis kaufen Autos, Fahrräder und E-Scooter oder reservieren oder buchen kann. Daus Kaufen und Mieten basiert auch einer zuvor erstellten Routenplanung.

3. WienMobil (Upstream Mobility)

Upstream, eine Tochter der Wiener Linien und Wiener Stadtwerke, hat mit WienMobil eine App entwickelt, mit der man nicht nur Tickets für die Wiener Öffis buchen kann, sondern in der man auch eine ganze Bandbreite an anderen Mobilitätsserivces (von Taxis über Carsharing bis hin zu E-Scootern) findet.

Spannend wird nun, ob es beim punktuellen Buchen verschiedener Mobiltätsangebote bleiben wird oder sich Abonnements durchsetzen werden. Hier ist noch offen, wie viel Menschen gewillt sind zu bezahlen. Ein erster Schritt für eine breitere Akzeptanz könnte das von der österreichischen Regierung geplante 1-2-3-Ticket sein, mit dem man ab 2021 eine Jahreskarte für alle Öffis im Land kaufen können soll.

1-2-3-Ticket: Was über das österreichweite Öffi-Ticket bereits bekannt ist

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