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Sensolligent: Klagenfurter Startup erstellt digitale Zwillinge von Fabriken

Eien Simulation von Sensolligent. © Sensolligent
Eien Simulation von Sensolligent. © Sensolligent

Industrielle Fertigungsstraßen mit realen Sensordaten zu simulieren, um so digitale Zwillinge von ganzen Fabriken zu erstellen: Seit Michael Gruber 2014 seine Bachelorarbeit über die Spiele-Engine Unity geschrieben hatte, lies ihn diese Vision nicht mehr los. Am 1. Februar 2018 gründet Gruber nun Sensolligent. So lässt er heute seinen Traum, gemeinsam mit einem zugkräftigen Industriepartner, wahr werden.

Produktionsprozesse zu optimieren, ohne die laufenden Maschinen zu stören, Probleme zu erkennen, bevor sie auftreten, Bruchkanten zu sehen, bevor sie bersten: Die Argumente für die Simulationen des Klagenfurter Startups Sensolligent überzeugten seinen ersten Kunden – die weltweit operierende Springer Maschinenfabrik – schnell. „Schon einen Tag nach unserem Pitch, bekamen wir das Angebot für weitere Zusammenarbeit“, erzählt Sensolligent-Gründer Michael Gruber.

Springer hält Fünftel von Sensolligent

Und so wurde am 1. Februar mit einer Springer-Beteiligung von 20% gegründet. Gruber selbst hält 70 Prozent, den Rest bekamen Mitarbeiter und Vertraute Grubers zugesprochen. „Meine heutigen Angestellten haben mich lange Zeit begleitet, ohne dass ich sie bezahlen konnte!“ Gruber ist stolz auf sein Core-Team, bestehend aus Stefano Probst, Martin Hrast, Ferdinand Köppen.

Sensolligent erwuchs aus dem Ökosystem des Klagenfurter Lakeside Science & Technology Park. „Durch das UIG Programm und den Kärtner Wirtschaftsdfond war ich persönlich finanziell abgesichert. So konnte ich mich auf die Arbeit konzentrieren“, erklärt Gruber. Sensolligent wurde außerdem von den Klagenfurter Lakeside Labs und dem build! gefördert. „Den wirklichen Startschuss hat mir dann das I.E.C.T. mit der Summer School im August 2017 gegeben. Was ich dort gelernt habe, begleitet mich heute noch.“

Erstes Kundengespräch – Volltreffer

Nach der Summer School ging es für Gruber und Sensolligent schnell: „Bei meinem allerersten Kundengespräch muss ich schon einen ziemlichen Eindruck gemacht haben. Wir haben offene Türen eingerannt.“ Nach zwei Wochen kam die Auftragserteilung für einen Prototypen. Nach zwei Monaten, im November 2017, wurde er fertiggestellt.

Die von Sensolligent entwickelte Software mit gleichem Namen, stellt „digitale Zwillinge“, wie sie Gruber nennt, her, um Fertigungsstraßen realistisch abbilden zu können. So kann deren Funktion überprüft werden. Probleme können gefunden und behoben werden, für die Sales-Teams der Maschinenbauer entstehen Baukastensysteme zum Zusammenstellen neuer Produktionsketten.

Simulation besonders nahe an der Realität

Was Kunden von Sensolligent bekommen, sind Klone ihrer Fabrik im virtuellen Raum, die alle Arbeitsschritte wie ihr realer Konterpart durchführen. „Die Möglichkeiten sind deshalb so weitreichend, weil unsere Simulationen so nah an der Realität sind.“ Sensolligent arbeitet dabei auch mit realen Messdaten bestehender Maschinen.

„Ab März werden wir unseren Fokus auf die Metallindustrie ausweiten – dazu gibt es schon konkrete Pläne“, so Gruber.

Unternehmenskultur: Heilmassagen und Forschung

Heute besteht Sensolligent aus fünf Mitarbeitern, Ende des Jahres sollen es 14 sein und Ende 2019 sogar 26. Soweit so konkret. Aber Michael Gruber möchte sein Unternehmen „abseits österreichischer Muster“ führen. Deshalb bietet er von Anfang an „eine um etwa 30 Prozent höhere Entlohnung als der Kollektivvertrag“, flexible Wochenstunden, flache Strukturen und zweiwöchige Heilmassagen für alle.

„Ganz wichtig ist mir auch, die wissenschaftliche Arbeit unserer Mitarbeiter zu fördern.“ Gruber bezahlt Reisekosten und Konferenzgebühren, um den Forscher-Geist seines Teams zu erhalten und unterstützt Bachelor- und Diplom-Projekte.

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