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Heart Regeneration Technologies

Selbstheilung des Herzens: Tiroler Startup will „großen Traum der Medizin“ erfüllen

Dieses Gerät soll die Heilung des Herzmuskels ermöglichen. © Heart Regeneration Technologies
Dieses Gerät soll die Heilung des Herzmuskels ermöglichen. © Heart Regeneration Technologies

„Das Herz zu regenerieren ist ein großer Traum der Medizin, der sich bis heute nicht hat verwirklichen lassen“, sagt Johannes Holfeld, der Herzchirurg an der Universitätsklinik Innsbruck ist. Vor zwei Jahren hat er gemeinsam mit seinem Chef und Doktor-Vater, Michael Grimm und dem Physiker Christian Dorfmüller das Startup Heart Regeneration Technologies gegründet, das diesen Traum erfüllen will. Mit Stoßwellen kann die körpereigene Wundheilung angeregt werden und Holfelds Team ist es gelungen, diese anerkannte und erprobte Methode auf das menschliche Herz anzuwenden.

„Fantastisch“, aber schwer zu durchschauen

Die Stoßwellentherapie wird bereits seit Jahrzehnten erfolgreich bei der Regeneration von Knochen und in der Wundheilung eingesetzt. „Die fantastische Wirkung kennt man schon lange, wusste aber nicht, wie sie exakt funktioniert“, sagt Holfeld im Gespräch mit Trending Topics. In jahrelanger Forschung ist ein Team an der Medizinischen Universität Innsbruck der Wirkung auf die Schliche gekommen. Vereinfacht gesagt, wird bei der Stoßwellentherapie einer Zelle vorgegaukelt, die Nachbarzelle sei verletzt, um so einen natürlichen Regenerationsprozess auszulösen. Bei einem Herzinfarkt wird wie bei einer Wunde Gewebe beschädigt. Das hat Holfeld bereits als Student darauf gebracht, die Stoßwellentherapie auf das Herz anzuwenden.

Keine Nebenwirkungen wie andere Ansätze

„Das Schöne ist, dass wir einen Regenerationsmechanismus, den der Körper in sich trägt, stimulieren. Wir führen dem Körper von außen nichts zu und haben deshalb keine relevanten Nebenwirkungen wie andere Therapieansätze“, erklärt der Herzchirurg. Seit Jahrzehnten wird versucht, Herzmuskelzellen über Stammzellen- oder Gen-Therapie wachsen zu lassen. Über Tierversuche ist man bisher aber kaum hinaus gekommen, weil umfassende Studien an Menschen zu gefährlich wären: „Zellen, die man injiziert können entarten und bei der Veränderung von Genen weiß man nicht genau, was das alles auslösen könnte. Das ist gefährlich und auch ethisch umstritten“.

Patent für Mini-Schallkopf

Die größte Herausforderung für Heart Regeneration Technologies war die technische Umsetzung. Stoßwellentherapie-Geräte waren zu groß für einen Einsatz am offenen Herzen. Dem Startup ist es gelungen, den Schallkopf auf die Größe eines kleineren Handys zu bringen und sterilisierbar zu machen. Bei einer Operation kann der Kopf auf das Herz aufgesetzt und rundherum bewegt werden – die Behandlung wird einmalig durchgeführt und dauert etwa eine Viertelstunde. „Für diese Schallkopf-Technologie haben wir ein Patent angemeldet und konnten dann ein Unternehmen gründen“, so Holfeld. Die technische Zulassung ist abgeschlossen, jetzt muss das Startup noch alle notwendigen medizinischen Daten für die Zulassung liefern.

Marktstart in zwei Jahren möglich

Den sogenannten „Safety & Feasibility Test“ hat das Jungunternehmen bereits erfolgreich absolviert: an zehn Patienten wurde nachgewiesen, dass die Therapie nicht gefährlich ist. In einer zweiten Stufe geht es dann darum, an mehreren Menschen eine Wirksamkeit nachzuweisen. „Damit beginnen wir im Oktober in einer klinischen Studie mit 100 Patienten“, sagt Holfeld. In zwei Jahren könnte der „Traum der Medizin“ dann wahr werden und das Marktpotenzial ist riesig, wenn man dem Co-Founder glaubt.

Jährlich werden in Europa 200.000 Bypass-Operationen durchgeführt. Sie alle könnten durch die wesentlich günstigere und einfachere Stoßwellentherapie ersetzt werden. Für jede Operation ist ein neuer Schallkopf notwendig, da dieser ja steril sein muss. Ein Schallkopf wird preislich etwa bei 3.500 Euro liegen – Heart Regeneration Technologies rechnet also mit einem Millionengeschäft.

Firmenbewertung von fünf Millionen Euro

Das hat auch bereits bei der Gründung des Unternehmens einen potenten Investor angelockt. Der Südtiroler Unternehmer Harald Oberrauch hat eigens dafür die Tyrolean Business Angel GmbH gegründet. Mit einer Beteiligung von rund 11,2 Prozent hat er die Firmenbewertung von Heart Regeneration Technologies auf fünf Millionen Euro gehoben. Oberrauch hat in Südtirol zwei erfolgreiche Unternehmen, einen Automobilzulieferer und einen Hersteller von Industriedruckern und wollte laut Holfeld ein weiteres Standbein haben, das nicht so konjunkturabhängig ist. Kennengelernt hat er die Tiroler Herzchirurgen bei einem Businessplan-Wettbewerb in Innsbruck.

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