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Interview

Segnalita Ventures: Markus Langes-Swarovski investiert in nachhaltiges Digital Business

Bernhard Letzner von Segnalita. © Segnalita
Bernhard Letzner von Segnalita. © Segnalita

2016 begann Markus Langes-Swarovski mit seiner, von der Unternehmensgruppe Swarovski unabhängigen, Beteiligungsgesellschaft in Startups aus dem Technologie-Bereich zu investieren. Heute hat Segnalita Ventures mit Managing Director Bernhard Letzner ein kleines, aber scharf fokussiertes Portfolio. Warum der Segnalita oft, aber nicht unbedingt lieber, die Lead-Investoren-Rolle zufällt und wie wichtig die Nähe zum Startup ist – darüber haben wir mit Bernhard Letzner gesprochen.

Trending Topics: Mit der Gründung von Segnalita Ventures habt ihr Ende 2016 die österreichische Investorenlandschaft um einen Player erweitert. Was ist eure Mission – der Grund warum es Segnalita gibt?

Bernhard Letzner: Unseren Antrieb definieren wir ganz klar. Wir wollen einen aktiven Beitrag zur Schaffung und Entwicklung nachhaltiger unternehmerischer Werte leisten. Die Grundlage bilden stets kraftvolle Ideen und vor allem leidenschaftliche Gründer, mit denen wir gemeinsam in enger Zusammenarbeit skalierbare Geschäftsmodelle entwickeln. Unser Fokus liegt auf der Förderung von nachhaltigem Unternehmertum anstatt schnellen Exits.

Wie definiert ihr, eineinhalb Jahre nach der Gründung, euren Investmentfokus?

Mit einer gewissen Lernkurve sind wir heute stark auf digitale Geschäftsmodelle fokussiert. Unsere Startups arbeiten vorwiegend auf der Grundlage von B2B-Geschäftsmodellen, hauptsächlich im industriellen Bereich. Hier fühlen wir uns wohl, vor allem weil wir mit unseren Partnern sehr gut aufgestellt sind und unser Netzwerk schnell und unkompliziert einsetzen können. Wichtig ist uns vor allem auch, dass wir von einer sehr frühen Phase an gut unterstützen können.

Wir sehen uns weniger als reiner Finanzinvestor, sondern ganz klar als aktiver Begleiter und Partner von Startups. Grundsätzlich verfolgen wir daher einen bewusst selektiven und fokussierten Ansatz bei der Auswahl von Beteiligungen. Wir schließen aber prinzipiell kein Thema aus. Es liegen auch zum Beispiel im Health-Bereich interessante Potentiale!

Startups sind in den Phasen ihrer Entwicklung mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Welche Stage bevorzugt ihr bei euren Investments?

Wir haben den Anspruch, aktiven Beitrag zu leisten und interne und externe Ressourcen effizient und effektiv einzusetzen. Um in diesem Sinne unseren bestmöglichen Beitrag zum Aufbau und zur Entwicklung eines Unternehmens leisten zu können, wollen wir uns so früh wie möglich aktiv beteiligen und eine Kooperation von unternehmerischer Qualität auf einer stabilen Basis aufbauen. Geschäftsmodelle, die im deutschsprachigen oder europäischen Raum starten, entwickeln sich oft schnell zum internationalen Roll-Out. Segnalita will vor allem auch in dieser Phase bereit stehen um Startups gemeinsam mit unseren Netzwerkpartnern aktiv zu begleiten.

Das klingt als wärt ihr daran interessiert, sehr eng mit euren Startups zusammen zu arbeiten. Ist eure Lieblingsrolle die des Lead-Investors?

Unseren wichtigsten Input sehen wir nicht nur als reines finanzielles Investment. Wir möchten die Idee verstehen und gemeinsam mit Gründern an Geschäftsmodellen arbeiten. Einen wertvollen unternehmerischen Beitrag glauben wir mit unserer Erfahrung – der von Markus Langes-Swarovski und mir – leisten zu können. Das Arbeiten mit Gründern auf Augenhöhe ist schon meist mit einer Lead-Investoren-Rolle verbunden, aber nicht zwangsläufig. Auch mit Co-Investments haben wir gute Erfahrungen gemacht. Für größere oder Anschluss-Finanzierungen arbeiten wir mit anderen Investoren sowohl horizontal als auch vertikal eng zusammen um Wachstum, beispielsweise auch bei globalen Roll-Outs, zu ermöglichen. Wichtig ist uns vor allem eine schlanke Beteiligungsstruktur, ein „leaner Cap-Table“, wie man so schön sagt. Wer dann schlussendlich die Führung übernimmt, ist oft nicht entscheidend.

Ein sehr gutes Beispiel für diese Herangehensweise ist das Startup Toolsense, welches IOT mit Werkzeug-Insights verbindet. Hier sind wir relativ früh eingestiegen. Ein, uns nahestehender, Investor – die Martin Global AG – war bereits beteiligt. Heute machen wir das gemeinsam und sehr partnerschaftlich und haben die Situation, dass wir als zwei Investoren beide im Lead sind. Bei Toolsense bauen wir auf einem tollen interdisziplinären Team auf, mit dem wir regelmäßig die Fortschritte diskutieren.

Zwischen aktiver Unterstützung und Dauer-Reporting – wo liegt für dich die Wahrheit und die ideale Kooperationsweise zwischen Investor und Startup?

Ich glaube nicht, dass es da eine klare Grenze gibt. Uns ist wichtig, dass wir gemeinsam den Fokus auf dem maximalen aktiven Beitrag zur Entwicklung des Unternehmens lenken. Die Grundlage hierfür ist ein gutes und respektvolles Zusammenarbeiten, bei dem für alle Beteiligten ein Mehrwert entsteht. Natürlich gibt es Finanzkennzahlen, die wir monatlich bekommen. Das ist aber ein sehr schlankes Reporting. Der Rest wird im Sparring miteinander gemeinsam geregelt. Hier schließt sich auch der Kreis zu dem, was uns eigentlich antreibt und was wir als die Mission von Segnalita sehen – in einem schnelllebigen Umfeld nachhaltige Unternehmenswerte aufzubauen, die über finanzielle Quick-Wins hinausgehen.

Markus Langes-Swarovski hat Segnalita Ventures gegründet. Wie ist eure Verbindung zu Swarovski?

Segnalita, als eigenständiges Unternehmen, steht im persönlichen Eigentum von Markus Langes-Swarovski, ja – aber zwischen Swarovski und Segnalita besteht eine klare Trennung, sowohl inhaltlich als auch organisatorisch. In der Öffentlichkeit werden wir vielleicht fälschlicherweise oft als Einheit von Swarovski wahrgenommen. Das entspricht aber nicht der Wahrheit. Als unabhängiges und eigenständiges Unternehmen arbeiten wir innerhalb unseres Netzwerkes mit zahlreichen Partnern zusammen.

Teil dieses Netzwerkes ist natürlich auch Swarovski und in diesem Sinne ist der Wert Der Unternehmensgruppe für uns auch sehr groß. Auf der anderen Seite beschäftigen wir uns mit Themen, wie etwa Industrie 4.0, die wiederum für Swarovski spannend sind – insofern ist diese Koexistenz für beide förderlich.

Was ist die Vision für Segnalita? Wohin wollt ihr euch in den nächsten Jahren entwickeln, auch was euer Portfolio betrifft?

Basierend auf unserem sehr klaren Investmentfokus und dem Anspruch intensiver und nachhaltiger Kooperation mit Startups, wollen wir auch in Zukunft möglichst nah an Projekten dran sein. Wir verfolgen daher den Aufbau eines kompakten Portfolios in den kommenden Jahren. Wir haben keine Zahl definiert, bei der Schluss ist, aber wir planen, ein selektives Portfolio langfristig aktiv zu begleiten. Außerdem sind wir grade dabei, ein Netzwerk für mögliche Anschluss-Finanzierungen aufzubauen –für Startup, bei denen es etwa im Zuge eines globalen Roll-outs um größere Finanzierungen geht.

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