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Scharfe Abfuhr für die 4-Tage-Woche von der Wirtschaftskammer

WKÖ-Präsident Harald Mahrer. © WKÖ/Marek Knopp
WKÖ-Präsident Harald Mahrer. © WKÖ/Marek Knopp

Sollte sich in Österreich jemand ernsthaft auf die Einführung einer 30/32-Stunden- bzw. einer Vier-Tage-Woche gefreut haben, der wird jetzt wohl enttäuscht sein. Denn im Vorfeld intensiver Gespräche der Sozialpartner (a.k.a. Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und Gewerkschaftsbund) hat die eine Seite heute unmissverständlich klar gemacht, was sie von der durch auch die SPÖ aufgebrachten Idee einer Verkürzung der Arbeitszeit als Reaktion auf die Wirtschaftskrise hält: nämlich nichts.

„Was wir nicht tun werden: Wir werden die Arbeitszeit nicht verkürzen, weil wir für sündteure Experimente keinen Spielraum haben“, sagt WKÖ-Präsident Harald Mahrer am Mittwoch vormittag im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema Arbeitsmarkt. „Das würde einen Verlust an Wertschöpfung und Wirtschaftsleistung bedeuten“, fügte WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf an. Betriebe würde das mehr kosten, gleichzeitig hätten sie weiter mit Fachkräftemangel zu kämpfen. Mahrer verwies auf die gleiche Diskussion in Deutschland, dort würden alle Experten gegen die Vier-Tage-Woche argumentieren.

Nicht nur Gegner

In Deutschland gibt es aber nicht nur Gegner der Idee. Die Gewerkschaft IG-Metall befürwortet die Vier-Tage-Woche, auch weil sie als Antwort auf die durch die Corona-Krise herbeigeführte Rezession gilt – vor allem in der wichtigen und gebeutelten Autoindustrie. Überraschenderweise hat sich Opel-Chef Michael Lohscheller kürzlich offen für den Vorstoß gezeigt. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält die Einführung einer Vier-Tage-Woche für machbar, aber nur bei einem Verzicht der Arbeitnehmer auf volles Gehalt. Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh wiederum schließt die 4-Tage-Woche aus.

In Österreich gibt es bisher nur wenige Unterstützer der 4-Tage-Woche. Einige Unternehmen haben wie berichtet aus eigenem Antrieb mit ihren Mitarbeitern eine Verkürzung der Arbeitszeit vereinbart und entsprechende Regeln eingeführt. Doch weit verbreitet hat sich das Konzept noch nicht – auch wenn immer wieder Vorteile wie zufriedenere Mitarbeiter, bessere Gesundheit und höhere Produktivität ins Treffen geführt werden. Die Meldung, dass Finnland die 4-Tage-Woche einführen wolle, hat sich als Fake News und Wunschtraum einiger Social-Media-Aktivisten herausgestellt.

Pendler sollen weiter fahren

Die Wirtschaftskammer setzt bei der Ankurbelung des Arbeitsmarktes auf andere Konzepte. So wolle man Aus- und Weiterbildung stärken und dafür eine Bildungsteilzeit für KMU und die Bildungskarenz plus schaffen. Ziel ist vor allem, dass Menschen sich mehr digitale Skills aneignen. Denn zwar gibt es in Österreich derzeit etwa 400.000 Arbeitslose (bis Dezember wird ein Anstieg Richtung 500.000 erwartet), doch auf der anderen Seite etwa 40 so genannte Mangelberufe – also offene Stellen, die Firmen schwer bis gar nicht besetzen können. So fehlen etwa 20.000 Personen im Software- und IT-Markt.

Und: Die Wirtschaftskammer will die Job-Mobilität in Österreich erhöhen und dafür sorgen, dass Menschen weiter pendeln können müssen als bisher bzw. Incentives bekommen, um für einen neuen Job auch umzuziehen. „Beim Pendeln als auch beim Umziehen, da geht mehr“, sagte Mahrer. Anreize wolle man etwa mit Beihilfen, Umzugsboni oder Mobilitätsprämien schaffen. Damit greift die WKÖ wohlweislich ein heikles Thema an, aber das gehöre eben diskutiert. In anderen Ländern seien Pendelzeiten von eineinhalb Stunden nicht unüblich. Man müsse auch hierzulande über neue „Zumutbarkeitsbestimmungen“ nachdenken.

Arbeitslosengeld vor Neugestaltung

Auch beim Arbeitslosengeld will die WKÖ Änderungen, wenn auch nicht sofort. Ins Spiel gebracht wird eine „degressive Gestaltung des Arbeitslosengelds“, die bedeutet, dass die Höhe des Arbeitslosengeldes mit der Länge der Bezugsdauer sinkt, z.B. in Drei-Monats-Sprüngen. Das würde den Anreiz für Betroffene erhöhen, sich schneller auf einen neuen Job einzulassen, anstatt Richtung Langzeitarbeitslosigkeit zu steuern. Ins Spiel gebracht hat die Idee Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) vor kurzem. Sofort wird eine solche degressive Gestaltung aber nicht kommen, geht es nach der WKÖ. „Jetzt wäre wohl die falsche Zeit dafür“, so Kopf.

4-Tage-Woche: Pro & Contra

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