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SAP: Warum Europas größter Software-Konzern wegen der Cloud strauchelt

SAP-Zentrale in Walldorf. © SAP
SAP-Zentrale in Walldorf. © SAP

Wann immer die weltweit größten IT-Unternehmen aufgezählt werden – wenn für Europa eine Firma in der Rangliste steht, dann ist das SAP. Der deutsche Software-Konzern ist das europäische Schwergewicht. Doch anders als Google, Apple und Co, die auch während der Corona-Krise florieren und weiter von der voran schreitenden Digitalisierung profitieren, schrillten bei SAP am Wochenende die Alarmglocken.

Denn die neuesten Quartalszahlen, die von SAP präsentiert wurden, beinhalteten auch einen Ausblick auf das Geschäft, der düstere Stimmung an den Aktienmärkten verbreitete. „Auch wenn weiterhin ein stabiles Interesse an den Digitalisierungslösungen der SAP besteht, da Kunden widerstandsfähiger und agiler aus der Krise hervorgehen möchten, wurde kürzlich in manchen Regionen das öffentliche und wirtschaftliche Leben erneut eingeschränkt, und die Belebung der Nachfrage fiel verhaltener aus als erwartet“, heißt es seitens des Unternehmens.

Generell zeigen die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal 2020 ein durchwachsenes Bild. Der Umsatz lag bei 6,54 Milliarden Euro, was einem Minus von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Das Geschäft aus Softwarelizenzen sank auf 0,71 Milliarden Euro, die Softwareerlöse fielen auch um zwei Prozent. Erlöse der Cloud wuchsen um elf Prozent auf 1,98 Milliarden Euro.

„Beschleunigter Umstieg in die Cloud“

Cloud-Erlöse, Software-Erlöse, Umsatz und Betriebsergebnis – die wichtigsten Kennzahlen wurden in der Prognose nach unten gesetzt, und gleichzeitig heißt es, dass zusätzliche Investitionen in den Jahren 2021 und 2022 erforderlich sind, um schneller auf das Cloud-Geschäft umsteigen zu können. „Als Folge des beschleunigten Umstiegs der SAP in die Cloud erwartet die SAP, dass die Software-Lizenzumsätze in den nächsten Jahren gegenüber dem Niveau von 2020 rückläufig sein werden.“

All das hat Börsianer schockiert. Der Aktienkurs von SAP ist nach der Ankündigung um satte 21 Prozent eingebrochen und hat Börsenwert von bis zu 38 Milliarden Euro mit einem Schlag ausradiert. Der Aktienkurs des deutschen Unternehmens mit etwa 100.000 Mitarbeitern hat seit dem Jahr 1999 keine so starken Schwankungen mehr erlebt. Nach wie vor ist SAP aber immer noch der wertvollste DAX-Konzern.

Wenn die Produktion stockt

„Wir waren uns bewusst, dass die Reaktion der Aktionäre so ausfallen könnte. Aber die Entscheidung, die Ambition zu korrigieren und uns noch stärker an den Bedürfnissen unserer Kunden auszurichten, war notwendig“, sagte SAP-Chef Christian Klein, seit April im Amt, in einem aktuellen Interview mit dem Handelsblatt. „Viele Unternehmen leiden unter der Krise, weil sie Lieferengpässe haben oder die Produktion stockt. All diese Prozesse werden mit SAP-Software betrieben – die Kunden wünschen nun, schneller in die Cloud zu kommen.“

Während also US-Konzerne wie Amazon und Microsoft seit vielen Jahren massiv in die Cloud investieren (zuletzt Microsoft mit einer Investition von einer Milliarde Euro in Österreich, Trending Topics berichtete), scheint bei SAP der Übergang vom Verkauf von Software-Lizenzen hinüber die Cloud erst durch die Corona-Krise wirklich beschleunigt. Diese Defizite aufzuholen, wird dem deutschen Vorzeige-Konzern teuer kommen.

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