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SAFE: Schnelle 50.000 Euro für ganz junge niederösterreichische Startups

Stefan Köppl (Investment Manager, tecnet equity), Doris Agneter (Geschäftsführerin, tecnet equity) und Camillo Pachmann (MLReef). © tecnet equity
Stefan Köppl (Investment Manager, tecnet equity), Doris Agneter (Geschäftsführerin, tecnet equity) und Camillo Pachmann (MLReef). © tecnet equity

Camillo Pachmann sitzt im niederösterreichischen Neidling, hinter ihm sieht man den Dunkelsteiner Wald druchs Fenster, und er hat heute Grund zur Freude. Denn sein Machine-Learning-Startup MLReef mit zehn verteilt arbeitenden Team-Mitgliedern ist die erste niederösterreichische Firma, die SAFE bekommen hat. SAFE steht für „Simple Agreement for Future Equity“ und bedeutet schnelle 50.000 Euro, die vom niederösterreichischen VC tecnet equity vergeben werden. Im Kern handelt es sich dabei um ein Wandeldarlehen, das später in Anteile an dem Startup umgewandelt werden.

„Wir sehen jetzt den richtigen Zeitpunkt, weil es gerade jetzt für viele Startups schwierig ist, eine erste Finanzierungsrunde zu machen und andere einen Push brauchen, sich wirklich zu trauen“, sagt Doris Agneter, Geschäftsführerin von tecnet equity, im Gespräch mit Trending Topics. Für SAFE stehen in einem ersten Schritt eine Million Euro zur Verfügung, mit denen also etwa 20 Startups bedacht werden können. Das Geld, so Agneter, könne theoretisch schon nach wenigen Tagen fließen.

VC-taugliches Geschäftsmodell und Team

Voraussetzungen gibt es dafür natürlich einige. Es muss bereits eine GmbH da sein, der Firmensitz muss in Niederösterreich liegen, „es sollte ein Geschäftsmodell da sein, dass für Venture Capital tauglich ist – und wir brauchen Gründer, die dahinter stehen und die voll dafür brennen“, sagt Agneter. Startups, die anfangs oft unter hohem Druck und mit sehr knappen Ressourcen arbeiten, könnten das Geld schnell bekommen, ohne gleich schwierige Themen wie Bewertung und Cap Table angehen zu müssen. „Es hilft, die schwierigen und teuren Themen beim Gründen nach hinten zu verlagern“, sagt Pachmann.

SAFE, in Österreich bisher eher eine Unbekannte, ist in anderen Ländern bereits gang und gäbe. „Erfunden“ wurde es vor etwa 7 Jahren vom renommierten Silicon-Valley-Inkubator Y Combinator, der damals ein Mittel suchte, um Geld schnell und unkompliziert Startups zur Verfügung stellen zu können. Nun kommt das Modell also nach Niederösterreich, und zwar in Gestalt eines etwa dreiseitigen Vertrags, den tecnet equity mit den Gründern schließt.

„Gutes Werkzeug, um die Seed-Runde vorzubereiten“

Wenn im späteren Verlauf eine Finanzierungsrunde stattfindet, dann wird das Wandeldarlehen in Anteile an der Firma gewandelt, und zwar in den ersten sechs Monaten zu der neuen Bewertung. Wird die Finanzierungsrunde später gemacht, dann erhält tecnet equity einen Discount – bekommt also etwas mehr Anteile als die 50.000 Euro wert wären. Und: „In die besten Startups wollen wir natürlich anschließend im Rahmen einer Seed-Runde deutlich mehr investieren“, sagt Agneter.

„Es ist ein gutes Werkzeug, um die Seed-Runde vorzubereiten“, sagt Pachmann. Auch für sein Startup bedeutet das: Mit den 50.000 Euro wird jetzt stark in die AI-Entwicklungs-Plattform investiert, damit diese für Investoren attraktiv wird. Anders als bei Förderungen muss man bei SAFE nicht minutiös dokumentieren, was man mit dem Geld macht – tecnet equity begleitet den Prozess aber und geht davon aus, dass damit in erster Linie Personal- und Entwicklungskosten gedeckt werden. Einen Porsche darf man sich nicht darum kaufen – aber das würde sich ohnehin nicht ausgehen.

 

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