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Reverse Mentoring: Zwei Power-Frauen drehen den Spieß um

Petra Hauser und Gerlinde Layr-Gizycki. © Hauser/Layr-Gizycki, Montage Trending Topics
Petra Hauser und Gerlinde Layr-Gizycki. © Hauser/Layr-Gizycki, Montage Trending Topics

Wer berät hier eigentlich wen? Die Unternehmerin Gerlinde Layr-Gizycki, die 2020 ihre eigene Firma namens Inamera gegründet hat, bringt mit so genanntem Reverse Mentoring ein neues Konzept nach Österreich, das Führungskräfte in die Geheimnisse der Generation Z einweihen soll. Mit Petra Hauser und dem Talent Garden in Wien hat sie auch gleich zum Start Partner gefunden, die das Programm mit ausbauen wollen

Trending Topics: Inamera setzt auf so genanntes „Digital Reverse Mentoring“. Was kann man sich darunter vorstellen?

Gerlinde Layr-Gizycki: Im Digital Reverse Mentoring haben sich ein Top Executive, ein Top Experte zum Ziel gesetzt, sich mit einem Digital Native aus einem digital-affinen Umfeld auszutauschen und zu vernetzen, um Digital-fit und Generationen-fit zu werden. Es geht darum, bei Top-Führungskräften emotionale Intelligenz, Chancenintelligenz und digitale Intelligenz zu fördern und ihr Verständnis für die nachkommenden Generationen im Unternehmen zu verbessern.

Was treibt die Millennials und die Generation Z wirklich an? Was ist ihnen wichtig? Was muss ich als Top Executive tun, um sie ans Unternehmen binden zu können? Was sollte ich als Unternehmensleiter aus der digitalen Welt wissen, um Innovation und Kreativität im Unternehmen vorantreiben zu können? Es geht um einen Austausch auf Augenhöhe mit jungen digitalen Talenten. Es geht um das Öffnen von Top-Executives gegenüber der jungen Generation und gegenseitiges Lernen voneinander. Es geht um das Schaffen einer Win-Win-Situation für Mentor und Mentee.

Petra Hauser: Wir bei Talent Garden setzen in unserer Arbeit – sei es in der Innovation School oder auch in unserem in Österreich neuen Unternehmensbereich “Corporate Transformation” – eigentlich täglich Reverse Mentoring ein, ohne es so zu nennen, denn die “Experten”, die wir für Envisioning Sessions mit der Führungsriege scouten oder die Trainer, die wir für unsere Masterclasses z.B. im Bereich der „New Ways of Working” einsetzen, sind Digital Natives.

Welche Top-Manager haben von dieser Methode bereits Gebrauch gemacht? Welche Branchen bieten sich dabei an?

Layr-Gizycki: Das Cross Mentoring Programm startet am 27. April 2021 und ist unternehmens- und branchenübergreifend – es ist so divers aufgebaut, dass es sich an alle Branchen richtet – Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Anwaltskanzleien, Versicherungen, Banken, Industrieunternehmen, Konsumgüterbereich, Handel, öffentlichkeitsnahe Organisationen, Interessensvertretungen, Telekommunikation, Immobilienunternehmen, etc.

Es richtet sich an High Potentials, die bereits erste Führungserfahrung haben und auf dem Weg  zum nächsten Karriereschritt sind, an ExpertInnen, die einen Sparring-Partner für die Weiterentwicklung ihrer Expertenkarriere suchen oder einen Wechsel in eine Führungskarriere planen sowie an Geschäftsleiter, Bereichsleiter und Top-Experten, die sich mit digital Natives zu den Themen digitale Skills und generationen-übergreifende Zusammenarbeit austauschen möchten.

Das Programm bietet sich unter anderem auch für börsennotierte Unternehmen und Familienunternehmen an, für die die Einhaltung von ESG-Kriterien verpflichtend ist bzw. die diese freiwillig und aus Überzeugung berücksichtigen. Die Förderung von Diversität im Management fällt unter die ESG-Kriterien genauso wie unter eine der Voraussetzungen für die Verleihung des equalitA Gütesiegels des BMDW.

Wer sind die Mentorinnen und Mentoren, die den Managern dann mit Rat und Tat zur Seite stehen? Anhand welcher Kriterien sucht ihr die Mentoren aus?

Layr-Gizycki: Unser Pool an MentorInnen ist sehr divers und setzt sich aus GeschäftsführerInnen und AufsichtsrätInnen, aus ehemals in Österreichs Regierung aktiven Persönlichkeiten, aus Vertretern von Universitäten und Fachhochschulen, aus Top Experten sowie aus Start up Gründern und Digital Natives zusammen. Unseren MentorInnen ist es ein Anliegen, ihr Erfahrungswissen weiterzugeben und unseren Mentees wertvolle fachliche und persönliche Hilfestellungen zu geben.

Cross Mentoring ist durch gegenseitiges Vertrauen und Wohlwollen geprägt und lebt vom sog. Beziehungslernen. Die Beziehung erfolgt freiwillig und alle Gespräche, die gemeinsam stattfinden, sind vertraulich. Cross Mentoring ermöglicht den Austausch von Wissen, wertvollen Managementerfahrungen und ermöglicht einen Perspektivenwechsel. Letzteres nicht nur für unsere Mentees, sondern auch für unsere MentorInnen. Es schärft den Blick für alternative Lösungsmodelle, erweitert den Horizont und sorgt für das Herangehen an neue Vorgehensweisen.

Im Idealfall trägt Cross Mentoring zum Aufbau einer lernenden Organisation maßgebend bei. Um bei uns MentorIn zu werden, sind die Freude an menschlicher Interaktion, ein offenes Mindset, die Bereitschaft sich auf Neues einzulassen und eigene Erfahrungen weiterzugeben, eine Grundvoraussetzung. Wenn Sie dann noch ein passionierter Netzwerker sind, sind Sie perfekt für das Mentoring-Programm.

Wie kann man sich eine Mentoring-Session in der Praxis vorstellen? Wie laufen sie ab, und wie wird dann evaluiert, was vermittelt und gelernt wurde?

Layr-Gizycki: Bereits im Laufe des Matchings von MentorIn und Mentee werden die Zielvorstellungen des Mentees in Abstimmung mit dessen Arbeitgeber erhoben. Der richtige Fit ist das A und O für eine erfolgreiche Mentoring-Beziehung. Unsere sogenannten Power Dialoge zwischen Mentee und MentorIn starten mit einem im Vorfeld erstellten Innovationsbarometer. Dieser analysiert die Innovationsfähigkeit und Kreativität des Mentees sowie den Einfluss seines beruflichen Umfelds darauf. Damit geben wir dem Tandem ein Tool an die Hand mit dem ab der ersten Stunde konkret an der angestrebten Weiterentwicklung des Mentees gearbeitet werden kann.

Mentee und MentorIn halten die Entwicklungsziele in einer zu Beginn des Programmes erstellten Mentoringvereinbarung fest. Aufgabe des Mentees ist es, aktiv mitzuarbeiten, gemeinsam vereinbarte Ziele umzusetzen, Bereitschaft zum Lernen und zur Diskussion zu haben und Eigenverantwortung zu zeigen. Der Mentee erstellt nach jedem Power Dialog ein sogenanntes Gedächtnisprotokoll mit den wichtigsten besprochenen Themen. Diese Protokolle werden zum Midterm und zum Abschluss ergänzt um ein Gespräch mit der Programmleitung zur Evaluierung des Programmfortschrittes herangezogen.

Welche Skills können Executives beim Reverse Mentoring lernen?

Layr-Gizycki: Beim Reverse Mentoring können sich Geschäftsleiter, Bereichsleiter und Top Experten mit digital Natives zu den Themen digitale Skills und generationenübergreifende Zusammenarbeit austauschen. In den dazugehörigen Workshops geht es um Themen wie Internet of Things, Prototyping, Customer Journey, Digitales Speed Boot, Growth Marketing,  Innovation und Kreativität, High Performing Teams, Agile Leadership und Neuroscience. Das Programm bietet sich unter anderem auch für börsennotierte Unternehmen und Familienunternehmen an, für die die Einhaltung von ESG Kriterien verpflichtend ist bzw. die diese freiwillig und aus Überzeugung berücksichtigen.

Hauser: Was wir hier aus unserer Arbeit anfügen können, ist das neue Mindset, das Executives durch die Arbeit mit digitalen Talenten erhalten. Das ist auch der Grund warum Talent Garden von Unternehmen wie Procter&Gamble, Roche oder SEW Eurodrive zur Begleitung umfassender Kulturwandel-Programme gewählt wird.

Gerlinde, deine Firma Inamera ist auf das Mentoring von Führungskräften spezialisiert. Welches Skillset ist in der Post-COVID-Ära von Nöten, um gut führen zu können?

Layr-Gizycki: Selbst aus der Wirtschaftsprüfung und dem Banking kommend und seit vielen Jahren als Führungskraft und Aufsichtsrätin tätig, weiß ich, wie wichtig es ist, über emotionale und digitale Kompetenzen zu verfügen und parallel dazu die Gabe zu haben, in Veränderungsprozessen Chancen zu sehen und diese zu nutzen. Gerade die emotionale Komponente und das richtige Gespür für ein nachhaltiges und vertrauensvolles Beziehungsmanagement sind im Kontakt mit Stakeholdern, Kunden, Lieferanten, und vor allem in der Mitarbeiterführung unabdingbar. Darüber hinaus ist die Bedeutung digitaler Neugier heute nicht mehr wegzudenken.

Die aktuelle Krise zeigt, dass sowohl die Erfolgsfaktoren für Unternehmen als auch die Karrieretreiber für Führungskräfte und ExpertInnen in den Bereichen Emotionaler Intelligenz, Digitaler Intelligenz und Chancen Intelligenz liegen. Unser Programm setzt den inhaltlichen Schwerpunkt genau auf diese drei Kernkompetenzen.

Petra, Talent Garden und Inamera haben jetzt eine Partnerschaft gestartet. Wie zahlt diese auf die Strategie von Talent Garden ein?

Hauser: In Österreich ist Talent Garden in der Innovations-Szene als Coworking-Netzwerk bekannt. Was viele nicht wissen: Der umsatzseitig grösste Tätigkeitsbereich von Talent Garden europaweit ist der Bereich “Corporate Transformation”. Damit ist die Begleitung von Unternehmen in Kulturwandel- und Innovationsprozessen gemeint, von “Envisioning” d.h. Entwicklung von Zukunftsszenarien im veränderten Marktumfeld über “Corporate Training” zu digitalen Skills und Fähigkeiten, Ideation z.B. in Form von Hackathons bis hin zu “Prototyping” was bei uns die tatsächliche Umsetzung von Ideen, meist angesiedelt in unseren Campussen bedeutet.

Diesen Bereich Corporate Transformation bauen wir in Österreich seit Anfang des Jahres auf. Und da passt die Kooperation mit Inamera natürlich genau hinein. Wir haben beide die Zielrichtung, Corporates und deren Executives zukunftsfit zu machen und wir als Talent Garden sehen es als tolle Möglichkeit an, im beeindruckenden Netzwerk von Inamera mit unseren Programmen in Österreich bekannter zu werden.

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