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150 Millionen Euro: Österreich spannt Corona-Rettungsschirm für Startups

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP), Klimaschutz- und Innovationsministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Business Angel Michael Altrichter. © BKA
Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP), Klimaschutz- und Innovationsministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Business Angel Michael Altrichter. © BKA

Vier Milliarden in Frankreich, zwei Milliarden in Deutschland – und etwa 150 Millionen Euro in Österreich. Die Bundesregierung hat heute, Donnerstagvormittag, ein Corona-Rettungspaket für österreichische Startups im Umfang von etwa 150 Millionen Euro vorgestellt. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) und Klimaschutz-und Innovationsministerin Leonore Gewessler (Grüne) präsentierten bei der Gelegenheit auch gleich den neuen Startup-beauftragten der Bundesregierung: Business Angel Michael Altrichter.

Etwa 17.500 Arbeitsplätze hängen an österreichischen Startups – dementsprechend wichtig ist die Hilfe für sie in der Corona-Krise. “Startups schaffen die Märkte von Morgen und sind ein dynamischer Faktor für den Wirtschaftsstandort”, so Schramböck. Startups bekommen von ihren Banken keine Kredite, machen noch keine Umsätze und sind deswegen auf Investorengelder angewiesen. Deswegen setzt man auf staatliche Zuschüsse und einen neuen Fonds. “Wir unterstützen Unternehmerinnen und Unternehmer, die das jetzt brauchen”, so Innovationsministerin Gewessler. “Unser Paket soll Mut machen. Viele Startups haben sich getraut, denen wollen wir jetzt Sicherheit geben. Investitionen in die Zukunft braucht jetzt Unterstützung.”

Staatliche Zuschüsse und private Investoren

Die 150 Millionen Euro sollen zum einen aus der öffentlichen Hand kommen und zum anderen aus der Privatwirtschaft, das durch einige Incentives mobilisiert werden soll. Um die Größenordnung zu verstehen: 150 Millionen Euro (so sie zustande kommen) sind für die österreichische Startup-Szene nicht wenig Geld. 2019 wurden in heimische Tech-Jungfirmen mindestens 160 Millionen Euro investiert (Trending Topics berichtete). Das Startup-Paket, das die vormalige SPÖ-ÖVP-Regierung 2016 schnürte, belief sich auf etwa 185 Millionen Euro. Der Corona-Hilfsfonds für geschädigte österreichische Unternehmen ist mit 15 Milliarden Euro 100 Mal größer (mehr dazu hier).

Das Hilfspaket für Startups besteht aus im wesentlichen aus zwei großen Punkten und einigen Begleitmaßnahmen.

1. aws COVID-19 Startup Hilfsfonds

Die staatliche Förderbank Austria Wirtschaftsservice (aws) wird privates Kapital, das in österreichische Startups, die aufgrund der Corona-Krise in Finanzierungs- und Liquiditätsprobleme geraten sind, investiert wird, durch Zuschüsse verdoppelt. „Ziel ist es, unseren wirtschaftspolitisch wichtigen Startups (nicht älter als 5 Jahre) in Corona-Zeiten entsprechenden Flankenschutz zu bieten, da die bisherigen von der Regierung gesetzten Maßnahmen (Härtefallfonds, Überbrückungsgarantien) für Startups nicht immer passend sind“, heißt es seitens Wirtschaftsministerium.

50 Millionen Euro kommen aus der öffentlichen Hand, diese sollen durch die Verdoppelung weitere 50 Millionen Euro aus privater Hand hebeln – insgesamt also 100 Millionen Euro. Folgende Informationen gibt es dazu seitens Wirtschaftsministerium:

  • Privates Kapital (von 10.000 bis 800.000 Euro) wird durch Zuschüsse verdoppelt
  • Die Zuschüsse sind im Erfolgsfall rückzahlbar
  • Voraussetzung: innovatives Startup, von Corona-Krise betroffen, 1:1 Zuschuss bei gleichem privaten Kapital, keine verdeckte Rückvergütung durch temporären Kapitalabzug innerhalb von 5 Jahren
  • Volumen: 50 Millionen Euro (Bundesmittel), die durch private Investitionen verdoppelt werden
  • Antragsstellung über aws, dort wird auf geprüft
  • Warum maximal 800.000 Euro? Der befristete EU-Beihilferahmen („COVID-19 Rahmen“) sieht eine Beihilfenobergrenze von 800.000 Euro vor
  • Betroffenheit durch Corona-Krise muss gegeben sein (z.B. Branchenbetroffenheit, Verzögerung in Produktion und Entwicklung, Unterbrechung der Lieferkette)
  • Zuschuss flexibel kombinierbar mit 100% aws-Garantien (max. insgesamt 800.000 Euro)
  • verfügbar sollen die Zuschüsse ab nächster Woche sein

2. Neuer VC-Fonds

Bereits in den nächsten Wochen soll in Österreich so schnell wie möglich ein neuer Fonds entstehen, der für jene Startups gedacht ist, die mit großer Wahrscheinlichkeit eine Finanzierungsrunde abschließen könnten, wenn die Corona-Krise nicht gekommen wäre – jetzt aber das Problem haben, keine Geldgeber mehr zu finden. Das Volumen dieses Fonds soll bei 50 Millionen Euro liegen. Die Besonderheit: Dieses private Kapital wird mit einer staatlichen Garantie von 50 Prozent besichert. Folgende weitere Informationen gibt es dazu zur Zeit:

  • Fokus auf technologiebasierte Startups
  • Zielvolumen: 50 Millionen Euro
  • Finanzierung von Runden zwischen 200.000 und 1 Mio. Euro pro Unternehmen
  • Fonds-Management: aws die schreibt das operatives Fondsmanagement aus und verwaltet die Garantievereinbarungen der Fondsinvestoren
  • Ausschreibung startet in zwei Wochen
  • Privates VC wird mit einer staatlichen Garantie in der Höhe von 50 Prozent besichert
  • kein Vorzug für inländisches Kapital
  • hier geht es klar um Firmenbeteiligungen
  • In einem Positionspapier der Startup-Szene wurde der Fonds auch „Runway-Fonds genannt

Keine klare Antwort gab Schramböck auf die Frage, ob dieser neue VC-Fonds ein Ersatz für den von der aws geplanten Digitalisierungs- und Wachstums-Fonds sei. Es gelte nun zu evaluieren, wie gut die Maßnahmen helfen, später seien sicher Programme zur Ankurbelung der Konjunktur wichtig.

Was die Startup-Szene, die wie berichtet Vorschläge für Hilfsmaßnahmen vorgelegt hat, bei dem Fonds nicht bekommen hat, sind staatliche Garantien in der Höhe von 80 Prozent – sie liegen jetzt bei „nur“ 50 Prozent.

3. Sonstige Begleitmaßnahmen

Neben diesen beiden Finanzierungsvehikeln, die gemeinsam 150 Millionen Euro ausmachen sollen, gibt es wie berichtet einige Begleitmaßnahmen, die Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck bereits verkündet hat. Dazu zählen:

  • Rückzahlungen bei den beiden staatlichen Förderstellen aws und FFG können gestundet werden
  • aws-Milestones werden flexibel gehandhabt, d.h. Fördergelder gibt es auch dann, wenn Meilensteine nicht erreicht wurden
  • das aws-Seed-Financing-Programm wird um 3,5 Millionen Euro aufgestockt

Immer wieder erwähnt wird auch, dass Startups auch Kurzarbeit sowie Hilfe beim Härtefallfonds beantragen können. Ersteres wird von vielen Jungfirmen gemacht, zweiteres ist schwer. Wie berichtet fallen in den Härtefallfonds nur Kleinstunternehmer, die weniger als 10 Mitarbeiter beschäftigen. Viele Startups haben deutlich mehr Angestellte. Außerdem sind die Beträge, die vom Härtefallfonds über drei Monate ausgezahlt werden, auf 6.000 Euro beschränkt – für ein Startup, das sich gerade erst am Markt etablieren muss und dementsprechend hohe Kosten, aber wenig bis keinen Umsatz macht, ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Was die Startup-Szene und vor allem ihre Business Angels wieder nicht bekommen haben, sind die lange geforderten Beteiligungsfreibeträge für private Investoren. Damit ist man beim Finanzministerium wieder einmal auf taube Ohren gestoßen.

Altrichter als Startup-Beauftragter

Michael Altrichter, wohl bekannter Business-Angel in der Startup-Szene, wird die Funktion des Startup-Beauftragten der Bundesregierung ehrenamtlich neben seinen sonstigen Tätigkeiten ausüben und wird dabei von anderen Vertretern der Branche (u.a. Markus Raunig von Austrian Startups, Werner Wutscher von der aaia oder Lisa Fassl von aaia/Female Founders) unterstützt. “Corona wird in unserem Sektor ein Massensterben auslösen, wenn keine Hilfe kommt”, so Altrichter. “Das Wichtigste ist: Die Liquidität darf nicht versiegen.” Deswegen seien die beiden neuen Hilfs-Vehikel willkommen. „Ja ich bin auch Investor, aber ich sehe keinen Interessenskonflikt“, so Altrichter. Er wolle die gesamte Szene unterstützen und vertreten.

“Startups brauchen einen Ansprechpartner, der sie versteht und ein Ohr hat für diese Branche”, so Schramböck. “Der Startup-Beauftragte ist Ideengeber und Impulsgeber und hilft bei der Umsetzung wichtiger Initiativen.”

Disclaimer: Business Angel Michael Altrichter ist Investor von Trending Topics.

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