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Remote First Companies: Home Office wird durch die COVID-Krise für viele zum Default

© Kaboompics.com von Pexels
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Nach den Lockdowns und dem Ende der Social-Distancing-Regeln werden viele Menschen nicht an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Und zwar nicht, weil sie gekündigt wurden, sondern weil immer mehr Unternehmen auf Home Office als neuen Standard setzen werden. „Digital by default“ nennt etwa Shopify-CEO Tobias Lütke das neue Konzept der Arbeitswelt.

„Ab heute ist Shopify standardmäßig ein digitales Unternehmen. Wir werden unsere Büros bis 2021 geschlossen lassen, damit wir sie für diese neue Realität umgestalten können. Und danach werden die meisten dauerhaft aus der Ferne arbeiten“, so Lütke. „Das bedeutet, dass die Arbeitserfahrung für alle, die bei Shopify zusammenarbeiten, unabhängig davon, von wo aus sie arbeiten, gleich sein sollte. Jeder wird während der Sitzungen in seinen eigenen vier Wänden sein, und wir werden die besten digitalen Kommunikationsmittel für die Zusammenarbeit nutzen. Wir können nicht mehr so weitermachen wie bisher. Dies ist keine Wahl, dies ist die Zukunft.“

Remote First

Bei Shopify werden etwa 5.000 Mitarbeiter künftig also die Wahl haben, ob sie von zu Hause arbeiten wollen. Das Unternehmen rechnet damit, dass dann nur mehr 20 bis 25 Prozent der heute notwendigen Bürofläche benötigt werden wird. Lütke, der Gründer und CEO der boomenden E-Commerce-Firma, ist nicht der einzige digitale Vordenker, der künftig voll auf Remote Work setzen wird.

Coinbase-CEO Brian Armstrong macht ab heute sein Unternehmen ebenfalls zu einer „remote-first company“. „Das bedeutet, dass in Zukunft jeder, der möchte, weiterhin von einem Büro aus arbeiten kann. Das wird sich nicht ändern. Was sich ändert, ist, dass (fast) jeder Mitarbeiter, der es vorzieht, außerhalb eines Büros zu arbeiten, es kann. Für viele Mitarbeiter wird es wahrscheinlich eine Mischung aus beidem sein“, so Armstrong. Er schätzt, das fortan 20 bis 60 Prozent des Unternehmens anfangs remote arbeiten wird.

Erst vergangene Woche hat auch Twitter-CEO und -Mitgründer Jack Dorsey angekündigt, dass all jene Mitarbeiter, die von zu Hause arbeiten können, dies künftig ohne Begrenzung auch weiter tun werden können. Bei Facebook, Microsoft und Google werden die Büros nach und nach wieder geöffnet, doch Mitarbeiter sollen wenn möglich bis Herbst oder gar bis Ende des Jahres von zu Hause arbeiten. Bei Spotify soll die Belegschaft bis nächstes Jahr bei Remote Work bleiben.

Arbeitgeber vs. Arbeitnehmer

Für Firmen hat der Trend natürlich einige Vor- und Nachteile: Mittel- bis langfristig spart man so natürlich teure Bürofläche und sonstige Annehmlichkeiten, die Mitarbeitern vor allem in der Tech-Branche geboten wird. Remote Work verlangt aber auch nach neuen Prozessen, entsprechenden digitalen Tools (auch nicht immer günstig) und vor allem eines: das gegenseitige Vertrauen zwischen Arbeitnehmer und -geber, dass der Job zu Hause auch entsprechend den Zielvorgaben erledigt wird. Seitens Arbeitnehmer braucht es Eigenverantwortung, um beruf und Privatleben sauber voneinander trennen zu können. Die Kommunikation mit der Firma ist herausfordernd: Schon jetzt sehen viele Firmen, dass ihre Mitarbeiter sehr viel mehr Zeit in (teilweise ermüdenden) Video-Konferenzen verbringen (a.k.a. „Zoom Fatigue“).

In Deutschland hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bereits angekündigt, im Herbst 2020 ein Gesetz zum Recht auf Arbeiten im Homeoffice vorlegen zu wollen. Dort, wo es betrieblich möglich ist, soll künftig jeder Arbeitnehmer das Arbeiten von zu Hause aus einfordern können – sowohl für die gesamte Arbeitszeit als auch für einige Tage pro Woche. Auf Widerstand ist die Idee bisher seitens der Arbeitgeber gestoßen.

Klare Regeln sind gefragt

Mit dem Thema Remote Work als Standard hat sich auch John-Paul Pieper, CEO des deutschen InsurTechs nexible, auseinander gesetzt: Arbeiten Teams vermehrt von zuhause, sinken die Fixkosten für Bürostandorte. Und wie sich besonders in den vergangenen Wochen gezeigt hat, können moderne Tools zudem auch teure und oft zeitraubende Geschäftsreisen – zumindest größtenteils – ersetzen“, so Pieper in einem Gastbeitrag bei Trending Topics.

„Mitarbeiter wiederum sparen sich den täglichen Weg zur Arbeit und wieder nach Hause und sind flexibler in ihrer Zeiteinteilung. Das ist gerade dann ein großes Plus, wenn sie Beruf und Familie unter einen Hut bringen wollen und müssen. Nicht umsonst ist es für Jobsuchende immer öfter ein Knock-out-Kriterium, wenn ihnen Unternehmen keine flexible Home-Office-Lösung anbieten können.“

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