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Remote First Capital: Andreas Klinger investiert in eine neue Generation Startups

Andreas Klinger on stage.
Andreas Klinger on stage.

Andreas Klinger ist ein bescheidener Typ. Er hat eine der bemerkenswertesten Karrieren im österreichischen Startup-Sektor hingelegt – von Wien (Die Socialisten, Garmz) über London (Lookk) ging es nach San Francisco (Product Hunt, AngelList), und jetzt hat Klinger sogar seinen eigenen Micro-Funds. Doch das hängt er nicht an die große Glocke, stattdessen gibt es auf der Webseite von Remote First Capital nur eine kleine Palme, ein paar Bullet Points und eine Kontaktmöglichkeit zu finden. Große Sprüche klopfen, das überlässt Klinger anderen.

Jedenfalls: Bei Remote First Capital investiert Klinger gemeinsam mit etwa 100 anderen Gründern aus dem Silicon Valley in – der Name sagt es schon – Startups, die Tools und Lösungen für Remote Work entwickeln. 25.000 bis 50.000 Dollar je Startup in den ganz frühen Phase Pre-Seed und Seed, Firmensitz relativ egal, Hauptsache das Startup verbessert Remote Work auf neue Art und Weise. Etwa 2,5 Millionen Dollar liegen im Topf – genug Geld also für 40, 50 Investments.

Und siehe da: im 33 Startups umfassenden Portfolio von Remote First Capital finden sind bereits einige große Namen – allen voran die Online-Events-Lösung Hopin aus London, die 2019 gegründet wurde und im Corona-Jahr 2020 Unicorn-Status erreichte. Für Klingers Mikro-Fonds als früher Investor (zumindest mal am Papier) ein fetter Multiple. Auch andere Startups wie Commsor (Community Building), Galileo (Online-Schule) oder Remote (internationales Hiring) scheinen vielversprechend.

„Wenn man in San Francisco lebt, hat man drei Möglichkeiten: Man startet eine Firma, man wird Investor, oder man wird Yoga-Lehrer“, sagt Klinger. Und weil er weder ein Startup gründen noch Yoga-Trainer werden wollte, wurde Klinger eben VC. „Die Zukunft der Arbeit ist digital“, sagt er. Gestartet hätte er den Mikro-Fonds, weil vor der COVID-19-Krise nicht genug Investoren den Trend zu Remote Work ernst genommen hätten. „Ich investiere aber nur in Firmen, die unabhängig von COVID existieren können. Die Existenzberechtigung einer Firma kann nicht eine globale tödliche Pandemie sein. Die Gründer, in die ich investiere, würden auch ohne den Boost erfolgreich sein.“

„Permanent Zoom und Slack, das funktioniert nicht“

Das Geld, das Klinger investiert, kommt von etwa 100 anderen Gründern. Mit Remote First Capital sieht sich Klinger in der Rolle des strategischen Business Angels, der gerne gemeinsam mit anderen Investoren die Runden stellt. In den Mikro-Fonds eingezahlt haben etwa die Gründer von Buffer, Help Scout, Envision, Product Hunt und „einige CEO von Remote Teams, die sehr viel Geld machen und von denen man noch nie was gehört hat.“

Als Riesenthema identifiziert hat Klinger „asynchrone Entscheidungsprozesse“, die digital abgebildet werden. Denn Remote Work bedeutet keineswegs, dass Menschen ständig in Zoom-Calls mit dem Rest des Teams hängen, sondern vielmehr die Notwendigkeit, sich virtuell effizient abzustimmen – und das passiert eben optimalerweise nicht immer live. „Wie können wir uns auf etwas einigen, ohne gerade einen Call zu machen? Klassischerweise passiert das heute via Google Doc, aber wie kann man das machen, damit es mit fünf Leuten nicht ein komplettes Chaos wird? Slack wird für viele Companies, die größer werden, zu anstrengend. Da kann ich mir vorstellen, dass alle wichtigen Diskussionen in Online-Foren stattfinden werden. Permanent Zoom, permanent Slack, so funktionieren Remote Teams nicht.“

Das Büro wird nicht verschwinden

Mit starkem Wachstum des Bedarfs an digitalen Remote-Work-Lösungen rechnet Klinger in den nächsten Jahren fix – und wie gesagt nicht wegen COVID. Denn durch die Automatisierung nahezu aller Branchen werde das Vor-Ort-sein in der Firma immer weniger zum Muss. Was aber nicht bedeute, dass es künftig weniger Büros geben werde. „Google oder Facebook werden nicht weniger, sondern mehr Offices habe, weil sie in bestimmten Regionen neue Hubs aufmachen werden.Die werden weniger klassische Büros sein, sondern die Corporate Culture in die Region bringen und wo sich die Leute, die in der Region remote arbeiten, treffen oder Events machen können.“

Kommen wir zum Abschluss noch zur Gesetzeslage. In Deutschland soll es sogar ein Recht auf Home Office geben. „Wenn ich mir etwas wünschen dürfte? Die stärkst mögliche Bandbreite überall in Österreich. Schweden ist heute eines der stärksten Länder, was Startups angeht. Der Grund dafür? Sie haben in den 1990ern damit begonnen, den Menschen möglichst günstig Bandbreite zu geben.“

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