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Erfahrungsbericht

Reisetipps: Innovation-Hotspots, die man in Moskau gesehen haben sollte

Skolkovo: Ein gigantischer Innovation-Bezirk im Südwesten Moskaus © Hans Sailer/INNOX
Skolkovo: Ein gigantischer Innovation-Bezirk im Südwesten Moskaus © Hans Sailer/INNOX

714 Millionen Dollar Risikokapital sollen 2018 insgesamt in Startups aus Russland oder mit russischen Wurzeln geflossen sein. Eine Steigerung um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Jahr davor. Das ist ein Gradmesser dafür, dass in der jungen Generation Aufbruchsstimmung herrscht. Ein Trend, der in Moskau stark zu spüren ist, kann auch Hans Sailer bestätigen. Sailer hat in Österreich mit INNOX ein Netzwerk von mehr als 450 Innovations-Managern aufgebaut hat. Er ist Dreh- und Angelscheibe dieser Community, bringt Unternehmen mit ähnlichen Herausforderungen an einen Tisch oder organisiert Best-Practice-Besuche bei Firmen oder Instituten.

In Zusammenarbeit mit Innovation Orbit entwickelt Sailer auch Reisen – das nächste Ziel ist die Schweiz, wo in Biel und Zürich bei innovativen Unternehmen und Unis hinter die Kulissen geblickt wird. Im Frühjahr ging es nach Russland, um das Innovations-Ökosystem dort unter die Lupe zu nehmen. Sailer teilt mit Trending Topics ein paar Tipps, welche Hotspots Innovation-Manager, Jungunternehmerinnen, Digitalisierungsbeauftragte oder Nerds in Moskau besuchen sollten.

1. Skolkovo 

Sailer: „Das ist das Silicon Valley der Russen“. Im Südwesten von Moskau wurden mehr als 300 Hektar Landwirtschaftsfläche in einen Innovation-Hotspot verwandelt, der seinesgleichen sucht. Skolkovo beherbergt unter anderem zwei Universitäten und einen Startup-Hub nach Zürcher Vorbild mit Fab-Lab. „Alles ist hier ganz neu und mit den besten und modernsten Geräten ausgestattet“, erzählt Sailer. Die Privatuniversität Skoltech arbeite eng mit dem amerikanischen MIT zusammen und sei auch nach vergleichbaren Standards aufgebaut worden. „Dort zu studieren ist wie in Berkeley“, so der Innovations-Netzwerker. Aber auch die öffentliche Uni will Russland auf ein international hohes Niveau bringen. Studenten lockt man angeblich nicht nur mit einem Erlass möglicher Studiengebühren – sogar die Lebenskosten würden gefördert.

Startups und Forscher beschäftigen sich mit Innovationen wie Flugtaxis oder Vertical Farming – Besucher können sich die Lösungen direkt am Campus ansehen. Prototyping ist hier kein Problem: Im Fab Lab steht unter anderem der angeblich größte 3D-Drucker der Welt. Einmal im Jahr ist das Skolkovo Gelände auch Austragungsort einer der weltweit größten Startup-Messen, „Startup Village“. Im Freien reiht sich dann Messestand an Messestand. Dicht gedrängte Holzhütten, als handle es sich um einen großen Christkindlmarkt, in denen Startups ihre Services anpreisen – sie sind in Reihen organisiert, die nach Ländern geordnet sind.    

Im Fab Lab der Skolkovo University © Hans Sailer/INNOX
Im Fab Lab der Skolkovo University © Hans Sailer/INNOX

2. Kalibr

Eine große ehemalige Fabrik, die in einen Startup Hub verwandelt wurde – vor allem Linzer dürften sich hier wie daheim fühlen. „Hinter einer Türe werden Stoffe bedruckt, die dann an Designer geliefert werden. Eine Türe weiter wird DNA extrahiert“, beschreibt Sailer die Vielfalt der Projekte, die auf dem 20.000 Quadratmeter großen Gelände umgesetzt werden. Sogar ein Testparcour für selbstfahrende Autos und ein eigenes Trainings-Lab, in dem Teenager an neue Technologien herangeführt werden, sind Teil des Angebots. Wer in Moskau kurzfristig einen ruhigen Arbeitsplatz braucht, ist hier aber ebenso gut aufgehoben: Um umgerechnet rund 11 Euro pro Tag kann man im Coworking-Space einen Flex-Desk mieten.

3. Karfidov Lab

Wer aus dem Hardware-Bereich kommt oder eine Hardware-Idee umsetzen will, sollte einen Besuch beim Karfidov Lab einplanen. Der Chef, Alex Karfidov, hat am MIT studiert und in Moskau ein Team aus Mathematikern, Physikern, Designern  und Ingenieuren aufgebaut, die jedes erdenkliche Hardware-Zukunftsprojekt umsetzen. Hier ist keineswegs die Rede von kleinen Gadgets. „Für eine Bank haben sie einen selbstfahrenden Roboter gebaut, der kleinere Botengänge übernehmen soll“, erzählt Sailer. Karfidov lässt aber auch 3D-Drucker bauen oder Exoskelette für Ärzte. „Es sieht ein bisschen aus wie im Keller eines Studentenheimes, der als Hightech-Labor eingerichtet wurde“, so Sailer. 

4. Du brauchst Yandex

„Voriges Jahr sind wir noch Uber gefahren, heuer bereits mit Yandex“, erzählt Sailer. Die App sei von der Usability her wie jene von Uber, „bloß, dass man sich auch mal eben einen Maybach bestellen kann“. Yandex hilft auch über die Sprachbarriere hinweg: Die schriftliche Kommunikation mit dem Fahrer wird automatisch von russisch ins Englische übersetzt und umgekehrt. Auch Google Maps sollte man durch das russische Pendant ersetzen, empfiehlt Sailer. https://taxi.yandex.com/company/

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