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Blockchain

Hannes Cizek

Digital Banking-Chef der Raiffeisenbank International: „SWIFT ist weit mächtiger als Ripple“

Hannes Cizek, Head of Digital der Raiffeisenbank International. ©David Sailer/RBI
Hannes Cizek, Head of Digital der Raiffeisenbank International. ©David Sailer/RBI

Ende vergangenen Jahres trat die Raiffeisenbank International (RBI) als erste österreichische Bank dem Blockchain-Konsortium R3 bei (Trending Topics berichtete). Aktuell sind mehr als 60 Bankhäuser, Finanzdienstleister, Technologieunternehmen, Zentralbanken, Regulatoren und Handelsverbände dem globalen Netzwerk der Unternehmenssoftware-Firma beigetreten, um Anwendungsfälle der Blockchain für ihren Sektor zu testen.

R3 wurde im September 2015 von den Barclays, BBVA, Commonwealth Bank of Australia, Credit Suisse, Goldman Sachs, J.P. Morgan, Royal Bank of Scotland, State Street, und UBS gegründet. Bislang gab es keine Bestrebungen von R3 eine eigene Kryptowährung auszugeben, vielmehr konzentriert sich R3 auf die Entwicklung der Distributed-Ledger-Plattform Corda.

Zudem war R3 in einen Rechtsstreit mit Ripple Labs verwickelt, bei dem es um eine Kaufoption um fünf Milliarden XRP aus dem Jahr 2016 ging, die Ripple-CEO Brad Garlinghouse dem Konkurrenten aufgrund des massiv gestiegenen Werts nicht mehr bewilligen wollte. R3 bekam im Mai 2017 ein Investment von 107 Millionen Dollar, unter anderem von Intel, Bank of America und HSBC Holdings. Beide Startups basteln an einer neuen, zentral gesteuerten Blockchain-Infrastruktur für die Banken.

Wir haben uns mit Hannes Cizek, Head of Group Digital Banking der RBI, über die Pläne und Ausrichtung von R3, die Haltung der RBI zum Thema Bitcoin und die Regulationsbestrebungen der Regierungen unterhalten.

Weshalb ist die RBI dem R3-Konsortium beigetreten?

Hannes Cizek: Es gibt derzeit noch keinen Anwendungsfall auf der Blockchain, der wirklich funktioniert. Es gibt noch kein Produkt und keine Dienstleistung, die auf der Blockchain im Echtbetrieb läuft. Wir wollen viel ausprobieren und früh erfahren, wenn sich innerhalb der Banken-Infrastruktur fundamental etwas ändert.

Welche Schritte werden im R3-Konsortium konkret diskutiert?

Der Hub fokussiert sich auf fünf Bereiche: Kapitalmarkt, digitale Assets, Smart Securities, Issued Bonds auf Ethereum und Identity Verification über die Blockchain für den KYC-Prozess. Für Versicherer sind Smart Contracts für Versicherungsverträge hoch interessant. Wir wollen dort gemeinsam ausloten, welche Distributed-Ledger-Technologien sinnvoll sind, um ein umfassendes Infrastruktur-Know-how aufzubauen, das zukünftigen kommerziellen Blockchain-Applikationen zugrunde liegen wird. R3 ist keine reine Forschungsveranstaltung. Man hat die Chance mit Proof-of-Concept-Ansätzen zu experimentieren. Deshalb sind wir beigetreten.

Wie bewerten Sie als Vertreter einer großen Bank die Entwicklungen des Krypto-Marktes? 

„Zukünftige Szenarien sind sehr schwer abzuschätzen. Wir verfolgen die Entwicklung ganz genau und beschäftigen uns damit, für welche Teile unseres Geschäftsmodells die Blockchain-Technologie sinnvollen Mehrwert leisten kann. Wir sind allerdings sicher, dass die Blockchain eine neue Infrastruktur-Basis für gewisse Anwendungsfälle bieten wird.

Aktuell schwingt in der Diskussion um die Kryptos noch ein starkes gesellschaftspolitisches Momentum mit. Das macht diesen Markt zu einem Thema für die Politik und die Zentralbanken. Wir beschäftigen uns mit der zugrundeliegenden Technologie.

Oftmals wird Ripple als eine Neuerfindung der Genossenschaft SWIFT gesehen, die die sicheren Transfers unter den Banken regelt. Ist das ein Feld, in dem nach neuen Lösungen gesucht wird? 

Kryptowährungen und das Interbankensystem sind etwas komplett Verschiedenes. Der Ripple-Token wird nur im Austausch verwendet und hat nur einen künstlichen Wert. Durch die Blockchain-Technologie könnten wir mittels einer Private Chain allerdings potentiell Kosten sparen. Das wäre einer der größten Benefits für Banken. SWIFT ist weit größer und mächtiger als Ripple. Dort wird der Handel von über 10.000 Banken gesteuert.

Für uns steht im Vordergrund, dass wir uns mit Gleichgesinnten austauschen und gewisse Anwendungsfälle testen können. Die Gründer von R3 wären sicherlich sehr glücklich, wenn aus diesem System eine neue, globale Bankeninfrastruktur entsteht.

Welche Regulationen wünscht sich eine Bank für die Krypto-Währungen?

Kryptos haben die Eigenschaft dezentral zu agieren. Das bedeutet, dass es keine zentrale Stelle gibt, die man regulieren kann. Ansätze, die Kryptowährungen mit einer Mehrwertsteuer zu belegen, stehen vor der Herausforderung, dass die Durchsetzbarkeit nicht gegeben ist. Europäische Exchanges wären von solchen Schritten betroffen, die großen internationalen Exchanges, wie Coinbase oder Binance, allerdings nicht.

Aber es gibt legitime Ansatzpunkte: Kryptowährungen mit einem vollständig anonymen Charakter wie Monero muss unterstellt werden, dass sie für kriminelle Aktivitäten verwendet werden. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass alle Kryptowährungen verboten werden, aber die Möglichkeit zur Geldwäsche kann so nicht bestehen bleiben. Die Frage ist nur: Wer ist der Ansprechpartner?

Wie ist die aktuelle Position der europäischen Aufsichtsbehörden? 

Sie nehmen das Thema ernst. Eine Veränderung im Vergleich zur Situation von vor zwölf Monaten. Wie bei allen Themen, die global vorkommen, ist eine einheitliche Lösung schwierig. Es ist schwer zu sagen, wie sich die Währung selbst entwickelt. Bleibt es ein Hype oder wird es ein fundamentales Phänomen?

Bewerten Banken die Kryptowährungen als Gefahr für die eigenen Geschäftsmodelle? 

Banken unterstützen den Handel mit Kryptowährungen nicht, weil es keine Regeln gibt. Auf der anderen Seite gibt es strenge Regeln für den Konsumentenschutz. Die große Volatilität ist ein Thema, das wäre bei jedem anderen Produkt auch so. Dieses Risiko liegt bei den Kunden selbst.

International sind Beispiele bekannt geworden, bei denen Banken Konten von Krypto-Tradern geschlossen haben. Wäre das bei der Raiffeisen auch denkbar?

Das Motiv der Banken zur Kündigung von Konten, die vermehrt für den Handel mit Kryptowährungen verwendet werden ist, dass Kryptowährungen auch für kriminelle Aktivitäten missbraucht werden. Ein weiterer Grund ist, dass einige lokale Regulatoren den Handel mit Kryptowährungen untersagen. Transaktionen in virtueller Währung sind für die Nutzer zwar grundsätzlich öffentlich, die Eigentümer und Empfänger dieser Transaktionen jedoch nicht. Des Weiteren werden die Transaktionen, anders als über Girokonten, nicht systematisch überwacht. Die Transaktionen lassen sich kaum zurückverfolgen und bieten Nutzern virtueller Währungen ein hohes Maß an Anonymität.

Anbieter von virtuellen Währungen sind zudem in der Regel nicht staatlich reguliert. Das Netzwerk der virtuellen Währung kann daher für Transaktionen verwendet werden, die kriminellen Handlungen wie der Geldwäsche dienen. Die RBI führt Transaktionen in Zusammenhang mit virtuellen Währungen grundsätzlich durch, außer es bestehen Zweifel an der Herkunft des Geldes. Des Weiteren werden Kunden ab einem gewissen Betrag vor den generellen Risiken in Zusammenhang mit virtuellen Währungen gewarnt. Anbieter von virtuellen Währungen werden grundsätzlich aktuell nicht als Kunden akzeptiert, beziehungsweise bedürfen einer gesonderten Freigabe durch das Compliance Office der RBI.

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