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QuantumScape: Schwere Vorwürfe gegen Superakku-Firma – und ein Österreicher mittendrin

Pressefoto von QuantumScape. © QuantumScpae.
Pressefoto von QuantumScape. © QuantumScpae.

Ein Super-Akku, der mehr Energie speichern kann als heutige gebräuchliche Lithium-Ionen-Batterien, der in 15 Minuten 80 Prozent laden kann, dabei von längerer Haltbarkeit und dann auch noch günstiger. Das sind die großen Versprechen, die das mittlerweile börsennotierte Unternehmen QuantumScape aus dem Silicon Valley abgibt. Die in Entwicklung befindliche Feststoffbatterie, wenn sie hält, was sie verspricht, wäre eine Revolution für die Automobilindustrie, die gerade auf Elektro umsattelt.

2010 von Jagdeep Singh und dem Österreicher Professor Fritz Prinz von der Universität Stanford gegründet, hat QuantumScape auch Multimilliardär Bill Gates und den Autoriesen Volkswagen an Bord geholt und ist 2020 nach einer Fusion mit der Investmentgesellschaft Kensington Capital Acquisition via SPAC im Schnellschritt an die Börse gegangen. „Wir sind führend in der Entwicklung von Festkörper-Lithium-Metall-Batterien der nächsten Generation für den Einsatz in Elektrofahrzeugen. Die Mission des Unternehmens ist es, die Energiespeicherung zu revolutionieren, um eine nachhaltige Zukunft zu ermöglichen“, lautet die Botschaft.

Short-Attacke von Scorpion Capital

Doch diese Botschaft glauben längst nicht alle. Etwa der Hedge-Fonds Scorpion Capital, ein bekannter Shortseller. Scorpion Capital wirft QuantumScape in einem 188 Seiten langen Dokument „Pump & Dump“ vor und „Milliardenbetrug durch Silicon-Valley-Berühmtheiten, die Theranos wie Amateure aussehen lässt“. Damit bezieht sich Scorpion Capital auf jene Blutanalyse-Firma, der groß angelegten Betrug vorgeworfen wurde.

Gegen QuantumScape bringt Scorpion Capital nun eine ganze Reihe von Vorwürfen vor, die die Technologie schwer in Frage stellen, und zitiert Mitarbeiter von Volkswagen und QuantumScape selbst, die das Unternehmen in Frage stellen. Schnelles Laden, lange Lebenszeit, gutes Funktionieren bei niedrigen Temperaturen, alles nur „falsche Behauptungen“. Die Batteriefirma hätte „nette Powerpoint-Folien, aber sonst nicht viel“. Auch die versprochene industrielle Skalierung, also Fertigung in großen Mengen, würde nicht funktionieren. „Der Prototyp von Quantumscape ist außerhalb eines Labors nicht lebensfähig, selbst wenn die Wissenschaft real wäre“, heißt es.

Wie für Shortseller üblich, hat Scorpion Capital natürlich großes Eigeninteresse, QuantumScape mit Schmutz zu bewerfen. Der Hedge-Fonds hat auf sinkende Aktienkurse von QS gewettet und mit der öffentlichen Schmutzkübel-Kampagne auch einigen Erfolg gehabt. Die Aktie ist um zehn Prozent eingebrochen. Das ist ordentlich, aber nicht dramatisch im Vergleich zu anderen Short-Attacken, die andere Unternehmen bereits hinnehmen mussten. Das Finanzportal Onvista schreibt, dass Scorpion Capital „mieses Timing“ bei der Short-Attacke hätte.

QuantumScape beruft sich auf Laborergebnisse bei VW

Via Twitter hat QuantumScape auf die Vorwürfe reagiert und zurück gewiesen. „Erst letzten Monat hat VW eine weitere Investition in Höhe von 100 Millionen Dollar in das Unternehmen getätigt, nachdem bestätigt wurde, dass unsere Zellen die technischen Meilensteine erfüllen, die von VW in ihren eigenen Labors in Deutschland gemessen wurden“, heißt es. Von wegen Geheimnistuerei, man sei transparenter als jede andere Firma im Feststoffbatteriebereich und würde Details und Daten zu Stromdichte, Temperatur, Zykluslebensdauer, Kathodendicke, Entladetiefe, Zellfläche und Druck stets transparent machen – wie etwa hier.

„Wie unsere öffentlichen Einreichungen deutlich gemacht haben, haben wir noch Arbeit vor uns, daher wird dies unser letzter Kommentar zu diesem Thema sein. Wir werden uns nun wieder an die Arbeit machen und weiterhin unsere Ausführung für sich selbst sprechen lassen“, heißt es abschließend seitens QuantumScape.

Die Österreich-Connection von QuantumScape ist Mitgründer Fritz Prinz, der an der renommierten Universität Stanford ist und unter anderem auch von Bundeskanzler Sebastian Kurz auf einer Reise ins Silicon Valley konsultiert wurde, um sich dort unter anderem Input für eine Wasserstoff-Strategie für Österreich zu holen. Auch sonst ist QuantumScape prominent besetzt. Zuletzt wurde neu Celina Mikolajczak, eine ehemalige hochrangige Panasonic-Managerin, an Bord geholt, um die Skalierung der Produktion anzugehen. Auch der ehemalige Tesla-Mitgründer und CTO  J.B. Straubel sitzt im Board des Unternehmens.

Sebastian Kurz bei Professor Fritz Prinz. © Volkspartei
Sebastian Kurz bei Professor Fritz Prinz in Stanford. © Volkspartei

Bereits früher Zweifel

Scorpion Capital sind aber nicht die ersten, die öffentlich Zweifel an QuantumScape geäußert haben. Das deutsche Tech-Portal Golem.de schrieb Ende 2020, dass QuantumScape „eine halbe Mogelpackung“ präsentiert hätte und beim näheren Hinsehen nicht viel von den Versprechungen übrige bleiben würde. „Quantumscape hat es nicht geschafft, einen nennenswerten Vorteil oder die Notwendigkeit seiner Technologie für den Bau von Elektrofahrzeugen zu präsentieren, obwohl das angeblich das Ziel der Entwicklung ist. Die neue Technik würde außerdem mit hohen Kosten, Unsicherheiten und Nachteilen in der Produktion einhergehen“, heißt es in dem Bericht.

Und weiter: „Wissenschaftlich wäre der Keramikseparator vielleicht interessant für weitere Entwicklungen. Er ist aber kein Teil der Wissenschaft, da alle wichtigen Details Geschäftsgeheimnisse sind. Das bedeutet auch, dass die Technologie von QuantumScape jederzeit von der freien Forschung und der Konkurrenz überholt werden kann.“ Dementsprechend muss das kritisierte Unternehmen auch einmal außerhalb verschlossener Laborwände einen Beweis erbringen, dass sein Super-Akku auch funktioniert.

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