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Project Libra: Der Stablecoin von Facebook nimmt Gestalt an

© Pixabay
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PayPal, Visa, Mastercard, Stripe, Uber, Booking.com, MercadoLibre – die Liste der Partner, mit denen Facebook einen Stablecoin auf den Markt bringen will, ist prominent besetzt. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf gut informierte Quellen. Denn das Social Network, dem auch WhatsApp und Instagram gehört, will seine Kryptowährung, die Libra heißen soll, nicht alleine kontrollieren.

Die genannten Unternehmen und andere sollen die Nodes betreiben, in denen Transaktionen verifiziert werden – und sich den Einstieg ins Projekt jeweils zehn Millionen Dollar kosten lassen. Facebook nimmt sich mit den Partnerschaften gleichzeitig ein wenig aus der Schusslinie, weil man so die Kryptowährung nicht alleine kontrolliert. Ob es Regulatoren schmecken wird, dass große, vor allem US-amerikanische Unternehmen, eine eigene Währung gemeinsam bauen, bleibt erst einmal abzuwarten.

Zahlen, Zahlen, Zahlen

Libra (manchmal auch „GlobalCoin“ genannt) soll eine stabile Kryptowährung werden, die durch die Koppelung an staatliche Währungen wie den US-Dollar keinen starken Schwankungen unterliegen soll. Damit wäre sie anders als Bitcoin oder Ethereum geeigneter, um in Geschäften Waren zu bezahlen oder Freunden via Messenger, WhatsApp oder Instagram schnell mal ei paar Coins zuschicken zu können. Währenddessen dienen viele andere Krypto-Assets einigen Wenigen vor allem dazu, sie auf Exchanges zu handeln oder sie – in Erwartung von Kursanstiegen – längerfristig zu halten.

PayPal, Visa, Mastercard und Co. sollen gemeinsam mit Facebook die Libra Association, die in der Schweiz (a.k.a. „Crypto-Nation“) sitzt, kontrollieren. Was die Teilnehmer an dem Netzwerk davon haben, ist noch nicht klar. Gerüchte über ein Geschäftsmodell gibt es noch keines. Da der Stablecoin voraussichtlich – anders als Bitcoin oder Ethereum – nicht durch Mining entstehen wird, ist unklar wie PayPal, Visa oder Stripe als Node-Betreiber belohnt werden sollen.

Wer erfasst welche Daten?

Für Facebook wäre eine Kryptowährung, mit der man auch in Shops bezahlen kann, ein Bonus für seine 2,4 monatlich aktiven Nutzer. Wenn sie beginnen, via Messenger, WhatsApp oder Instagram den Libra-Coin für finanzielle Transaktionen zu nutzen, würde Facebook sie so noch stärker an die tägliche Nutzung der Apps binden. Fraglich ist, ob es Auswertungen über das Kauf- und Bezahlverhalten der User geben wird. Glaubt man Mark Zuckerberg, will Facebook künftig mehr Wert auf Privatsphäre legen – das würde einer Datenerfassung über Payments zu Werbezwecken eher ausschließen.

Rennen gegen Telegram

Bereits nächste Woche, am 18. Juni soll Facebook das „Project Libra“ in einem Whitepaper im Detail vorstellen. Starten soll der Stablecoin dann 2020. Zuckerberg, der gemeinsam mit Manager David Markus (Ex-PayPal, jetzt Leiter der Blockchain-Agenden bei Facebook), liefert sich auch ein Rennen mit der Messaging-App Telegram. Diese will das Telegram Open Network (TON) bauen, in dem Nutzer mit einem so genannten GRAM-Token für Services bezahlen können oder ihre Freunden Token schicken können.

Um die GRAM-Token unters Volk zu bringen, wird Telegram diese ab dem dritten Quartal über den japanischen Krypto-Exchange Liquid.com verkaufen. Zeitgleich soll dann auch das Telegram Open Network starten. Damit wäre die Messaging-App schneller als Facebook und könnte seine sehr Krypto-affine Zielgruppe bedienen.

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