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Procfit: Die österreichische Firma, die Hardware für Startups produziert

Spyra, Amabrush, Gusta Garden - allesamt Kunden von ProcFit. © Spyra, Amabrush, Gusta Garden / Montage Trending Topics
Spyra, Amabrush, Gusta Garden - allesamt Kunden von ProcFit. © Spyra, Amabrush, Gusta Garden / Montage Trending Topics

Wo kommen die Produkte von Hardware-Startups her? Die einfache Antwort lautet oft: Aus China, oder genauer gesagt aus Shenzhen – jener Millionenstadt nahe Hongkong, wo auch Apple seine iPhones produzieren lässt oder wo der Smartphone- und Netzwerktechnik-Riese Huawei seinen Sitz hat.

Doch so einfach ist die Antwort dann doch wieder nicht. Denn nur wenigen ist bekannt, dass österreichische oder deutsche Startups und Unternehmen wie Amabrush, Gusta Garden (Pflanzgefäße), Spyra (Spritzpistole) oder Clever Clover mit der Firma Procfit rund um CEO Margot Königshofer zusammenarbeiten. Sie stehen allesamt auf der Kundenliste von Procfit, die ihrerseits mit der Kloepfel Group zusammen arbeitet.

„Lücke schließen“

„Startup-Shows, Events und Gespräche in der Szene haben immer wieder dasselbe Bild gezeigt – Gründer haben immer wieder dasselbe Problem, nämlich passende Lieferanten für die Produktion zu finden bzw. den Prototypen professionell in eine Serienproduktion überzuleiten, zu vernünftigen Totalkosten, mit einem sicheren Vertrag“, sagt Margot Königshofer zu Trending Topics. „Es gab am Markt keinen entsprechenden Dienstleister, der diese Lücke schließen konnte und so habe ich mich entschieden, gemeinsam mit meinem Partnerunternehmen, der Kloepfel Group, Procfit zu gründen.“

Startups und Unternehmen können bei Procfit, so Königshofer, „die komplette Abwicklung sämtlicher Einkaufsaktivitäten“ auslafgern – vom Suchen und Finden von Lieferanten über das Durchführen von Ausschreibungen, das Führen von Verhandlungen bis hin zu Vertragsabschlüssen. „Und dann, wenn der Produktionsstart erfolgt ist, können wir die erweiterte Einkaufsabteilung sein, hier kümmern wir uns um alle operativen und strategischen Sourcing-Angelegenheiten“, so Königshofer. Ihre Firma könne passende Lieferanten und Produktionsstätten finden.

„Ein Startup muss noch keinen Prototypen haben“

Um mit Procfit zusammen arbeiten zu können, reicht oft eine Crowdfunding-Kampagne, nicht einmal ein Prototyp eines geplanten Produkts ist notwendig. „Ein Startup muss noch keinen Prototypen haben. Was wir brauchen sind Daten, das heißt Spezifikationen, Zeichnungen, Step-Dateien usw., sodass wir professionell am Markt bei unseren Lieferanten anfragen können“, sagt Königshofer. „Wir haben viele strategische internationale Lieferantenkontakte, das heißt, wie es das Projekt verlangt, werden die Produkte global in aller Welt organisiert. China spielt eine große Rolle, vor allem bei Projekten, wo es um Spritzgusswerkzeuge und Elektronikkomponenten geht. Wir sind in Asien sehr gut vernetzt.“

Je nach Projekt verdient Procfit – monatliches fixes Honorar, monatliche fixes Honorar plus einen Betrag pro Verkaufseinheit, Unternehmensanteile oder eine erfolgsabhängige Provision. Unternehmen können sich aus diesen vier Modellen auch einen Mix zusammenstellen, so Königshofer. Essenziell für ihre Firma sei die Partnerschaft mit der Kloepfel Group. „In der Kloepfel Group arbeiten 250 Einkaufsexperten, auf die Procfit zugreifen kann“, so Königshofer. „Das heißt, wie es das Projekt verlangt, kann ich die entsprechenden Kloepfel Einkäufer auf die Procfit Projekte setzen, egal ob es um Lebensmittel, Bekleidung, Verpackung, Spritzguss oder Elektronik geht.“ 700 Einkaufsprojekte hätte man bereits durchgeführt.

Der Fall Amabrush

Ein illuster Fall auf der Kundenliste von Procfit ist Amabrush – jenes millionenschwere Crowdfunding-Projekt, das Käufern eine „10-Sekunden-Zahnbürste“ verspricht. Doch wegen Mängeln und verspäteter Lieferung hat der Verbraucherschutzverein (VSV) rund 1.200 Beschwerden gegen Amabrush erhalten, und zwar aus den Ländern Österreich, Schweiz, Deutschland, Dänemark, Italien, den NiederlandenGroßbritannien und den USA. Möglich ist eine Klage gegen Amabrush.

„Wir haben Amabrush bis September 2018 begleitet, dann war unser Job erledigt“, sagt Königshofer. Der gesamte Erfolg jedes Projekts hänge „natürlich letztendlich von vielen Komponenten“ ab, doch sie sieht Amabrush „absolut am richtigen Weg“. Wie sie das meint? „Was ich damit meine, dass sie am richtigen Weg sind, ist, dass sie nicht aufgeben, weitermachen und die technischen Zeichnungen und die Qualität in den letzten Monaten enorm verbessert haben.“

Ob Amabrush aus der Bredouille herauskommt, muss sich aber noch zeigen.

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