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Privacy-Startup Safing: „VPN und TOR sind aus dem letzten Jahrtausend“

© Safing.io

Eine Software, die sich im Auftrag der Privatsphäre und damit auch des Schutzes der Demokratie sieht: Mit Safing ist 2017 ein Startup aus Baden in Niederösterreich an den Start gegangen, dass die Daten von Computer-Nutzern schützen und verschlüsseln will, bevor sie in die Weiten des Internet wandern und dort möglicherweise missbraucht werden. „Safing Privacy Network“ (SPN) nennen die Gründer die Software, die es besser machen soll als VPNs oder das berühmt-berüchtigte TOR-Netzwerk zur Anonymisierung im Netz.

„VPN und TOR sind aus dem letzten Jahrtausend“, sagt Raphael Fiedler im Gespräch mit Trending Topics. Sicher könne man mit einem „Virtual Private Network“ seinen Internet-Verkehr über verschiedenen Server leiten und so die eigene Herkunft verschleiern. Und sicher könne man mit „The Onion Router“ seine Spuren im Netz verwischen. Doch viele VPNs seien nicht vertrauenswürdig, weil die Betreiber die Surf-Daten einsehen könnten, und das TOR-Netzwerk sei nicht eben benutzerfreundlich und hätte seine eigenen Tücken.

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Derzeit „eher wie ein Adblocker“

Mit seinen Mitgründern Daniel Hovie und David Gunnarson will es Fiedler besser machen und eine Software schaffen, die nutzerfreundlich digitale Privatsphäre auf den Computer bringt. SPN soll etwa dafür sorgen, das Tracking-Mechanismen in Software ausgehebelt wird und der Nutzer Einblick in die Netzwerk-Aktivitäten seines Computers bekommt. Das geht zwar auch mit Browsern und Plugins wie Disconnect oder Ghostery, aber eben nicht immer System-weit.

Allerdings ist das für eine relativ kleine Firma wie die Safing ICS Technologies GmbH auch eine Mammutaufgabe. Dementsprechend langsam kommt das siebenköpfige Team auch nur voran. 2017 gegründet, liegt die SPN-Software derzeit nur in einer Closed-Alpha-Version für etwa 500 ausgewählte Nutzer vor. „Wir sind noch nicht fertig“, erklärt Fiedler. Derzeit würde die Software „eher wie ein Adblocker“ funktionieren und noch einige zentrale Funktionen vermissen. Ende 2021 will man eine Beta-Version auf den Markt bringen.

Geld ist aber schon sehr viel in das Projekt geflossen – und zwar etwa 1,2 Millionen Euro. Neben Förderungen durch die FFG und der European Space Agency (ESA) haben die Gründer auch selbst viel Geld in die Hand genommen – insgesamt etwa 500.000 Euro, die vielen eigenen Arbeitsstunden noch gar nicht mit einberechnet. Um den Internetverkehr für die Nutzer künftig sicher zu machen, will Safing ein eigenes Netzwerk an Servern aufbauen, auch das wird viel Geld kosten.

„Wir wollen kein WhatsApp sein“

Eine große, offene Frage ist auch der Mobile-Bereich. Das SPN gibt es derzeit nur für Windows, nicht aber Mac, iPhone und Android. „Am iPhone ist das Problem nicht so groß, aber bei Android gibt es sicher Bedarf“, sagt Fiedler. Doch mit einer Android-App könne man frühestens 2023 rechnen, vorher hätten andere Dinge Priorität.

Wie schnell die junge Firma künftig vorankommen wird, hängt einerseits mit dem Funktionieren des geplanten Geschäftsmodells (die Premium-Version soll 10 Euro pro Monat kosten) und andererseits mit den Möglichkeiten zu weiteren Förderungen zusammen. Denn mit Investoren haben es die drei Gründer nicht so. Investoren will man, so die Firmenphilosophie, maximal fünf Prozent des Unternehmens geben, alles andere würde das Vertrauen der Nutzer in die Software unterminieren. Die Finanzierung hat das Startup auf der Webseite offengelegt, genauso wie den Source Code der Software. Fiedler: „Wir wollen kein WhatsApp sein, das dann an Facebook verkauft.“

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