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Portal: Wiener Gründer starten NFT-Marktplatz für digitale Kunst mit Kryptowährungen

Digitale Kunstwerke bei Portal. © Peter Kogler / Linn Phyllis-Seeger / Markus Oehlen, Montage Trending Topics
Digitale Kunstwerke bei Portal. © Peter Kogler / Linn Phyllis-Seeger / Markus Oehlen, Montage Trending Topics

Die Kunstwelt ist in Aufruhr. Während weltweit Lockdowns dafür sorgen, dass Vernissagen und Ausstellungen nicht stattfinden können, haben sie Online-Marktplätze für so genannte Non-Fungible Tokens (NFTs) aus der Nische heraus in den Mainstream gearbeitet. Nifty Gateway etwa kooperiert derzeit mit dem traditionsreiches Auktionshaus Sotheby’s. Und Christie’s sorgte kürzlich mit dem spektakulären Verkauf eines Beeple-NFTs für viele Millionen Dollar für sehr viel Aufsehen.

Zwei österreichische Gründer wollen jetzt in dem neuen Markt mitmischen und haben mit Portal eine neue Online-Plattform für NFTs gestartet, die die Künstler und ihre wirtschaftlichen Interessen in den Mittelpunkt stellt. Alban Zerweck-Zapke, der zuvor für Star-Investor Peter Thiel (u.a. Bitpanda) tätig war, und der Wiener Künstler Leander Leutzendorff stellen im Wochentakt neue Künstler vor, deren Arbeiten über Portal veröffentlicht und auch gleich gekauft werden können. Den Anfang machen Peter Kogler, Linn Phyllis-Seeger und Markus Oehlen.

Im Interview mit Trending Topics erläutert Zerweck-Zapke das Geschäftsmodell von Portal für die Künstler, gibt Einblicke in den aktuellen NFT-Hype und erklärt, wie sich die Plattform von anderen NFT-Marktplätzen unterscheiden soll.

Trending Topics: Wer steckt nun genau hinter Portal, welches Unternehmen bzw. welche Initiative ist es?

Alban Zerweck-Zapke: Portal wurde von Leander Leutzendorff und mir im Frühjahr 2021 ins Leben gerufen, um eine Brücke zwischen Technologie und Kunstwelt zu schlagen. Die Hintergründe der beiden Gründer verkörpern diese Mission. Ich habe angewandte Mathematik an der Columbia University in New York studiert, arbeitete später für US-Investorlegende Peter Thiel sowie für die Boston Consulting Group (BCG), habe mich dort stark mit der Blockchain-Technologie auseinander gesetzt und baute über die Jahre ein weites Netzwerk an Technologie-Pionieren und Entwicklern in diesem Bereich auf.

Leander studierte an der Filmakademie Wien und dann an der Akademie der bildenden Künste Malerei. In seiner Künstlerischen Praxis beschäftigt er sich mit unterschiedlichen Medien wie Performance, Film und Malerei. Als freischaffender Künstler versteht er die Tücken und Nuancen des Kunstmarktes und beschäftigt sich schon geraumer Zeit mit alternativen Lösungsansätzen.

Unterstützt wird das Projekt von einer Reihe an BeraterInnen, die das Netzwerk in der Kunstwelt als auch Rat zur technischen Umsetzung beisteuern. Diese ziehen es vor, zunächst anonym zu bleiben. So verbindet das Unternehmen das nötige technische Know-how und Affinität für die Kunstwelt um das beste aus beiden Welten zu kombinieren.

Wie funktioniert das Geschäftsmodell? Wenn NFTs versteigert werden, gibt es einen Revenue Share zwischen Plattform und Künstler? Wie wird verkauft – gegen ETH oder auch Fiat?

Die Plattform nimmt 2 Prozent von jeder Transaktion, die über die Plattform geschieht, sei es ein Primär- oder Sekundärverkauf. Eine bahnbrechende Neuerung für KünstlerInnen ist, das in den Smart Contracts eingebaute Royalty-System. KünstlerInnen erhalten den vollen Verkaufspreis (-2%) eines Primär-Verkaufs und automatisch einen frei wählbaren Prozentsatz (typischerweise zwischen 10 und 20%) von jedem weiteren Sekundärverkauf.

Dies ermöglicht es Künstlerinnen, auch an zukünftiger Wertschöpfung ihrer Werke teilzuhaben. Diese ist nicht wie bislang vollkommen den Auktionshäusern und Galerien überlassen. Derzeit sind Zahlungen nur über Kryptowährungen möglich. Fester Bestandteil unseres Entwicklungsplanes ist es, die Zahlungsabwicklung so zu abstrahieren, dass es keiner Kryptowährungen bedarf und die Zahlung auch über eine herkömmliche Kreditkarte getätigt werden kann.

Beeple: NFT wird in Kunstauktion um 69 Mio. Dollar verkauft

Wodurch wollt ihr euch von anderen, bereits etablierten NFT-Marktplätzen unterscheiden?

Es gilt zunächst zu betonen, dass wir uns in einem sehr frühen Stadium dieser neuen Technologie befinden und dass sich noch kein eindeutiger Marktführer etabliert hat. Die existierenden Plattformen haben alle etwas gemeinsam, nämlich dass sie eine generische Lösung für den Kunstmarkt herbei führen wollen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn die Gründer dieser Plattformen stammen alle aus der Krypto-Welt. Man kann aus dem Kunstmarkt aber kein zweites Amazon machen. Kunst existiert in ihrer eigenen Domäne und digitale Räume müssen um sie herum gebaut werden, nicht umgekehrt.

Wir haben den Vorteil, dass wir eng mit einer wachsenden und diversen Gruppe an KünstlerInnen zusammenarbeiten, ihre Arbeiten in einen kunsthistorisch relevanten Kontext einbetten und unsere Plattform in erster Linie um die Kunst selbst bauen wollen. Ziel dabei ist, dass sich KünstlerInnen ihren eigenen digitalen Raum bei uns vollkommen selbstständig einrichten und ihre Kunst darüber unabhängig, sicher und transparent vertreiben können.

Die enge Zusammenarbeit mit unserem Netzwerk an KünstlerInnen hat den weiteren Vorteil, dass Arbeiten entwickelt werden können, die über das einfache Hochladen von jpgs, wie auf vielen anderen Plattformen, hinausgeht. Wir sind bereits dabei, mit dem NFT-Ansatz ganz neue Möglichkeiten für Konzept-, Performance-, Literatur-, Musik KünstlerInnen auszuloten. Das ist eine wichtiger Aspekt, in dem wir anderen Technologie-zentrierten Plattformen voraus sind, weil sie weder das Netzwerk noch ein eingehendes Verständnis der Kunstwelt besitzen.

Wie erklärt ihr NFTs Menschen, die mit Blockchain nichts am Hut haben?

Eine einfache Analogie für ein NFT ist die eines Zertifikats oder einer Urkunde, die jedoch auf einem fälschungssicheren und unabhängigen System liegt, einer Blockchain, und dadurch noch weitere einzigartige Eigenschaften hat wie direkte Transferierbarkeit, allgemeinen Zugang sowie vollkommene Transparenz über Herkunft und Eigentum ohne dass es einen Mittelsmann bedarf. Der Name Non-Fungible-Token leitet sich davon ab, dass dieser Token, der das (geistige) Eigentum über ein Kunstwerk darstellt, einzigartig und unteilbar auf dieser Blockchain verewigt ist.

unstzertifikate gibt es bereits, aber sie dienen nur der herkömmlichen Kunstweltdynamik, da sie nach wie vor auf Vertrauen und den Verkauf durch dieselben Institutionen beruhen, die bereits den Kunstmarkt dominieren. Indem die Künstler ihre Kunst von ihrer eigenen Adresse aus auf einer Blockchain tokenisieren, werden all diese “Hilfs-” Funktionen obsolet, da Authentizität und Provenance gewährleistet und der Handel direkt über das Netzwerk durchgeführt werden kann.

NFTs sehen die einen als Zukunft der Kunstfinanzierung, die anderen als Hype, der schon wieder vorbei ist. Was begeistert euch an NFTs, warum sind diese so wichtig für euch?

Es besteht überhaupt kein Zweifel, dass sich NFTs in einer Hype-Phase befinden nachdem die Technologie einer breiten Masse zugänglich geworden ist und eine zunehmende Anzahl an KünstlerInnen mit diesem neuen Medium experimentieren.
Die Spekulationskomponente wirkt dabei als Verstärker, ein Phänomen das sich über die Jahre in der Krypto-Welt wiederholt hat und aufgrund der grundlegenden neuen Ansätzen die diese Technologie bietet auch in Zukunft zu erwarten ist. Unabhängig davon halten wir den Hype aber für etwas Gutes, da er uns die nötige Aufmerksamkeit bei einer altmodischen und von Technologie bislang unberührten Kunstwelt verschafft.

Der Hype wird vergehen, aber der Mehrwert, den NFTs vor allem KünstlerInnen langfristig bietet, wird dafür sorgen, dass diese einen immer größeren Bestandteil der Kunstwelt in Zukunft ausmachen werden. Indem wir eng mit jungen als auch etablierten KünstlerInnen zusammenarbeiten, merken wir, dass diese vom NFT-Ansatz stark angezogen sind, da es ihnen zum ersten Mal ermöglicht, all das, was nach der Schöpfung eines Werkes geschieht und mit dem Kunstmarkt zusammenhängt, unter ihrer eigenen Kontrolle zu haben, ohne von Dritten abhängig zu sein.

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Wie können NFTs die Künstler denn unabhängiger von Intermediären der Kunstwelt machen?

Nicht nur erlaubt es ihnen darüber zu entscheiden wie sie ihre Kunst direkt an SammlerInnen und ihre Anhängerschaft fälschungssicher und unkompliziert vertreiben, sondern sie behalten auch den vollen Erlös ihrer Arbeiten (minus Transaktionskosten) und bei jedem Weiterverkauf ihrer Arbeiten ist ihnen ein Anteil davon algorithmisch zugesichert (z.B. 10% des Verkaufswerts). Wenn man das mit der herkömmlichen Kunstwelt vergleicht, dessen Währung die Intransparenz, Exklusivität und teils Margen von über 70 Prozent des Erlöses sind, öffnet dieser Ansatz eine vollkommen neue, fairere und selbstständigere Welt aus Sicht der KünstlerIn.

Mit einer diversen Gruppe an KünstlerInnen gemeinsam diesen neuen Ansatz und dessen Vorteile zu erkunden, motiviert uns ungemein, denn im Endeffekt stellen diese das Herzstück der Kunstwelt dar, und somit sollten sie auch den entsprechenden Anteil daran haben. Auf kurze Frist stellt es eine Alternative zu der Hegemonie von Galleristen und Auktionshäusern dar, auf lange Frist besteht eine gute Chance, dass es sich als Standard in der Kunstwelt etabliert, weil Künstler diesen Ansatz bevorzugen werden und dieser auch dem Anspruch einer zunehmend digitalen Welt gerecht wird.

MetaKovan: Die fantastischen Pläne des NFT-Großinvestors

Anmerkung: Aufgrund der großen Nachfrage können sich Interessierte direkt an alban@prtl.art wenden.

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