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Warum zahlt Visa 5,3 Milliarden Dollar für das Fintech Plaid? Es geht um APIs

© Photo by Webaroo.com.au on Unsplash
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5,3 Milliarden US-Dollar – das ist die Summe, die die Kreditkartenfirma Visa für ein für die meisten unbekanntes Fintech-Startup namens Plaid auf den Tisch gelegt hat. Plaid, 2013 von Zach Perret und William Hockey in San Francisco gegründet, ist so etwas wie das Rohrsystem der Fintech-Industrie geworden. Während andere Startups virtuelle Banken und andere Services bauen, ist die neue Visa-Tochter zum Integrator geworden und wird gerne mit anderen Startups wie Stripe oder Twilio verglichen.

„Dieser Kauf ist die natürliche Entwicklung der 60-jährigen Reise von Visa von der sicheren Verbindung von Käufern und Verkäufern zur Verbindung von Verbrauchern mit digitalen Finanzdienstleistungen“, heißt es seitens Visa zu der Milliardenübernahme. Plaid hat eine ganze Reihe an Kunden gewonnen, die alle im Fintech-Sektor agieren – unter anderem stehen Acorns, Betterment, Chime, Transferwise, Venmo oder Coinbase auf der Kundenliste.

Die Datenleitung im Hintergrund

Konsumenten merken von Plaid nichts, trotzdem sollen bereits ein Viertel aller Menschen, die in den USA ein Bankkonto haben, die Dienste des Fintechs benutzt haben. Denn Plaid bietet Entwicklern von Apps und anderen Finanz-Services die APIs an, mit denen sich Daten wie Transaktionshistorie oder Identität einfach von A nach B transferieren lassen. Verknüpft man etwa sein Bankkonto mit einer App für die Analyse seines Finanzlebens, so ist wahrscheinlich die Technologie von Plaid im Hintergrund dafür verantwortlich, dass die Daten in Echtzeit fließen können.

„Plaid ist ein führendes Unternehmen in der schnell wachsenden Fintech-Welt mit den besten Fähigkeiten und Talenten seiner Klasse. Die Akquisition, kombiniert mit unseren vielen bereits laufenden Fintech-Bemühungen, wird Visa in die Lage versetzen, Entwicklern, Finanzinstituten und Verbrauchern noch mehr Wert zu bieten“, so Visa-CEO Al Kelly zum Kauf.

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APIs ab 200 Euro/Monat

Weltweit sollen etwa 2.600 Fintechs auf Plaid setzen, um sich selbst viel Entwicklungsarbeit zu sparen. Ab 200 Euro pro Monat kann man die APIs nutzen, je nach Volumen und Nutzer wird es schnell mehr. Ob Plaid bereits profitabel wirtschaftet, ist nicht bekannt. Investoren setzten vor der Übernahme durch Visa jedenfalls viel auf das San-Francisco-Startup und investierten insgesamt mehr als 350 Millionen Dollar bei einer Bewertung von zuletzt 2,65 Milliarden Dollar. Visa, wie Mastercard bereits als Investor an Bord, hat diese Bewertung nun verdoppelt.

Wachstumsmöglichkeiten für Plaid gibt es vor allem in Europa. Durch die im September 2019 gestartete PSD2-Richtlinie ist der Weg frei für so genanntes Open Banking. Dabei geht es darum, dass Kontoinformationsdienste und Zahlungsauslösedienste bei Zustimung des Nutzers auf sein Bankkonto zugreifen dürfen, um etwa seine Transaktionen zu analysieren. Plaid mit seinen einfach zu nutzenden APIs kann da eine wichtige Rolle spielen, um die Dienste und die Daten miteinander zu vernetzen.

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Digitale Banken „zusammen stöpseln“

Wie berichtet, sagen Beobachter dem Fintech-Sektor eine große Zukunft voraus. In Europa wurde 2019 in kein anderes Startup-Vertical so viel Geld investiert wie in Fintech-Startups. “APIs werden Banking auf den Kopf stellen, die sind wie Lego“, sagte Nigel Walder, Chief Operating Officer von ClearBank, im Rahmen der Tagung „Digital Difference in Banking“ in London vergangenes Jahr. Künftig werde man sich eine digitale Bank einfach über APIs selbst zusammen stöpseln können.

Der Wiener Web-Spezialist Franz Enzenhofer, der eine Zeit lang für das britische Fintech Curve tätig war, geht davon aus, dass das Verknüpfen von digitalen Services gar eine neue Berufsgruppe werden kann. Automatoren, Integratoren, Connectoren (m/w/d) wird als eigene Berufsgruppe entstehen und sich drum kümmern. „Die Welt der Services, Tools und Software ist fragmentiert. Diese sind a priori nicht miteinander verbunden. Services als auch spezielle Skills werden entstehen, diese miteinander zu verbinden und zu integrieren“, so Enzenhofer kürzlich in einem Gastkommentar auf Trending Topics.

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