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Mut zum Pivot: Wie Gründer durch die Krise kommen

Charles Darwin’s „Survival of the Fittest“ wird of falsch verstanden. Es bedeutet nicht, dass die Stärksten überleben, sondern die, die sich am besten anpassen. Die Corona-Krise hat das ebenfalls gezeigt. Jene Unternehmer, die sich rasch auf die komplett neue Situation einstellen konnten, sind oft am besten durchgekommen.

„Junge Gründer können auf eine Krise oft viel schneller reagieren als Bestandsunternehmen. Es hängt oft an den Persönlichkeiten, die die Kraft haben, die schnelle Anpassung an neue Gegebenheiten voranzutreiben“, sagt Birgit Polster, Spezialistin beim GründerCenter & Förderservice der Erste Bank. Während der COVID-Pandemie hat sie mit zahlreichen Gründern und Startups zusammen gearbeitet, um diese durch die Krise zu bringen. Vier Beispiele aus unterschiedlichen Branchen zeigen, wie es gelingen kann.

 

Shaped by iB:
Durchbeißen statt jammern

Bis zu 1.000 Kalorien in weniger als einer Stunde verbrennen – das verspricht das Workout des Wiener Fitness-Startups Shaped by iB. Angetrieben von knackigen Beats und motivierenden Trainer, absolvieren die Teilnehmer in Kleingruppen ein so genanntes „High-Intensive Interval Training“ (HIIT). Erst kurz vor der Corona-Krise von Thomas Kreuzhuber, Ivo Buchta und Christian Szalay gegründet, lockte das innovative Fitnessstudio mit Standort Wiener Badeschiff schnell Prominente und Models an – bis Corona zuschlug.

„Der Bereich Fitnessstudios gehörte zu den am stärksten von Corona betroffenen Geschäftsbereichen. Wir hatten seit März 2020 mit Unterbrechungen fast 12 Monate keine Einnahmen aus dem Studiobetrieb“, erzählt Geschäftsführer Georg Kovacic. „Wir haben die Krise aus drei Gründen überlebt: Erstens haben wir nicht angefangen uns zu beschweren oder zu jammern, wir haben sofort als motiviertes Startup-Team agiert und nach Lösungen gesucht, diese Krise zu überstehen. Zweitens waren wir innovativ und haben umgehend neue Möglichkeiten entwickelt, um alternative Einnahmen zu erzielen. Und drittens haben wir von unseren Partnern und vom Staat die notwendige Unterstützung erhalten, um durch diese schwierige Zeit zu kommen.“

Die Shaped by iB-Gründer Thomas Kreuzhuber, Ivo Buchta und Christian Szalay. © Shaped by iB
Die Shaped by iB-Gründer Thomas Kreuzhuber, Ivo Buchta und Christian Szalay. © Shaped by iB

Und das ging so: Weil die Trainings während der Lockdowns nicht mehr angeboten werden konnten, wurde innerhalb von wenigen Wochen eine Online-Plattform aufgebaut und die Trainingsangebote ins Netz gestellt. Gegen eine monatliche Gebühr können Kunden verschiedene Trainingsangebote nutzen und wie im Studio mit den Trainern zuhause trainieren – entweder im Rahmen eines Live-Workouts oder on Demand mit über 150 verschiedenen Trainingsvideos. in unterschiedlichen Intensitätsstufen. Auch nach Ende der Lockdowns zahlt sich die Online-Plattform aus. „Die Online-Plattform ist immer noch gut besucht, da auch viele Sportler, die nicht in Wien oder Umgebung wohnen, nach wie vor mit uns online trainieren“, sagt Kovacic.

Wichtiger Partner in der Krise war das GründerCenter der Erste Bank. „Die Zusammenarbeit mit dem GründerCenter war ausgezeichnet und sie hat es uns erst ermöglicht, trotz der schwierigen Situation zu expandieren und unser zweites Studio in Angriff zu nehmen“, so Kovacic. „Obwohl niemand wusste, wann der Studiobetrieb wieder möglich sein wird, hatten wir die volle Unterstützung erhalten und konnten nach einer durch Corona erschwerten Bauphase am 3. Juli unser zweites Studio in der Taborstraße eröffnen.“ Inzwischen sei der Studiobetrieb wieder langsam angelaufen und man könne nun „sehr zuversichtlich“ in die Zukunft blicken.

 

Der scharfe Rene:
Hungrig auf mehr

In Wien ist der Scharfe Rene eine Institution. Der Würstelstand von Unternehmer Rene Kachlir wird regelmäßig zu den besten des Landes gewählt, auch Bank-Chefs, Startup-Gründer und Investoren zähle zu seinen Gästen. Die Lockdowns der Corona-Krise trafen aber auch Kachlir hart, Umsatzeinbrüche waren die logische Folge. Dabei gab es aber Nachfrage – Stammgäste wollten sich mit Kachlirs eigenen Wurstkreationen sogar beliefern lassen.

Würstelstandler Rene Kachlir. © Rene Kachlir
Würstelstandler Rene Kachlir. © Rene Kachlir

“Da hab ich mir gedacht: Warum die Würstel nicht gleich in den Supermarkt bringen und so eine zweite Einnahmequelle aufmachen?”, sagt Kachlir, seit 2005 Würstelstand-Unternehmer. Über Investor Heinrich Prokop gelangte er an ein Startup-Ticket von REWE und der Erste Bank, und dann ging es schnell: Wenige Monate später (rechtzeitig zur Grillsaison) sind Käsekrainer, Bratwurst, scharfe Burenwurst und zwei Saucen mit “Scharfer Rene”-Branding in 500 Supermärkten zu finden.

“Ich mache so deutlich mehr Umsatz, als ich in der kurzen Zeit mit dem Würstelstand machen könnte, und natürlich viel mehr Reichweite über die Supermärkte”, sagt Kachlir. Das Gründercenter der Erste Bank hatte dem Würstelstand-Einzelunternehmer bei der Gründung einer eigenen Handels GmbH unterstützt und ihm dann auch den Überziehungsrahmen gegeben, um die Vorproduktion der Würste zu finanzieren. „Sowohl REWE als auch mein Coach Jörg Tomantschger von Clever Clover und das GründerCenter: Es waren alle super freundlich und haben mich an der Hand genommen. Da hat jeder mitgeholfen, dass das eine Erfolgsgeschichte wird.“

 

Bike Gorillaz:
Auf E-Mobilität umgesattelt

Sie sind zwar teuer, aber in der Corona-Krise und durch die Mobilitätswende ein absoluter Renner: E-Bikes. Die teuren Elektro-Fahrräder sind allerdings ziemlich kostspielig und nicht für alle leistbar. Das Wiener Startup Bike Gorillaz von Arjun Ahluwalia und Nikolaus Mautner Markhof hat es geschafft, die Preishürde aus dem Weg zu räumen. Der Weg: Österreichs erstes E-Bike-Abo. Ahluwalia, bisher im Agenturgeschäft unterwegs, nutzte die Corona-Krise zu seinem Vorteil aus, und sattelte auf das Zukunftsgeschäft der E-Mobilität um.

Nikolaus Mautner Markof und Arjun Ahluwalia von Bike Gorillaz. © Bike Gorillaz
Nikolaus Mautner Markof und Arjun Ahluwalia von Bike Gorillaz. © Bike Gorillaz

Zum monatlichen Fixpreis inklusive Kosten für Versicherung, Wartung und dem Hol- bzw. Bringservice können sich Kunden Elektrofahrräder bei Bike Gorillaz mieten – und dann auch wieder abgeben, wenn sie sie nicht mehr wollen. Dass die beiden Gründer 2021 erfolgreich starten konnten, ist auch ein wenig Glück. Denn sie hatten bereits 500 E-Bikes bei Herstellern vorbestellt und eine volle Pipeline, während andere mit Lieferengpässen kämpften.

Im GründerCenter der Erste Bank haben die Bike Gorillaz den starken Partner gefunden, der dabei half, die vorbestellten Fahrräder (ein beträchtliches Vorab-Investment) zu finanzieren. “Ich muss die Erste Bank sehr loben, die an unsere Idee und an das Gründerteam geglaubt haben und kritische Fragen zum Businessplan gestellt haben”, so Ahluwalia. “Da wurden wir wirklich wie Partner behandelt und nicht wie Bittsteller. Und das ist etwas, dass man aktuell, und ich bin schon lange Unternehmer, kaum von einer Bank erwarten kann. Die Erste Bank war mit ihrem GründerCenter wirklich sehr hilfreich, um uns weiter zu bringen.“

 

 

MA Homeoffice:
Neues Büro per Plug and Play

MA kommt aus dem Japanischen und steht für einen leeren Raum, in dem sich der Mensch entfalten kann und im Mittelpunkt steht. Dieses Konzept ist die Namen gebende Grundlage für das niederösterreichische Startup MA Homeoffice. Der Architekt Gregor Pils, Immobilienspezialist Fabian Weidinger und Erwin Stricker, Gründer der Cleen Energy AG, haben sich zusammen getan, um das „innovativste Home-Office-Konzept der Welt“ zu schaffen. So kann man sich innerhalb weniger Stunden einen neuen Raum bezugsfertig im Garten aufstellen lassen. Strom, Wasser anschließen, Internet aktivieren – fertig ist das Plug-and-Play-Home-Office. Kostenpunkt: etwa 90.000 Euro inklusive Transport und Fundamentierung (Möbel nicht enthalten).

© MA Homeoffice
© MA Homeoffice

„Für zündende Ideen brauchen man einen Ort, wo man Ruhe hat, abseits des Trubels“, sagt Pils. „Wir schaffen einen Kreativraum, der Menschen in jenen Zustand versetzen kann, in dem sie zu ihren Visionen kommen.“ Ausgestattet mit hochwertigsten Materialien, Wärmepumpe, Klimaanlage, Teeküche mit Kühlschrank, Garderobe, Zutrittskontrolle und großer Fensterfront für den Ausblick, richtet sich MA Homeoffice ans mittlere und obere Management sowie an Unternehmen und Hotels, die schnell hochwertige neue Arbeitsumgebungen schaffen wollen.

„Viele Menschen haben den Wert eines Raums, in den man sich zurückziehen kann, während der Pandemie erkannt. So hat uns die Corona-Krise Rückenwind gegeben“, sagt Pils. Und: Das junge Startup, das in einem burgenländischen Werk fertigt, hat mit dem GründerCenter der Erste Bank auch einen starken künftigen Partner, was die Finanzierung angeht. “Das GründerCenter unterstützt uns dabei, ein zukünftiges Mietmodell für die MAs zu entwickeln. Das ist nicht trivial für ein junges Unternehmen, und da sind Experten an der Seite sehr, sehr wichtig“, so Pils.

2021 läuft das Geschäft nach längerer Entwicklungszeit richtig an. Dass erste MA steht bereits in der Linzer Tabakfabrik, das zweite wird im Herbst bei einem Konzern im italienischen Modena seine neue Heimat finden. Insgesamt werden zur strategischen Positionierung 2021 noch 5 Häuser gebaut, 2022 wird es eine limitierte Stückzahl von 25 geben – und 2023 sind dann 40 MAs geplant.

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