Viele bunte Bilder

Pinterest muss sich selbst finden: „Wir sind kein Social Network, sondern eine visuelle Suchmaschine‘

Auch ein zwei Ryan-Gosling-Bilder könnten sich auf Pinterest finden. © Pinterest
Auch ein zwei Ryan-Gosling-Bilder könnten sich auf Pinterest finden. © Pinterest

Digitale Bilder mittels „Pin“ sammeln, sie an die Online-Freunde per „Repin“ weiterleiten und sich zu Onlineshops weiterleiten lassen: Die Onlineplattform Pinterest hat sich auch im deutschsprachigen Raum zu mehreren Millionen monatlich ­aktiven Nutzern aufgeschwungen. Im Silicon Valley mit etwa elf Milliarden US-Dollar bewertet und mit Risiko­kapital von mehr als einer Milliarde ­US-Dollar ausgerüstet, treibt Pinterest nun sein Europa-Geschäft voran – und arbeitet auch an der eigenen Wahrnehmung. „Wir sind kein Social Network, sondern eine visuelle Suchmaschine“, sagt Jan Honsel, der seit August 2014 als D-A-CH-Country-Manager der Internetplattform fungiert und zuvor bei Gruner + Jahr unter anderem das Magazin Business Punk mitgründete. Die Nutzer, so Honsel, würden Pinterest vor allem dazu nutzen, um nach Produkten oder Dienstleistungen (von der Couch bis zum Kochrezept) zu suchen beziehungsweise diese zu entdecken und anschließend in eigenen Bildersammlungen zu sortieren. Von den Fotos – am beliebtesten sind die Kategorien „Food“, „Do It Yourself“, „Fashion“ und „Home Decoration“ – können sich Nutzer per Klick auf Webseiten von Dritten weiterklicken, wo es passend zu den „angeteaserten“ Fotos Artikel oder Kaufmöglichkeiten gibt. „Das sind alles Kategorien, in denen die Digitalisierung erst spät eingesetzt hat“, sagt Honsel über die Präferenzen der User. Noch vor wenigen Jahren etwa sei das Bestellen von Möbeln im Internet für viele  schwer vorstellbar gewesen, heute ist es aber ­bereits gang und gäbe.
woman.at als erster Partner

Weiblich und mobil

Die Reichweite, die Pinterest seit dem Start 2010 weltweit aufgebaut hat, ist beachtlich: Monatlich besuchen mehr als 70 Millionen User den Webdienst, 80 Prozent davon mobil, wiederum 80 Prozent davon via Smartphone. Die Besonderheit: Je nach Region sind 60 bis 65 Prozent der User weiblich – eine spannende Zielgruppe. Und so ist es nicht erstaunlich, dass woman.at der Verlagsgruppe News der erste österreichische Partner von Pinterest ist. „Wir helfen den Partnern, mehr Visibilität für ihre Inhalte zu bekommen“, so Honsel. Die Partnerschaft, bei der kein Geld fließt, sieht vor, dass Pinterest ­woman.at dabei unterstützt, möglichst viel Reichweite mit Inhalten bei den Nutzern zu erzielen, die in der Regel zu Online-Artikeln der Webseite führen. Im Gegenzug bewirbt woman.at die relativ neue Marke Pinterest über die eigenen Kanäle. Beide Marken versprechen sich davon, bei der jeweils anderen Nutzerschaft höhere ­Bekanntheit zu erlangen.

Der VGN-Website wie auch anderen Betreibern von Online-Angeboten im deutschsprachigen Raum stellt Pinterest auch einen eigenen „Pin“-Button zur Verfügung, der ähnlich wie Facebooks „Share“-Knopf funktioniert. Wird er geklickt, wird das ­damit verknüpfte Bild bei Pinterest im Account des Users veröffentlicht. Die meisten Nutzer verwenden die Plattform aber eher dazu, sich durch die Bilderwelten zu klicken und Fotos ihren Sammlungen hinzuzufügen. Honsel zufolge stammen mehr als 90 Prozent der Bilder aus professionellen Quellen, etwa von Unternehmen oder ihren Brands, die die User ihre Produkte entdecken lassen wollen. „Content-Inhaber freuen sich eigentlich immer, wenn ihre Inhalte auf Pinterest verbreitet werden – etwa, weil ­Fotografen so zu mehr Aufträgen kommen“, sagt Honsel über mögliche Copyright-Probleme. Ängstlichen Usern rät er, nur Bilder bei Pinterest zu teilen, für die Publisher den „Pin“-Button anbieten. Für Webseitenbetreiber, die die Verbreitung ihrer Bilder auf Pinterest unterbinden wollen,  gibt es einen Code, der einfach in die eigene Webseite eingebaut werden kann. Durch die stark steigende ­Nutzung der Pinterest-App fließen außerdem immer mehr von Nutzern generierte Inhalte auf die Plattform. Die Urheberrechte bleiben beim User, doch muss er Pinterest eine „nicht ausschließliche, gebührenfreie, nicht übertragbare, nicht ­sublizenzierbare, weltweite Lizenz“ für die Fotos erteilen – was bedeutet, dass Pinterest die Bilder reproduzieren, ändern oder auch Arbeiten davon ­ableiten darf.

Native Ads ab 2016

Was derzeit nur Werbern in den USA vorbehalten ist: Sie können seit ­Beginn des Jahres sogenannte „Promoted Pins“, also native Werbeformate, bei Pinterest schalten, um so noch mehr Reichweite für ihre ­Inhalte zu bekommen. Das Targeting erlaubt, die Werbung gemäß den Interessen, dem Geschlecht oder den Suchwörtern der User abzustimmen. Honsel rechnet damit, dass die „Promoted Pins“ frühestens 2016 in Österreich und Deutschland verfügbar sein werden – zuvor gilt es, die eigene Reichweite zu pushen und möglichst viele Partner auf die Plattform zu holen, um immer frischen Content für die User bereitstellen zu können.

Dass es bei Pinterest nicht bei nativer Werbung bleibt, zeigt der Deal mit Apple, den man im Februar 2015 geschlossen hat. Der iPhone-Konzern darf seither Vorschläge zu Apps mit direkter Download-Möglichkeit unter die Bilder mischen. Wenn Apple künftig App-Publisher dafür zahlen lässt, um in die Vorschläge aufgenommen zu werden, könnte Pinterest Provision bekommen. Ähnliches Potenzial birgt der Traffic, den man Onlineshops liefert. Auch Facebook und Twitter experimentieren mit einem „Buy“-Button, analog dazu könnte Pinterest eine Vermittlungsgebühr von Shop-Betreibern kassieren, wenn User angeklickte Produkte dann auch kaufen.

Springe zu:

Be smart and nice ;)

Ganzen Artikel lesen