Interview

Pia Poppenreiter vom Start-up Ohlala: „Es gibt unheimlich viel Potenzial in dem Sex-Tech-Markt“

Pia Poppenreiter. © Laura Jost

Wenn der Name Pia Poppenreiter fällt, dann verbindet man das in der deutschsprachigen Start-up-Szene mittlerweile sofort mit Sex. Denn die 28-jährige gebürtige Österreicherin hat mit Ohlala nach Peppr mittlerweile das zweite Start-up ins Leben gerufen, dass sich dem Thema bezahlter Sex, der via Internet vermittelt wird, widmet. Hat sich Poppenreiter mittlerweile wegen Meinungsverschiedenheiten vom Peppr-Team getrennt, arbeitet sie derzeit mit Mitgründer Torsten Stüber und einem insgesamt sechsköpfigen Team an der Ohlala-App (derzeit im Mobile Web, eine iPhone-Version ist in Arbeit), über die bezahlte Dates gebucht werden können – der Mann zahlt für die Frau. Anders als bei Peppr geht es dabei aber nicht nur um Sex, sondern es können in den privaten Chats zwischen Anbieter und Kunde auch andere Aktivitäten vereinbart werden – etwa ein gemeinsames Dinner oder ein Tanzabend.

Die Idee hat bei einer Gruppe an Investoren – Dewald Holding, Andreas Hoffelder, Kodama UG, Daniela Klenke, Grashopper Holding, sowie der Ertler Holding aus Österreich – Anklang gefunden. In einer Seed-Runde wurde ein sechsstelliger Betrag in das Start-up gepumpt, 2016 will man mit der Monetarisierung beginnen.

Du hast Anfang 2014 mit Peppr einen Online-Vermittlungsdienst für Prostituierte gemacht, jetzt mit Ohlala einen Online-Service für bezahlte Dates gelauncht. Welche Grundüberlegungen verfolgst Du bei diesen Projekten?

Poppenreiter: Peppr.it war ein erster guter Versuch in einem Markt, den wir nicht kannten. Es war ein erster, cleverer Ansatz, aber nicht raffiniert genug. Ich habe mir die Zahlen angesehen und daraus ein Konzept abgeleitet, von dem ich glaube, dass es funktionieren kann. Das ist jetzt Ohlala.com.

Wie unterscheiden sich die beiden Start-ups konkret?

Peppr ist eine App für Sexarbeiter, wo man als Kunde direkt eine Anfrage stellen kann, und wo die Leute sehr offen und freizügig ihre Dienstleistungen zur Schau stellen. Bei Ohlala hingegen sorgen wir für Anonymität, indem wir Profile schützen und nicht öffentlich zeigen. Außerdem wollen wir dazu motivieren, dass man sich möglichst schick präsentiert, nicht nur nackte Haut zeigt und keine expliziten Fotos verwendet. Bei uns gilt das Motto: „Lieber angezogen, als ausgezogen!“

Bei Ohlala wird es am Ende dann aber doch sehr oft um bezahlten Sex gehen.

Es kann, aber muss nicht. Das ist genau das Prinzip der Anonymität. Die Nutzer können sich ein Abendessen ausmachen oder ein Sex-Date. Egal was es ist, die Abmachung wird privat zwischen zwei Nutzern gemacht.

Gibt es schon Erfahrungswerte, wie Ohlala genutzt wird?

Selbst wenn wir diese Zahlen hätten, wären sie trotzdem streng geheim.

Bei Deinen Projekten widmest Du Dich immer Sex, womit Du sehr oft aneckst. Warum siehst Du gerade dieses Thema als disrupionsfähig an?

Die erste Idee ist ja nach 2-3 Gläsern Wein entstanden, und als ich dann aus Spaß zu recherchieren begonnen habe, habe ich gesehen, dass es unheimlich viel Potenzial in dem Sex-Tech-Markt gibt. Da trauten sich bisher nicht viele ran. Das hat mich angespornt!

Was genau willst Du mit deinen Services innovieren, wo sind die Knackpunkte?

Sehr viel, was man in dieser Branche findet, ist ziemlich Neunziger. Es ist oft schmuddelig, dreckig, und ich finde, dass man Sexdienstleistungen oder bezahlte Dates auch auf einer neutralen Plattform bieten kann, die nicht in das Schmuddeleck abdriftet. Außerdem findet man in dem Markt immer noch klassische Anzeigenmodelle, aber keine ausgereiften Buchungsprozesse, da gibt es Raum für Innovation.

Wie sieht die rechtliche Lage für Nutzer aus, die über Ohlala Sex gegen Bezahlung anbieten?

Wir wissen ja nicht, was passiert, das ist ja eine private Sache zwischen zwei Leuten.

Aber wenn, fällt das dann unter das Prostitutionsgesetz? Muss man sich diesbezüglich als Anbieter rechtlich informieren?

Wenn ja, dann rein theoretisch ja. Aber wir wissen ja nicht, was sich die Nutzer ausmachen, deswegen kann ich dazu keine konkrete Aussage treffen.

© Spreefang
© Spreefang

Wie funktioniert das Geschäftsmodell von Ohlala?

Wir testen derzeit sehr viel und sehen uns etwa Buchungsprozesse genauer an. Das Payment abzuwickeln, wäre eine Möglichkeit von vielen, aber das ist noch Zukunftsmusik.

Ist die Expansion von Ohlala nach Österreich angedacht?

Österreich ist sicher ein spannendes Land, aber dort werden wir frühestens im ersten Quartal 2016 starten. In Deutschland gehen wir zuerst städteweise vor, um Angebot und Nachfrage balanciert aufbauen zu können. Wien steht erst nächstes Jahr auf unserer Roadmap.

In Österreich gibt es derzeit eine große Standortdiskussion in der Start-up-Szene, in der viele Wien als stark aufholbedürftig sehen. Warum hast Du Dich für Berlin entschieden?

Es kommt immer darauf an, in welchem Bereich man tätig ist. In unserem Fall ist Berlin der bessere Standort, weil Deutschland in dem Bereich sehr liberal ist. In Berlin hat man außerdem besseren Zugang zu Investoren und zu Talenten. Aber klar, Berlin ist Wien ja auch einige Jahre voraus, hier geht vieles schneller. Ich bin ja nach Berlin gekommen, nicht wegen der Gründung, sondern wegen dem Studium. Wegen der Gründung bin ich dann doch hier geblieben.

War es eine bewusste Entscheidung, in Berlin zu bleiben, um ein Start-up zu gründen?

Ja, das war es. Einen Vorteil in Wien sehe ich, dass es ruhiger ist. In Berlin gibt es extrem viele Veranstaltungen, die einen ablenken können. Man muss einfach immer schauen, wo es für das eigene Thema am meisten Sinn macht und wo es Synergieeffekte geben kann. Wenn man ein Tech-Produkt hat und sein Team nicht unbedingt schnell skalieren muss, dann kann es ein Vorteil sein, in Wien zu bleiben.

In Österreich gibt es auch eine Diskussion darüber, dass es in der Start-up-Szene zu wenige Frauen gibt. Siehst Du das als Problem?

In Berlin gibt es einige, leider wenige Frauen, die gegründet haben. Ein Start-up ist nicht jedermanns bzw. jederfraus Sache. Ich glaube, dass viele Frauen Sicherheit schätzen, und wenn man gründet, dann ist das eben volles Risiko. Dass es so wenige Gründerinnen gibt, kann auch daran liegen, dass so manches Vorurteil über Tech-Start-ups kursiert. Zum Beispiel muss man nicht zwingenderweise technische Fähigkeiten mitbringen und Code schreiben können, um ein Tech-Start-up mitgründen zu können.

Wie zuversichtlich bist Du, dass Ohlala funktionieren wird?

Wir haben viele Annahmen getroffen, und eine wurde schon bestätigt: Es gibt diesen Markt definitiv. Wir haben ziemlich viel Traction, und jetzt müssen wir schauen, wie wir damit umgehen.

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