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Phönix: Der Social Entrepreneur für Häftlinge

Ricardo Parger, Gründer von Phönix. © Robin Weigelt
Ricardo Parger, Gründer von Phönix. © Robin Weigelt

Häftlinge, das sind die Bösen hinter Gittern, die die Gesellschaft für ihre Verbrechen weggesperrt hat. Zu leicht vergisst man, dass auch diese Menschen Rechte haben und oft das Bestreben, sich für das Leben nach dem Knast zu rehabilitieren. Im Paragraph 43 Strafvollzugsrecht ist in Österreich festgeschrieben, dass jeder in Haft das Recht auf eine Stunde Bewegung, wenn möglich im Freien. Nun nimmt sich ein Social Startup mit dem Namen Phönix dem Thema und der Optimierung dieser einen Stunde an.

„Nach dem ersten Lockdown ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist, dass wir uns alle im Freien bewegen können“, sagt Ricardo Parger, selbst Jurist und neuerdings auch Sozialunternehmer. Ihm und seinem Mitgründer, dem Sportpädagogen und Sozialarbeiter Dominik Bachmeier, geht es um „Menschen im permanenten Lockdown“, als Menschen im Gefängnis. Mit dem Projekt Phönix Training for Life wollen die beiden es Häftlingen ermöglichen, regelmäßige Sport- und Bewegungstrainings hinter Gittern zu bekommen – und zwar nicht einfach Gekicke im Hof, sondern Training mit Anleitung und Betreuung.

Pilotprogramm von Phönix startet am 1. Oktober

Parger sieht das Programm, das erstmals ab dem 1. Oktober in der Haftanstalt in Korneuburg für 12 bis 15 Insassen abgehalten werden wird, als „Begleitung zurück in die Gesellschaft“. Sport, so meint er, helfe dabei, „Werte und Perspektiven vermitteln“. Er erwartet sich vom Sport-Training hinter Gittern positive Auswirkungen auf Psyche und physische Verfassung sowie eine Senkung der Rückfallquoten jener Kriminellen, die am Programm teilnehmen. „Vor allem die sozialen Elemente im Alltag sind es, die jemanden davon abhalten, das Gesetz zu brechen. Im Sport sehe eines der größten Potenziale“, sagt Parger.

Sechs Monate werden das gute Dutzend Teilnehmer im Korneuburger Gefängnis zwei Mal die Woche „Sporttraining nach ihren Bedürfnissen“ bekommen. Nach dem Programm wird auch versucht, die Effekte zu messen. Denn eine Senkung der Rückfälligkeitsquote würde auch zum Opferschutz beitragen („jede nicht geschehene Straftat ist auch ein Opfer weniger“), und auch die Familien der Betroffenen werden klarerweise entlastet.

Parger weiß natürlich, dass er sich da einem im Bereich der Social Entrepreneurship schwierige Mission begibt. „Es ist sehr schwierig, das zu beweisen, aber wir werden das Projekt wissenschaftlich begleiten.“ Potenzial für das Programm gibt es jedenfalls auch im eher ruhigen, kleinen Österreich mit aktuell rund 8.300 Gefängnisinsassen genug.

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