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Perigee: Wie Algorithmen den Workflow humanitärer NGOs verbessern sollen

Emanuel Rudas und Markus Enenkel haben Perigee gegründet. © Carina Antl / Perigee
Emanuel Rudas und Markus Enenkel haben Perigee gegründet. © Carina Antl / Perigee

„In vielen Gegenden der Welt steigt nicht nur die Frequenz der Katastrophen, sondern auch deren Schweregrad. Jedes Mal, wenn so eine Situation eintritt, bedeutet das menschliche Schicksalsschläge und langfristige Konsequenzen für diese Regionen“, erklärt Emanuel Rudas, der gemeinsam mit Markus Enenkel Perigee gegründet hat. Ihr Startup will mit einer künstlichen Intelligenz helfen, Entscheidungsunterlagen für Fundraiser, Agenturen, Strategen und andere Helfer aus dem humanitären Bereich zu schaffen.

Perigee sammelt Katastrophen-Daten

Zu jedem humanitären Event gebe es „verstreut auf der Welt Personen, die einen Bezug dazu haben“, erklärt Rudas. Meist seien das kleinere Communities, die aber bereit wären, rasch mit finanziellen Mitteln zu helfen. Hier setzt Perigee an, fährt Enenkel fort: „Mit unserer SaaS-Plattform werden Daten zu diesen oft katastrophalen Ereignissen schnell und unkompliziert vereint – so wird aus Daten verwertbare Information. Wir beantworten Fragen wie: Wo ist etwas passiert? Wer spricht darüber? Wie entwickelt sich die mediale Wahrnehmung? Welche Influencer emotionalisieren gerade ihre Follower zu diesem Thema? Welche Infos und Bilder können wir anbieten, um mehr Kontext zu liefern? Können wir manche Spender direkt identifizieren und ansprechen? All das ermöglicht schnellere Hilfe und die Monetarisierung von Micro-Audiences.“ Auch die noch „eher zaghaft“ spendenden jüngeren Demographien würden mit Perigee „zielgerichteter“ angesprochen werden können.

Entscheidungsunterlage für Helfer

Die Aufgabe der Plattform besteht darin, Trends darzustellen und potenzielle Spender zu finden. Wie darf man sich die Suche im Detail vorstellen? Enenkel beschreibt den Vorgang: „Unsere Algorithmen sammeln tausende Datenpunkte zu rezenten Notfällen und stellen sie dar. Wir bieten eine sehr einfach zu bedienende, lizenzbasierte Plattform, die eine Entscheidungsunterlage für Fundraiser, Agenturen, Strategen und andere Helfer aus dem humanitären Bereich darstellen soll. Wir haben dabei versucht, in zahlreichen Gesprächen mit NGOs und nahestehenden Organisationen herauszufinden, was ihren Workflow verbessern könnte. Letztlich bieten wir eine Lösung für Akquisition von Spendern und der Stütze von strategischen Entscheidungen – jedoch keine ‚Maschine‘, die den Fundraiser ersetzt.“

Man sehe „viel Potenzial“ in der Anwendung von Methoden zur Erkennung und Vorhersage von Mustern. Das Problem dabei ist allerdings, dass komplexe Anwendungen von Nutzern oft als ‚Black Box‘ verstanden werden, erklärt Rudas. „Das erzeugt häufig Skepsis, insbesondere wenn es um humanitäre Aktivitäten geht. Wir arbeiten eng mit diversen Hilfsorganisationen zusammen, um herauszufinden, wo und wann genau derartige Anwendungen Sinn machen und wie wir sie in existierende Workflows unserer Nutzer integrieren können.“

„Über die meisten Fälle wird nicht berichtet“

Beispiele zum besseren Verständnis haben die beiden Gründer auch. „Wenn wir an humanitäre Hilfe denken, fallen uns oft einzelne Katastrophen ein. Das sind dann meist medial stark verbreitete Bilder wie die Explosion im Libanon im Vorjahr oder Zyklon Eloise in Mozambique. Doch das ist nur ein Bruchteil von dem, was sich auf unserem Planeten abspielt. Vieles nehmen wir gar nicht mehr wahr: klassische Medienberichterstattung verliert als Kommunikationsmittel zunehmend an Bedeutung und über die meisten Fälle wird gar nicht erst berichtet. Dabei mehrt sich in vielen Gegenden der Welt nicht nur die Frequenz der Katastrophen, sondern auch deren Schweregrad. Jedes Mal, wenn so eine Situation eintritt, bedeutet das menschliche Schicksalsschläge und oft langfristige Konsequenzen für diese Regionen.“

Aktuell müsse man nur nach Kroatien schauen, wo es zuletzt einige Erdbeben gab. „Die Plattform bietet hier innerhalb von kürzester Zeit ein umfassendes Bild der Lage: Von Satellitenbildern, die wertvollen Kontext über das Ausmaß der Katastrophe liefern, bis zu Tools, die bei der Ansprache der Menschen helfen, die Inhalte zu dem Thema konsumieren und teilen. Man erhält so schneller eine Übersicht und die Kampagnen können schneller gelaunched werden. Gerade die ersten 48 Stunden sind in so einem Fall essentiell“, erklärt Rudas.

Aktiv seit fast drei Jahren

Perigee sei dabei letztlich „die Summe ihrer Erfahrungen“, wie die beiden Gründer ihren Start beschreiben: „Markus stammt aus Wissenschaft und war lange in der humanitären Community tätig. Ich habe einen wirtschaftlichen Background mit Fokus Marketing, dabei aber sowohl Konzerne als auch Non-Profits von innen gesehen“, erzählt Rudas. Vor etwa zweieinhalb Jahren habe man begonnen, sich Gedanken zu machen, wie man den „Dritten Sektor“ unterstützen könnte. Das nicht alleine: „Wir haben in der Entwicklung mit vielen externen Experten gearbeitet und konsolidieren gerade unser Team in Österreich. Derzeit arbeiten wir mit Non-Profits und auch Regierungsbehörden an der Plattform und neuen Projekten auf Basis unserer Technologien“, erklärt Enenkel.

ESA BIC Austria als Wegbereiter

Wichtig für den Erfolg von Perigee war auch das European Space Agency Business Incubation Centre in Graz: „Das ESA BIC Austria hat uns mit finanziellen Mitteln, Office Space und Mentoring deutlich unter die Arme gegriffen. Viele Schritte wären nicht möglich gewesen, hätte man uns nicht dieses Umfeld zur Entwicklung des Prototypen gegeben. Der Blick von außen war wertvoll, denn in so einem kleinteiligen Entwicklungsprozess verliert man manchmal das Gefühl für die Außenwahrnehmung und das ‚große Ganze'“, blicken die Gründer zurück. „Da wir auch mit Earth Observation Data – in unserem Fall Satellitenbildern – arbeiten, war das vom Science Park Graz (hier geht es zu allen Storys) geführte ESA BIC Austria ein sinnvoller Anlaufpunkt für uns. Wir haben uns schließlich dort beworben und wurden vom ersten Moment an großartig unterstützt.“

„Wollen der Treiber sein“

Entsprechend positiv soll es weitergehen. Das Potenzial von Perigee sei groß: „Der Bedarf für eine Lösung wie unserer wird in den nächsten Jahren nicht zuletzt durch den Klimawandel und damit in Verbindung stehenden Bedrohungen wachsen. Wir werden weiterhin daran forschen, wie wir den Sektor bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen unterstützen können. Wir planen ein starkes Wachstum weit über die Grenzen unseres Landes hinaus und wollen der Treiber einer technischen Revolution dieses Sektors sein.“

Martin Mössler vom Science Park Graz: „Startups brauchen sehr, sehr große Visionskraft“

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