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„Peak Valley“: Warum immer mehr Startups dem Silicon Valley den Rücken kehren

Landeanflug auf die Bay Area, Heimat des Silicon Valley bei San Francisco. © Jakob Steinschaden
Landeanflug auf die Bay Area, Heimat des Silicon Valley bei San Francisco. © Jakob Steinschaden

Enorme Mieten für selbst kleine Appartments; sündteure Büros; überdurchschnittlich hohe Löhne für Entwickler; und eine „Killzone“ rund um IT-Riesen wie Facebook, Google oder Apple. In einem Aufsehen erregenden Artikel hat das britische Wirtschaftsmazagin The Economist den „Peak Valley“ ausgerufen. Das Silicon Valley, so der Grundtenor der Analyse, sei an seinem Zenith angekommen. Zwar gebe es nach wie vor reichlich Geld, Ideen und Talente, um Milliardenunternehmen auf der grünen Wiese zu bauen. Doch das Silicon Valley nahe San Francisco in Kalifornien würde zunehmend „Opfer seines eigenen Erfolgs“ werden, so The Economist.

In der „Killzone“

Für Startups wird es zunehmend schwerer, im Silicon Valley zu großen Unternehmen zu wachsen. Google, Facebook, Apple und andere Großunternehmen sind seit vielen Jahren emsig dabei, immer neue Jungfirmen aufzukaufen. Google hat seit 2006 mehr als 200 andere Firmen aufgekauft (z.B. Tenor im März 2018), und die Übernahmen von WhatsApp, Instagram oder Oculus durch Facebook sind in die IT-Geschichte eingegangen. Und wenn sich aufstrebende Startups nicht kaufen lassen, dann kann es leicht sein, dass sie kopiert werden. Bestes Beispiel ist Snapchat: Mark Zuckerberg wollte die Messaging-App für Milliarden übernehmen, doch Snapchat-Gründer Evan Spiegel wollte nicht verkaufen. Die Folge ist bekannt: Instagram hat mit seinen „Stories“ Snapchat den Wind aus den Segeln genommen.

Um an die wichtigen Developer zu kommen, mit denen man Startups aufbaut, ist im Silicon Valley ebenfalls hart. Laut The Economist verdienen Facebook-Mitarbeiter im Schnitt pro Jahr 240.000 Dollar, bei Google sind es 200.000 Dollar. Junge Gründer können bei diesen Löhnen selten mithalten. Gepaart mit den hohen Büromieten – oft das Vierfache als in vielen anderen US-Städten – und den hohen Lebenserhaltungskosten (ebenfalls das Vierfache wie in anderen US-Regionen) ist es vielen Startups mittlerweile schlichtweg zu teuer, ins Silicon Valley zu ziehen.

Trump als Dämpfer

The Economist zufolge verlassen aktuell erstmals mehr Menschen die Bay Area als neue hinziehen. Bisher galt das Silicon Valley als Magnet für Talente aus der ganzen Welt. Auch US-Präsident Donald Trump ist da ein Faktor. Durch neue strenge Einwanderungsgesetze werden angehende Gründer, Mitarbeiter und Studenten oftmals davon abgehalten, in die Region nahe San Francisco zu ziehen. Für das Silicon Valley, das immer schon von einem fruchtbaren Mix von Menschen aus aller Welt lebte, ist das bitter. Immerhin wurden mehr als die Hälfte der Top-Techfirmen der USA von Migranten oder von Kindern von Migranten gegründet. Ein Beispiel: WhatsApp-Mitgründer Jan Koum wurde in der Ukraine geboren und wuchs in der ehemaligen UDSSR auf.

„Wenn sie mich in zehn Jahren fragen, warum das Silicon Valley gescheitert ist, dann deswegen weil wir die Einwanderung vermasselt haben“, wird Randy Komisar vom bekannten Risikokapitalgeber Kleiner Perkins bei The Economist zitiert. Mit Peter Thiel gibt es einen prominenten VC, der dem Silicon Valley den Rücken kehrt. Der gebürtige Deutsche, der PayPal mitgründete und früh in Facebook investierte, zieht nach Los Angeles, um von dort seine Geschäfte zu machen.

Morgendämmerung in anderen Regionen

Dazu kommt, dass es mittlerweile attraktive Hubs für Startup-Gründer auch in anderen US-Bundesstaaten und Ländern gibt. In den USA sind Seattle (Amazon, Microsoft), New York, Los Angeles oder Austin in Texas aufstrebende Hubs, und die Kaufmann Foundation führt aktuell gar Miami-Fort Lauderdale als jene Region mit der größten Startup-Aktivität an. In Europa locken Berlin, London, Amsterdam oder Barcelona, in Asien Singapur oder Hongkong. Manche Gründer wagen es sogar, in Peking und Shenzhen in China ihre Hauptquartiere aufzuschlagen.

„Was außerhalb der USA, insbesondere in Asien, passiert, ist erstaunlich und es gibt viele neue Sektoren, die gerade erst entstehen und Innovationen in neue und aufregende Richtungen treiben“, schreibt der New Yorker VC Fred Wilson von Union Square Ventures. „Vor dem Morgengrauen sehen die Dinge immer am dunkelsten aus und ich glaube, wir sehen die Morgendämmerung einer Reihe wichtiger neuer Sektoren. Und ich denke, das Silicon Valley wird eine wichtige Rolle in allen spielen. Aber auch viele andere Regionen auf der Welt werden das.“

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