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Patente: 2019 ist Rekordjahr für österreichische Erfindungen

Bundesministerin Leonore Gewessler und Patentamtspräsidentin Mariana Karepova präsentierten den Jahresbericht des Patentamtes. © Österreichisches Patentamt/APA-Fotoservice/Reither
Bundesministerin Leonore Gewessler und Patentamtspräsidentin Mariana Karepova präsentierten den Jahresbericht des Patentamtes. © Österreichisches Patentamt/APA-Fotoservice/Reither

2017 waren es 2.900 Erfindungen, die beim österreichischen Patentamt für Österreich angemeldet wurden, 2018 sank die Zahl ein wenig auf 2.744 Patentanmeldungen – und 2019 war es nun wieder 2.724. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der Patente, die von Österreichern bzw. heimischen Unternehmen weltweit angemeldet wurden, einen neuen Rekord erreicht hat: 11.731. Das schlägt sogar das bisherige Spitzenjahr 2016.

„Ich freue mich über diesen Rekord, es gibt mehr Patente aus Österreich als je zuvor“, sagte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag vormittag in Wien. „Patente zeigen, dass aus Ideen anwendbare Innovationen werden. Österreichs Forschung ist auf Rekordniveau.“ Auch im europäischen Vergleich könne sich unser Land sehen lassen, in der EU liege man bereits auf Platz sechs.

Bei Patenten in den Bereichen Verkehrstechnik und Maschinenbau ist Österreich am stärksten, reges Wachstum wird in den Bereichen Klimaschutz und Künstliche Intelligenz verzeichnet. Gerade bei umweltfreundliche Verkehrstechnik sorgt Österreich mittlerweile für 50 Prozent mehr Patente als andere Spitzenreitern in der EU.

AVL List als „Patent-Kaiser“

Ein Grund dafür: Der österreichische „Patent-Kaiser“ AVL List. Der steirische Automobil-Spezialist und Zulieferer hat sich – wieder einmal – mit 169 zum Patent oder Gebrauchsmuster angemeldeten Erfindungen auf Platz 1 gesetzt, vor den Unternehmen Julius Blum und Engel. AVL List forscht bereits seit vielen Jahren an Technologien für Elektro- und Wasserstoffautos.

„Emissionsreduktion ist das Ziel von fast allen Aufträgen, die wir aus der ganzen Welt bekommen“, so Helmut List, CEO von AVL List. „Die Elektrifizierung des Antriebsstranges ist eine Schlüsseltechnologie. 40 Prozent unserer Patentanmeldungen sind in der Elektrifizierung, 20 Prozent für Brennstoffzellen aller Art.“ Wie berichtet gibt es in Österreich ganz neue eine erhöhte Förderung für Elektro- und Wasserstoffautos (Trending Topics berichtete).

Auch bei den Markenanmeldungen 2019 sind Steigerungen zu verzeichnen, berichtete Patentamtspräsidentin Mariana Karepova. Im vergangenen Jahr waren es fast 6.300, das ist eine Steigerung von 6 Prozent im Vergleich zum Jahr 2018. Wie sich die Coronakrise 2020 auf die Zahlen auswirken wird, würde man erst am Ende des Jahres wissen. Zwar gebe es bei Einzelerfindern einen Rückgang von etwa 30 Prozent, bei großen Unternehmen seien die Zahlen aber stabil. „Erfindungen, die schon vor der Krise in der Pipeline waren, wurden zum Patent angemeldet“, so Karepova. Für 2020 rechnet das Europäische Patentamt rechnet mit einem Minus von zehn Prozent.

Startups müssen mehr patentieren

Aufholbedarf gibt es weiterhin bei KMU und Startups. Nur 9 Prozent der KMU in Europa haben eigene Marken und Patente, rein die Patente betrachtet sind es sogar nur 0,8 Prozent. „KMUs und Startups wissen recht wenig über Patentschutz. Es ist aber keine Wissenschaft, Patente anzumelden“, sagte Karepova. Gerade für Startups, die sich im internationalen Wettbewerb mit Technologien behaupten müssen, sei es essenziell Patente zu halten. Deswegen würde man mit der „IP Academy“ dabei helfen, jungen Gründern und Firmen beim Schutz des geistigen Eigentums zu helfen.

Beispiel ist etwa das steirische Startup Norganoid rund um Gründerin Charlotte Ohonin, das im Science Park Graz sitzt. Es entwickelt Bio-Chips, die mittelfristig Tierversuche bei der Entwicklung von Medikamente reduzieren sollen. „Zunächst waren wir uns nicht im Klaren darüber, dass unsere Ideen patentierbar sind“, so Ohonin. Dann wäre man auf den Patent-Scheck aufmerksam geworden, und jetzt würde man bereits weitere Patente planen.

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