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Sport: Online-Kurse boomen. Doch eine echte Lösung sind sie für die wenigsten.

Yoga zu Hause. © Photo by Zen Bear Yoga on Unsplash
Yoga zu Hause. © Photo by Zen Bear Yoga on Unsplash

Seit dem die Ausgangsbeschränkungen und Lokalschließungen in Österreich gelten, gibt es im Sportbereich einen neuen Trend: Online-Kurse. Jene Menschen, denen es nicht reicht, ab und zu draußen laufen zu gehen, holen sich ihre Lehrer und Trainer über Video-Streams ins Wohnzimmer. Ganz vorne dabei bei diesem Trend sind zwei österreichische Startups: Eversports und myClubs.

Einzelstunden oder gleich im Abo

Auf den ersten Blick ähnlich, unterscheiden sich die beiden Angebote am Ende doch stark. Bei Eversports rund um CEO Hanno Lippitsch funktioniert die Sache folgendermaßen: Über die Online-Plattform kann man aus einer Auswahl an Kursen wählen und eine passende Trainingseinheit buchen (zwischen 4 und 21 Euro je nach Anbieter). Den Zugriff via Link auf den Livestream (Youtube Livestream, Google Meet, Zoom oder Skype) bekommt man dann 15 Minuten vor Beginn zugeschickt. Das erfordert, dass man sich bei einigen Lösungen die entsprechende Software installiert.

Bei myClubs setzt man entsprechend dem bisherigen Geschäftsmodell auf monatliche Abos. Seit kurzem gibt es für die gestreamten Online-Kurse zwei Pakete. Für 27 Euro monatlich kann man 5 Livestream-Workouts pro Monat nutzen, für 45 Euro bekommt man Zugriff auf sämtliche der mehr als 50 Livestreams pro Tag. Das bedeutet auch: myClubs hat die Abopreise im Vergleich zum regulären Offline-Angebot deutlich vergünstigt. Für den Besuch von 4 Offline-Kursen pro Monat bezahlte man bei myClubs zuvor 45 Euro.

Ein Gratis-Angebot gibt es aber auch: Jeden Tag um 18 Uhr bietet myClubs gemeinsam mit Partnerstudios via Youtube und Facebook Live-Workouts an, die man sich auf den entsprechenden Channels kostenlos ansehen kann.

Datenschutz und Technik als Stolpersteine

Wenn Fitnessstudios, die offline derzeit kein Geschäft machen können, online Kurse anbieten wollen, müssen sie einiges beachten. Das eine betrifft die Technik. Dienste wie Zoom oder Skype wurden ursprünglich für andere Zwecke (2-Wege-Kommunikation) gebaut. Deswegen kann es sein, dass sich Zuseher mit Audio und Video zuschalten, und das wiederum kann es kompliziert machen, wenn man das Video aufzeichnen und später weiterverwenden will (z.B. auf einer anderen Online-Plattform oder der eigenen Webseite veröffentlichen). Und dann wiederum benötigt man die Zustimmung der Teilnehmer.

Ebenfalls kompliziert wäre es, wenn man während dem Workout Musik aufdreht. Denn da man die Stunde online überträgt, bräuchte man eigentlich eine Lizenz dafür, da Songs urheberrechtlich geschützt sind. Bei Eversports wird Fitnessstudios dazu geraten, ihre Datenschutzbestimmungen zu aktualisieren, einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter des Video-Tools zu schließen (das macht man in der Regel dann, wenn man die kostenpflichtige Version nimmt) und von Videoaufzeichnungen und Musik abzusehen (mehr dazu hier).

Online-Geschäft alleine reicht nicht

Livestreams bieten Trainern und Sportstudios also die Möglichkeit, auch während den Lockdowns Kurse durchzuführen – doch einfach ist das technisch und rechtlich nicht, und auch die Preise für Kurse liegen oft unter jenen der Offline-Kurse. Auf der Habenseite: Die Eintrittsbarriere gerade für neue Nutzer ist sehr niedrig, und wer gutes Marketing macht, der kann die Kurse für weit mehr als jene 20, 30 Menschen abhalten, die sich sonst offline im gleichen Raum versammeln können.

Da derzeit aber gerade Youtube mit kostenlosen Trainings-Videos geflutet wird, sehen sich kostenpflichtige Angebote gefordert, Mehrwert zu bieten. Bei der deutschen Influencerin Pamela Reif sehen regelmäßig zehntausende live bei den Workouts zu. Für kleine Studios und Trainer ohne Instagram-Fame ist diese neue, werbefinanzierte Konkurrenz, die während den Ausgangsbeschränkungen ihre Stärken voll ausspielen kann, natürlich ein Problem. Warum eine Gebühr bezahlen, wenn auf Youtube die Instagram-Models gratis vorturnen?

Eine Dauerlösung ist das für sie nicht. „Kein Yogabetrieb kann sich allein auf Online-Geschäft verlassen“, so Astrid Wiesmayr, Gründerin der YogaUnion. Die Erlöse seien höchstens ausreichend, um einen kleinen Teil der Fixkosten wie Miete, Telefon, Internet und Versicherungsbeiträge abzudecken.

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