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omni:us: Wie österreichische Gründer in Berlin den InsurTech-Markt aufmischen

Die omni:us-Gründer Stephan Dorfmeister (CFO), Sofie Quidenus-Wahlforss (CEO), Eric Pfarl (CXO), Martin Micko (COO) und Harald Gölles (CTO). © omni:us
Die omni:us-Gründer Stephan Dorfmeister (CFO), Sofie Quidenus-Wahlforss (CEO), Eric Pfarl (CXO), Martin Micko (COO) und Harald Gölles (CTO). © omni:us

Die „Insurance Innovation of the Year“ kommt aus – Berlin, naja, eigentlich aus Österreich. Denn bei einer großen Preisverleihung der Versicherungsbranche in London ist dieses Jahr das Startup omni:us ausgezeichnet worden, dass von einer Gruppe Österreicher rund um Seriengründerin Sofie Quidenus-Wahlforss gestartet wurde. Die Grundidee: Mit Hilfe von AI soll der Schadensprozess von Versicherungen automatisiert werden. Vor ziemlich genau einem Jahr hat das Startup gar 20 Millionen Euro Investment bekommen. Wiederholt sich da die Story von N26?

“Wir verstehen uns als Deep-Tech-AI-Unternehmen und unterstützen Versicherungen dabei, den Schadensprozess zu automatisieren”, sagt Martin Micko, einer der Gründer von omni:us. Er hat die Firma gemeinsam mit Quidenus-Wahlforss (ehemals Qidenus Technologies GmbH; halbautomatische Scannen von Büchern mit Hilfe von Robotern), Eric Pfarl (gründete 123people mit), Stephan Dorfmeister (u.a. Deloitte) und CTO Harald Gölles ins Leben gerufen. Innerhalb kurzer Zeit ist omni:us zu einem der spannendsten InsurTechs Europas aufgestiegen.

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Schadensprozesse automatisieren

“Unser größter Kunde in den USA hatte bis vor kurzem 40 Mann, die mit Mails mit Schadenanfragen beschäftigt waren. Wir haben das zu 90 Prozent automatisiert”, sagt Micko, der selbst lange Jahre bei Sony Austria als Marketing-Chef tätig war. “Wir verwenden KI-Module, unter anderem um aus der eingehenden Kommunikation möglichst viele Daten zu extrahieren um darauf aufbauend den Schadensprozess zu automatisieren und optimieren.“ man könne den Prozess von mehreren Wochen auf wenige Tage zu verkürzen und so gleichzeitig kostengünstiger und kundenfreundlicher machen.



Ursprünglich beschäftigte sich Micko gemeinsam mit Quidenus-Wahlforss mit automatisierter Handschrifterkennung – quasi ein Nachfolgeprojekt von der Bücher-Scan-Firma Qidenus Technologies. Dann ging der Knopf auf: Eine Versicherung meldete sich mit der Frage, ob man diesen Ansatz auch auf ganze Dokumente anwenden könne. “Wir haben uns dann stark damit beschäftigt, wie das mit Dokumenten in der Versicherungsbranche läuft”, so Micko.

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„Wir wollen die Branche nicht disrupten“

Einige Jahre später ist omni:us gefragter Partner großer Unternehmen mit knapp 70 Mitarbeitern. Kunden der Automatisierungs-Software sind etwa die Allianz, HDI oder die Basler Versicherung. “Der Kunde bezahlt eine Lizenz für die Verwendung unserer KI-Technologie und pro behandeltem Schadensfall einen bestimmten Betrag”, sagt Micko. Dass das österreichische Team nach Deutschland gegangen ist, war im Nachhinein die richtige Entscheidung. “Berlin ist eine der großen Startup-Drehscheiben in Europa, dort gibt es sehr viel Austausch, und es gibt viele der größten VCs aus Europa und Nordamerika.”

Das versammelte omni:us-Team. © omni:us
Das versammelte omni:us-Team. © omni:us

Anders als etwa N26 versteht sich omni:us nicht als Mitbewerber klassischer Versicherungen, sondern als Partner. “Insurtechs werden dann erfolgreich sein, wenn sie ganz spezifische Lösungen schaffen, die anderen Unternehmen dabei helfen, effizienter und kundenorientierter zu sein. Auch wir wollen die Branche nicht disrupten, sondern andere Player unterstützen”, sagt Micko. Und: Es geht ihm und seinen Co-Foundern am Ende nicht um maschinelle Effizienz, sondern um eine bessere Hilfe für Menschen.

„KI kann Versicherungen wieder menschlicher machen“

Der Grundgedanke einer Versicherung ist die kollektive Übernahme von Risiko. Dieser Gedanke ist in den letzten 30 Jahren auf Grund des Fokus auf Effizienzsteigerung etwas in den Hintergrund geraten“, so der omni:us-COO. „Durch den Einsatz von KI kann man es schaffen, repetitive Aufgaben zu automatisieren und gleichzeitig Menschen in kritischen Situationen schneller und unkompliziert zu helfen.” Und sagt anschließend einen spannenden Satz: “Der Nutzer muss wieder das Gefühl bekommen: Da kümmert sich wirklich jemand um mich, wenn es mir schlecht geht. KI kann Versicherungen wieder menschlicher machen.”

In Deutschland oder den USA gibt es mit WeFox, Lemonade oder Element eine Reihe von Startups, die die Versicherungsbranche aufmischen. Die echte Disruption könnte aber aus Asien kommen, wo riesige Online-Versicherer wie Zhong An entstanden sind und hunderte Millionen Nutzer gewonnen haben. auch Micko sagt: “Die Innovation im Insurtech-Bereich kommt immer stärker aus dem Osten. Chinesische Player gehen da bereits sehr spannende Wege und denken Prozesse sehr neu. In Amerika sind viele Versicherungen technologisch sogar hinter vergleichbaren Firmen aus Europa.”

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