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Ohlala: Erotische Video-Dates sollen Singles über die Corona-Krise helfen

Die App von Ohlala © Spreefang
Die App von Ohlala © Spreefang

Das von der Österreicherin Pia Poppenreiter in Deutschland gegründete Startup Ohlala erweitert das Angebot um erotische Video-Chats. Das soll virtuelles Dating in Corona-Zeiten ermöglichen, wie das Jungunternehmen mitteilte. Wie auch schon das bisher verfügbare Anbahnen herkömmlicher Treffen mit Nutzerinnen oder Nutzern, müssen Männer und Frauen (unterschiedlich viel) für diese Dates bezahlen.

„Wenn ein Mann mit einer Frau in einen privaten Chat oder ein Einzel-Video-Date möchte, kostet es ein paar Coins“, erklärt das Startup auf Nachfrage. Ein Coin entspreche dabei etwa einem Euro. Je nach Coin-Paket, das man erwirbt, kostet eine virtuelle Münze bis zu rund 1,80 Euro und für einen Chat werden zehn solcher Coins fällig.

Ohlala wurde 2015 gegründet und sorgte bereits damals für heftige Diskussionen. In der App müssen Männer bei der Anbahnung eines Dates angeben, wieviel sie bereit sind für eine bestimmte Anzahl an Stunden an die Frau zu bezahlen. Dieser Betrag wird dann beim Treffen selbst in bar bezahlt und Ohlala nimmt keine Provision – wohl, um in keinen Konflikt mit dem Prostitutionsgesetz zu kommen.

Doch keine Kryptowährung

2018 führte das Startup mit den Coins eine Art Digitalwährung ein und wollte eigentlich einen „ICO“, ein Intitial Coin Offering, durchführen, also eine eigene Kryptowährung schaffen. 100 Millionen Euro wollte Poppenreiter damals durch die Ausgabe von Tokens einnehmen, blies das Projekt aber wieder ab, weil der Nutzen der Blockchain für Ohlala nicht groß genug sei.

Gratis mit mehreren Männern

Bei den neuen „virtuellen Dates“ betritt man einen ausgewählten Chatraum einer Frau, in dem zunächst „keine Exklusivität herrscht“, erklärt das Jungunternehmen, „das heißt, es können auch mehrere Männer gleichzeitig in einem Chatraum online sein“. Bezahlt wird erst, wenn man Zweisamkeit wünscht. Grundsätzlich sei den Beteiligten dann natürlich selbst überlassen, was passiert. Der Fokus liege aber „stärker im Bereich Erotik als es womöglich bei herkömmlichen Video-Chats der Fall ist“.

PR-Eklat auf deutscher Konferenz

2016 sorgte Ohlala auf der Berliner Digitalkonferenz Noah für einen Eklat. Wie Poppenreiter danach zugeben musste, eine mißlungene PR-Aktion: Sie schleuste ein Team aus Escort-Damen in die Großveranstaltung ein, die ihre Dienste mit Kartenlesegeräten ausgestattet den männlichen Besuchern der Konferenz anboten.

Live-Chats sollen „nicht in falsche Richtung gehen“

Trotz Bezahlung und dem Fokus auf Erotik, will Ohlala mit den Video-Dates nicht zu einer Porno-Plattform werden: „Wir wollen uns davon deutlich abgrenzen“, heißt es auf Nachfrage. Das „Qualitätsmanagement-Team“ achte darauf, „dass die offenen Live-Chats nicht in eine falsche Richtung gehen“. Ein respektvoller Umgang sei sehr wichtig und es gebe einen klaren Verhaltenskodex.

Private Chats nicht vollständig kontrollierbar

Bei den privaten Video-Dates „können wir natürlich nicht alle Inhalte zu 100% kontrollieren“, gesteht das Unternehmen ein. Und wie sieht es mit Sicherheitsmaßnahmen aus, damit aus diesen Chaträumen nicht anzügliche Bilder ungewünscht in die Hände Fremder gelangen? Ohlala: „Benutzer, die gegen Regeln verstoßen oder negativ auffallen, können direkt gemeldet werden. Unser internes Qualitätsmanagement-Team kümmert sich durchgängig darum, dass bei Ohlala alles ordnungsgemäß abläuft. So können Nutzer ermahnt oder sogar blockiert und von der Plattform ausgeschlossen werden“.

40 Prozent der Nutzer Frauen

Mehr als 10.000 aktive Nutzer hat die Plattform nach eigenen Angaben. Tendenz steigend. Der Frauenanteil liege, „besonders hoch“, bei 40 Prozent. 2016 schaffte es das Startup, eine Finanzierungsrunde über 1,7 Millionen Dollar abzuschließen und nach new York zu expandieren. Nur sechs Monate später musste ein Großteil der Mitarbeiter entlassen werden. Poppenreiter ist mittlerweile nicht mehr operativ tätig, hält aber noch Anteile an dem Unternehmen. 2019 übernahm Rituraj Mitra, der davor Produktmanager bei dem Coworking-Space rent24 war, vorübergehend die Geschäftsführung und nun soll Damian Leich als Interimsmanager der Plattform „neuen Schwung verleihen will mit mehr Sicherheit und Qualität für seine Benutzer“.

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