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„Konjunktureller Aufholprozess“

Österreichische Nationalbank veröffentlicht gesamtwirtschaftliche Prognose bis 2023

Die Österreichische Nationalbank veröffentlicht die Wirtschaftsprognose bis 2023. © OENB
Die Österreichische Nationalbank veröffentlicht die Wirtschaftsprognose bis 2023. © OENB

Die Österreichische Nationalbank erwartet einen „kräftigen konjunkturellen Aufholprozess“ im ersten Halbjahr 2021 – vorausgesetzt, die gesundheitspolitischen Maßnahmen laufen schrittweise aus. Nach einem Rückgang des realen BIP im Ausmaß von 7,1 Prozent im Jahr 2020 wird für die Jahre 2021 bis 2023 mit Wachstumsraten von 3,6 Prozent, 4,0 Prozent bzw. 2,2 Prozent gerechnet. Mitte 2022 sollte das reale BIP laut der ÖNB wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

Spannend ist auch das gesamtstaatliche Defizit (Maastricht): Das soll im Jahr 2020 auf 9,2 Prozent des BIP wachsen, werde sich jedoch bis 2023 wieder deutlich auf 1,4 Prozent des BIP zurückbilden. Das Maastricht-Defizit ist für die Einhaltung des Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts oder den neuen Fiskalvertrag „von großer Relevanz“.

Zweiter Lockdown mit geringeren Auswirkungen

Die ÖNB geht grundsätzlich von einer „schrittweisen Lockerung der Stützungsmaßnahmen“ aus, auch wenn 2021 ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Im ersten Quartal 2021 sowie in geringerem Ausmaß auch noch im zweiten Quartal 2021 werde die „wirtschaftliche Aktivität in und außerhalb Österreichs“ noch durch die Pandemie belastet. Der zweite Lockdown (soft und hart) führe indes zu einem „deutlich geringeren Einbruch der Wirtschaftsleistung“ als Lockdown eins im Frühjahr. Die ÖNB erwartet, dass das BIP in den Wochen während des zweiten Lockdowns um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgehen wird. Im Frühjahr war das Minus mit –25 Prozent fast doppelt so hoch. Eine Begründung dafür gibt es auch: Für die geringeren Auswirkungen seien verschiedene Aspekte verantwortlich, vor allem aber „geringere Störungen der globalen Wertschöpfungsketten“, keine Produktionsschließungen, Lerneffekte, die geringere Unsicherheit sowie „größere Zuversicht angesichts einer sich abzeichnenden medizinischen Lösung“.

Tourismusbranche kämpft weiter

Problematischer sei die Situation bei den „Tourismusexporten“. „Insgesamt ist für das Gesamtjahr 2020 mit einem Rückgang der Exporte von Gütern und Dienstleistungen von knapp zwölf Prozent zu rechnen“, schreibt die ÖNB. Im Laufe des Jahres 2021 rechnet die Nationalbank aber mit einer“ kräftigen Konjunkturerholung in allen wichtigen Exportzielländern“. Das wiederum würde der österreichischen Wirtschaft entgegenkommen.

Größere Sparquote

Im privaten Umfeld zeigen sich ebenfalls Einschnitte. Es gibt zwei Gründe für den starken Anstieg der Sparquote (13,7 Prozent, das ist ein Plus von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr): „Zwangssparen“ aufgrund der Einschränkungen der Konsummöglichkeiten oder „Vorsichtssparen“ aufgrund der erhöhten Einkommensunsicherheit. So oder so sind die privaten Konsumausgaben um etwa 8,8 Prozent gesunken. Für 2021 erwartet die Nationalbank trotz stagnierender Realeinkommen ein Konsumwachstum von 3,9 Prozent – weil das Ersparte dann wieder ausgegeben wird.

Arbeitslosigkeit soll ab 2023 sinken

Zuletzt: Der Arbeitsmarkt. Der Wirtschaftseinbruch verringere im Jahr 2020 das Arbeitsvolumen (also die Anzahl der Arbeitsstunden) der unselbstständig Beschäftigten um 8,8 Prozent. Der Beschäftigungsabbau galle dank des massiven Einsatzes von Kurzarbeit jedoch mit –2,3 Prozent „vergleichsweise moderat“ aus. Für das Jahr 2021 wird mit einem leichten Anstieg der Beschäftigung gerechnet. Die Arbeitslosigkeit nach AMS-Definition steigt 2020 um 2,8 Prozentpunkte auf 10,2 Prozent, wird 2021 auf diesem Niveau verharren und bis zum Jahr 2023 auf 8,9 Prozent zurückgehen, errechnet die ÖNB. Das setzt natürlich voraus, dass keine unvorhergesehenen Probleme auftreten.

Das alles hat letztlich natürlich auch Auswirkungen auf den Staatshaushalt:  Die Staatsschuldenquote steigt 2020 und auch 2021 „sehr stark“ an (auf 83,3 Prozent bzw. 86,4 Prozent des BIP) und soll danach bis 2023 „geringfügig auf 82,5 Prozent des BIP“ zurückgehen.

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