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Regulierung: Österreich ist eines der ersten EU-Länder mit Ausnahmen für FinTechs

Finanzminister Hartwig Löger © BMF/Wilke
Finanzminister Hartwig Löger © BMF/Wilke

Junge Finanzunternehmen können in Österreich demnächst ihre Dienstleistungen einfacher anbieten als bisher. Um Innovationen schneller in den Markt bringen zu können, dürfen ausgewählte FinTechs unter Aufsicht der Finanzmarktaufsicht (FMA) ihr Angebot mit echten Kunden ausprobieren. Ein Beta-Test für innovative Finanzdienstleistungen, quasi.

„Regulatory Sandbox“ nennt sich diese Art, innovative Geschäftsideen zu ermöglichen. Und Österreich gehört in der EU zu den Vorreitern. In den nächsten Wochen wird die Sandbox für FinTechs fertig sein, verriet Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) dem Kurier. Dann dürfen die ersten fünf Startups unter den Augen der FMA ein halbes Jahr lang mit echten Kunden experimentieren. In diesen sechs Monaten soll es gelingen, die FinTechs bis zu einer vollwertigen Konzession zu begleiten. Wer das nicht schafft, muss seine Dienstleistung wieder einstellen bzw. ohne Sandbox weiter an Verbesserungen arbeiten.

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In Großbritannien seit 2015

Vorreiter für diese Art von Sandkasten für junge FinTechs ist Großbritannien. Dort gibt es bereits seit 2016 eine Regulatory Sandbox. Alleine in dem letzten Batch durften 29 Unternehmen ihren Service sechs Monate lang unter Aufsicht der FCA testen. Darunter auch etablierte Finanzunternehmen mit Lizenz, die lediglich neue Produkte ausprobieren. Die Sandbox habe einerseits geholfen, Innovationen schneller und günstiger in den Markt zu bringen, heißt es in einem Report, der 2017 nach den ersten beiden Batches veröffentlicht wurde. Aber auch die Regulierungsbehörde habe gelernt, schneller passende Konsumentenschutz-Maßnahmen für neue Finanzprodukte zu entwickeln.

EU braucht nach Brexit starke FinTech-Strategie

Nachdem Großbritannien aus der EU austritt, steigt der Druck, auch in anderen Ländern Sandboxes zu etablieren. Derzeit gibt es solche Spielwiesen für FinTechs noch in Dänemark, Litauen, Polen, den Niederlanden und demnächst auch in Österreich, Spanien und Ungarn. Die EU will das noch stärker forcieren. Die European Banking Authority (EBA) hat deshalb Richtlinien für FinTech Sandboxes und Innovation Hubs ausgearbeitet, in die Erfahrungen aus den fünf Sandbox-Ländern geflossen sind. Der entsprechende Report wurde am Montag veröffentlicht.

Ist es tatsächlich so, dass die FMA-Konzession am Ende der Sandbox-Teilnahme eines FinTechs in Österreich steht (wie der Kurier berichtete), wäre das in der EU ein Novum. Laut dem Bericht der EBA ist es bisher üblich, FinTechs nur dann mit echten Kunden „spielen“ zu lassen, wenn sie eine Lizenz der jeweiligen Aufsichtsbehörde erlangen – es sei denn, für ihre Dienstleistung oder ihr Produkt ist so eine Lizenz nicht nötig.

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Riddle & Code in der Österreich-Sandbox

In Österreich wird das Startup Riddle & Code unter den ersten Startups sein, die die neue FinTech-Sandbox ausprobieren. Das 2016 gegründete Jungunternehmen rund um Gründer Thomas Fürstner hat sich zum Ziel gesetzt, Blockchain-Technologien und das Internet of Things (IoT) zusammenzubringen. Eigene Hard- und Software sollen dafür sorgen, dass Daten sicher und verschlüsselt übertragen werden können. Riddle & Code hat Projekte in verschiedenen Bereichen, darunter Energie oder Lieferketten. Ein Projekt betrifft den Finanzbereich und soll nun in der Sandbox getestet werden: Unternehmen sollen so etwa in Rohstoffen gebundenes Kapital als Finanzierungsinstrument nutzen können.

Startup-Vertreter beraten Finanzminister

Um den Finanzsektor für digitale Geschäftsmodelle fit zu machen, lässt sich Finanzminister Löger von einem eigenen Beirat beraten. Dort sitzen neben Vertretern großer Banken auch Persönlichkeiten aus der österreichischen Startup-Szene, unter anderem Wikifolio-Gründer Andreas Kern, Patrick Pöschl von Fintech Austria oder Stefan Klestil vom Risikokapitalgeber Speedinvest.

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